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Prima Klima in der Antike?

Meteorologen der Freien Universität berechnen auch die Großwetterlagen früherer Epochen

06.03.2009

Ulrich Cubasch ist Mitglied des Weltklimarates und Professor für Meteorologie an der Freien Universität
Ulrich Cubasch ist Mitglied des Weltklimarates und Professor für Meteorologie an der Freien Universität Bildquelle: David Ausserhofer www.ausserhofer.de

Wenn es um den Klimawandel geht, reden alle nur über Treibhausgase. Den Einfluss der Sonne lässt die öffentliche Debatte bei diesem Thema gern außer acht. Das könnte ein Fehler sein, sagt Meteorologie-Professor Ulrich Cubasch. Er muss es wissen: Der Forscher der Freien Universität ist einer der Autoren des UN-Klimareports.

Mit den Auswirkungen des Austoßes von Treibhausgasen lässt sich die kleine Eiszeit von 1675 bis 1730 nicht erklären, die nicht nur Europa das Zittern lehrte. Von der Industrialisierung war die Erde damals noch ein gutes Stück entfernt, also auch von großen Mengen Kohlendioxids in der Atmosphäre. Es muss daher die verminderte Sonneneinstrahlung –  begünstigt durch zahlreiche, die Atmosphäre mit Staub verdunkelnde Vulkanausbrüche – gewesen sein, die Ursache jener kleinen Eiszeit war.

Heute lässt sich auch das Klima von vor tausenden Jahren berechnen

Doch welchen Effekt hat die Sonneneinstrahlung auf das Klima heute? Solchen Fragen geht Ulrich Cubasch nach, Mitglied des Weltklimarates und Professor für Meteorologie an der Freien Universität. Seit Jahrzehnten erforscht er den Klimawandel, um die einzelnen Mechanismen und Rückkopplungen zu verstehen, mit denen natürliche Faktoren wie Sonnenstrahlung und Vulkanausbrüche und auf Menschen zurückzuführende Faktoren wie eben jene Treibhausgase auf das Klima einwirken. Dabei interessiert ihn nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit: Das Paläoklima, also  die Wetterlagen in früheren Epochen, gehört zu Cubaschs Arbeitsschwerpunkten. In Zusammenarbeit mit Archäologen und Paläontologen klären die Meteorologen etwa, welche Rolle das Klima beim Entstehen oder dem Untergang ganzer Kulturen hatte und welcher Einfluss ihm auf die Entwicklung des Menschen vom Affen zukam. Dank zunehmend leistungsfähiger Computer lassen sich mittlerweile auch klimatische Bedingungen von vor mehreren tausend Jahren berechnen.

Das Klima ließ manche Kultur untergehen

Die größte Hürde in der Zusammenarbeit mit diesen Fachdisziplinen  und Meteorologen seien die Zeitspannen gewesen, über die man rede, sagt Cubasch. Während „kurz“ für einen Wetterkundler mehrere Sekunden oder Minuten bedeute, könne ein Paläontologe damit schnell mal einige hunderttausend oder Millionen Jahre meinen. Die Kooperation mit diesen beiden Disziplinen sei eben noch jung. Doch das wird sich ändern, denn Paläoklima und Klimawandel sind bei den Meteorologen fest in die Lehre integriert. Auf dass sich kein künftiger Meteorologe mehr über die Rolle der Sonneneinstrahlung beim Untergang antiker Kulturen wundern muss. Und nicht mehr alle nur noch über Treibhausgase reden, wenn es um das Klima geht.