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Fragen, die sich weiterhin stellen

Neuer Name, vertraute Aufgaben: Das Margherita-von-Brentano-Zentrum bündelt die Geschlechterforschung an der Freien Universität / Eröffnungsfeier am 9. Juni

06.06.2016

Die kritische Intellektuelle Margherita von Brentano war Philosophieprofessorin an der Freien Universität. Von 1970 bis 1972 war sie dort Vizepräsidentin, als erste Frau in dem Amt.
Die kritische Intellektuelle Margherita von Brentano war Philosophieprofessorin an der Freien Universität. Von 1970 bis 1972 war sie dort Vizepräsidentin, als erste Frau in dem Amt. Bildquelle: Piu Lieck
Luenenborg 2008 bearbeitet
Prof. Dr. Margreth Lünenborg war seit 2011 wissenschaftliche Leiterin der Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung und wird die Aufgabe auch im Margherita-von-Brentano-Zentrum übernehmen. Bildquelle: Ch. v. Polentz/transitfoto.de

Margherita von Brentano, die erste Vizepräsidentin der Freien Universität, setzte sich schon seit 1963 für Frauen in der Wissenschaft ein. Nun wird die Philosophin Namensgeberin für ein Zentrum, das die Nachfolge der Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung an der Hochschule antritt. Margreth Lünenborg, Journalistik-Professorin und wissenschaftliche Leiterin des Zentrums, erklärt, was sich während der vergangenen Jahrzehnte innerhalb der Frauen- und Geschlechterforschung verändert hat – und welche Themen nach wie vor drängend sind.

Frau Professorin Lünenborg, aus der Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung wird das Margherita-von-Brentano-Zentrum. Was verändert sich mit dem neuen Namen?

Neu ist, dass das Zentrum einen klaren Forschungsauftrag hat. Wir wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an der Freien Universität in verschiedenen Disziplinen zu Geschlecht und Diversität forschen, zusammenbringen. Im Moment läuft eine Ausschreibung, mit der wir Nachwuchsforschende fördern. Wir helfen dabei, neue Forschungsfelder zu identifizieren und zu entwickeln. Wir unterstützen besonders sogenannte Brückenprojekte, also neue Projekte, die an bestehende Forschungsverbünde andocken.

Auf lange Sicht geht es uns darum, die besonderen Stärken der Freien Universität zu identifizieren. Da bilden transnationale und transkulturelle Forschungsperspektiven einen wichtigen Schwerpunkt.

Die Zentraleinrichtung für Frauen- und Geschlechterforschung wurde 1981 gegründet, das ist nun 35 Jahre her. Welche Fragen haben sich damals gestellt, welche stellen sich heute?

Ich habe der Zentraleinrichtung 1981 noch nicht angehört, aber ich kenne Vieles aus der Zeitgeschichte und aus Erzählungen. In der Entstehung war die Zentraleinrichtung ein Ort, an dem sich Frauen aus den unterschiedlichsten Statusgruppen begegnet sind. Damals war die Zentraleinrichtung eine Mischung aus Frauenbeauftragte, Personalrat für die Belange von Frauen, Studentinnen-Vertretung und ein Startpunkt für die ein oder andere Idee in Forschung und Lehre.

In diesen mehr als dreißig Jahren haben sich die Strukturen schon deutlich verändert. Es hat eine Professionalisierung stattgefunden. Das, was wir heute Geschlechterforschung nennen, ist eine Akademisierung dessen, was in den 1980er Jahren eine frühe politische Bewegung gewesen ist. Auch die Aufgaben sind heute verteilt. Für die Frage der Teilhabe von Frauen sind die Frauenbeauftragten zuständig, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir konzentrieren uns heute aber ganz klar auf die Felder Forschung und Lehre.

Es gibt aber auch Fragen, die sich weiterhin stellen. Gerade sind wir in Südkorea bei einer internationalen Tagung gewesen, bei der wir über sexuelle Gewalt gegen Frauen diskutiert haben – auch auf dem Campus. Das ist ein Thema, das uns schon in den 1980er Jahren beschäftigt hat und immer noch auf der Agenda steht.

Bei der Eröffnungsfeier des Margherita-von-Brentano-Zentrums wird die Tübinger Philosophie-Professorin Cornelia Klinger einen Festvortrag halten. Er hat den Titel: „Während Dornröschen schlief… Albträume und Wachträume einer feministischen Philosophin“. Was erwartet die Gäste beim Vortrag?

Manche sprechen schon von Post-Gender, glauben also, dass unsere Zeit alle Gender-Fragen hinter sich gelassen habe. Ich glaube, Cornelia Klinger wird noch einmal kritisch darauf schauen, welche Fragen uns nach wie vor beschäftigen: Fragen von Ungleichheit und von einer von Männern dominierten Öffentlichkeit. Ich möchte da aber nicht zu viel vorwegnehmen. Ich bin auf den Vortrag sehr gespannt.

Die Fragen stellte Jonas Huggins

Weitere Informationen

Festliche Eröffnung des Margherita-von-Brentano-Zentrums
9. Juni 2016, 18.15 Uhr bis 21.00 Uhr
Tagungsstätte Harnack-Haus, Ihnestr. 18-20, 1495 Berlin (U-Bhf. Thielplatz, U3)