Forschung im Dialog

Wissenschaftler der Freien Universität untersuchen, wie sich Ideen in Europa verbreiten

25.02.2009

Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa.
Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa. Bildquelle: European Commission

Europa beginnt, sein Selbstverständnis im Zuge der sich vollziehenden EU-Erweiterung zu festigen. Finanzkrise, Klimaschutz und Energieversorgung sind keine ausschließlich national diskutierten Themen, sondern werden auch auf europäischer Ebene behandelt. Die Forschergruppe „The Transformative Power of Europe“ untersucht die Entwicklung und den Austauschprozess von Ideen auf dem europäischen Kontinent.

Heute vertritt beispielsweise das junge Mitgliedsland Tschechien als Ratsvorsitz die europäische Energiesicherheit im ukrainisch-russischen Gasstreit. Stehen dahinter nur gemeinsame Interessen oder vielmehr ein auf geteilten Prinzipien basierendes Werteverständnis? Um diese zentrale Frage zu erforschen, wurde die interdisziplinäre Kolleg-Forschergruppe "The Transformative Power of Europe" (Die transformierende Kraft Europas) gegründet, mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft von einer Million Euro pro Jahr. International renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen unter der Leitung der Politikwissenschaftler Professorin Tanja A. Börzel und Professor Thomas Risse über die Entwicklung und den Austauschprozess von Ideen auf dem europäischen Kontinent.

Doch was heißt das konkret? "Ich beschäftige mich mit dem Phänomen, dass sich einige Staaten besser an europäisches Recht halten als andere. Thomas Risse befasst sich mit dem Thema europäische Identität sowie mit der Frage, inwiefern die europäische Integration die Identitäten der Menschen beeinflusst“, sagt die Leiterin Börzel. Seit der Gründung des Kollegs im Oktober 2008 ermöglicht die interdisziplinäre Atmosphäre einen regen und kritischen Meinungsaustausch unter den Wissenschaftlern. „Wir haben einen erweiterten Forscher-Kreis geschaffen, darunter sind Historiker, Soziologen, Kommunikationswissenschaftler, Ökonomen und Juristen. Der kollegiale Gedanke spielt dabei eine entscheidende Rolle“, so Börzel.

Zudem bietet die Forschergruppe jungen Doktoranden und Post-Doktoranden aus allen Teilen der Welt die Möglichkeit, europäische Transformationsprozesse zu untersuchen und die erarbeiteten Forschungsergebnisse mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren. Viele talentierte Akademiker konnten hierfür für die Freie Universität Berlin gewonnen werden, darunter die Post-Doktorandin Silke Adam. Sie beschäftigt sich mit den Wahlkampfmechanismen und der Wirkung von Medien auf die Bevölkerung während der Europawahlen, die im Juni dieses Jahres stattfinden werden. Die Arbeitsbedingungen an der Freien Universität Berlin seien dafür ideal, meint Silke Adam: „Die Kolleg-Forschergruppe gibt mir die Freiheit, zu forschen und zeitintensive Projekte zu verwirklichen. Das ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber dem normalen Uni-Betrieb.“

Auch ihre Kollegin, die Promotionsstudentin der „Berlin Graduate School for Transnational Studies“, Nicole Helmerich, ist von den Bedingungen an der Freien Universität begeistert. Durch wöchentlich stattfindende Sitzungen mit kooperierenden Wissenschaftlern erhält sie neue Impulse für ihr Forschungsprojekt, bei dem es ähnlich wie bei Börzels Forschung um Fragen der Regelbefolgung geht. Wissenschaftlicher Austausch und umfassende Forschungsmöglichkeiten, um fundierte Ergebnisse zu erlangen: Dies ist Zweck der Kolleg-Forschergruppe "The Transformative Power of Europe".

Der Artikel ist im Original erschienen in der Tagesspiegel-Beilage der Freien Universität vom 07.02.2009