Freie Universität Berlin


Service-Navigation

„Und fertig ist die Soße“

Nach 15 Jahren als Kanzler und mehr als drei Jahrzehnten an der Freien Universität wurde Peter Lange in den Ruhestand verabschiedet

22.12.2015

Die Freie Universität bedankt sich bei Peter Lange, der sich über die Laudationes und Geschenke sichtlich freute.
Die Freie Universität bedankt sich bei Peter Lange, der sich über die Laudationes und Geschenke sichtlich freute. Bildquelle: Michael Fahrig
Das Präsidium der Freien Universität am 18. Dezember: Klaus Hoffmann-Holland, Matthias Dannenberg, Peter-André Alt, Brigitta Schütt, Peter Lange, Monika Schäfer-Korting und Klaus Mühlhahn.
Das Präsidium der Freien Universität am 18. Dezember: Klaus Hoffmann-Holland, Matthias Dannenberg, Peter-André Alt, Brigitta Schütt, Peter Lange, Monika Schäfer-Korting und Klaus Mühlhahn. Bildquelle: Michael Fahrig
Sandra Scheeres, Senatorin des Landes Berlin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, wusste schon nach der ersten Begegnung, dass sie Peter Lange nicht vergessen würde: „Er ist ein Unikat unter den Kanzlern.“
Sandra Scheeres, Senatorin des Landes Berlin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, wusste schon nach der ersten Begegnung, dass sie Peter Lange nicht vergessen würde: „Er ist ein Unikat unter den Kanzlern.“ Bildquelle: Michael Fahrig
Peter-André Alt: „Uns wird fehlen Ihr großer Verstand und Ihr großes Herz, Ihre Kreativität und Ihr phänomenales Gedächtnis, Ihr Mut und Ihre Antizipationskraft, Ihr Kampfgeist und Ihre Liebe zu unserer Universität.“
Peter-André Alt: „Uns wird fehlen Ihr großer Verstand und Ihr großes Herz, Ihre Kreativität und Ihr phänomenales Gedächtnis, Ihr Mut und Ihre Antizipationskraft, Ihr Kampfgeist und Ihre Liebe zu unserer Universität.“ Bildquelle: Michael Fahrig
Prof. Dr. Ulrike Gutheil, Erste stellv. Bundessprecherin der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands und Kanzlerin der TU Berlin: Peter Lange habe oft gekämpft – „mit feiner Klinge, aber auch mal mit einem harten rechten Haken“.
Prof. Dr. Ulrike Gutheil, Erste stellv. Bundessprecherin der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands und Kanzlerin der TU Berlin: Peter Lange habe oft gekämpft – „mit feiner Klinge, aber auch mal mit einem harten rechten Haken“. Bildquelle: Michael Fahrig
Medizinprofessor Dr. Peter Gaehtgens war von 1999 bis 2003 Präsident der Freien Universität Berlin. Er erinnerte an eine Ruderregatta der Berliner Universitäten und den tonangebenden Mann im FU-Boot: Peter Lange.
Medizinprofessor Dr. Peter Gaehtgens war von 1999 bis 2003 Präsident der Freien Universität Berlin. Er erinnerte an eine Ruderregatta der Berliner Universitäten und den tonangebenden Mann im FU-Boot: Peter Lange. Bildquelle: Michael Fahrig
Peter Lange mit Ehefrau Gudrun Schröder-Lange – „seine Gesprächspartnerin, Beraterin, Pressestelle“, wie Präsident Peter-André Alt hervorhob.
Peter Lange mit Ehefrau Gudrun Schröder-Lange – „seine Gesprächspartnerin, Beraterin, Pressestelle“, wie Präsident Peter-André Alt hervorhob. Bildquelle: Michael Fahrig
Musikalische Würdigung: der Kammerchor des Collegium Musicum sang für den scheidenden Kanzler.
Musikalische Würdigung: der Kammerchor des Collegium Musicum sang für den scheidenden Kanzler. Bildquelle: Michael Fahrig
Ehrensache, dass er beim Abschied Peter Langes dabei ist: „Matrikelnummer 1“ und Gründungsstudent der Freien Universität Berlin Prof. Dr. S. Karol Kubicki mit Ehefrau Petra.
Ehrensache, dass er beim Abschied Peter Langes dabei ist: „Matrikelnummer 1“ und Gründungsstudent der Freien Universität Berlin Prof. Dr. S. Karol Kubicki mit Ehefrau Petra. Bildquelle: Michael Fahrig
Willkommen im Club: Peter Lange enthüllt sein Porträt im Foyer des Henry-Ford-Baus neben denen von Freunden, Förderern und berühmten Persönlichkeiten, die der Freien Universität verbunden sind.
Willkommen im Club: Peter Lange enthüllt sein Porträt im Foyer des Henry-Ford-Baus neben denen von Freunden, Förderern und berühmten Persönlichkeiten, die der Freien Universität verbunden sind. Bildquelle: Michael Fahrig
An die Feier und die Enthüllung des Kanzler-Porträts schloss sich ein Empfang im Foyer des Henry-Ford-Baus an.
An die Feier und die Enthüllung des Kanzler-Porträts schloss sich ein Empfang im Foyer des Henry-Ford-Baus an. Bildquelle: Michael Fahrig

Analytiker, Treiber, Entrepreneur, Gremienprofi und Familienmensch – sein Wesen und das Wirken Peter Langes an der und für die Freie Universität zu würdigen, sei „laudationstechnisch eine echte Herausforderung“, sagte Universitätspräsident Peter-André Alt. Wegbegleiter, Kollegen und Mitarbeiter der Freien Universität verabschiedeten den scheidenden Kanzler mit einem Festakt im voll besetzten Max-Kade-Auditorium des Henry-Ford-Baus.

Präsident Professor Peter-André Alt beschrieb Peter Lange in seiner Laudatio als „ein wandelndes, leibhaftiges Zukunftskonzept“. Nie hätte sich der gebürtige Sauerländer auf dem Erreichten ausgeruht, sondern stets den Blick nach vorn gerichtet. Wenn ein Antrag auf einen neuen Sonderforschungsbereich vom bewertenden Gremium hymnisch gelobt worden sei – dessen Einrichtung also quasi nichts im Wege stand – hätte der Kanzler als erstes an den Verlängerungsantrag in drei Jahren gedacht. Typisch Peter Lange, sagte Alt: „Erfolge gelten ihm als Plattformen für Verbesserungen.“

Lange sei „der Universalist“ unter den Kanzlern: „Er macht alles selbst und überhebt sich dabei nicht“, sagte Alt. „Er weiß, was zu tun ist.“ Seine Kompetenz habe er sich in den mehr als 30 Jahren Erfahrung an der Freien Universität erworben: zunächst von 1976 an als Student der Wirtschaftspädagogik, seit 1984 als wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 1994 als Leiter des Präsidialamtes, dann als kommissarischer Kanzler und seit 2007 als Kanzler. In welcher Funktion auch immer – Peter Lange gilt als Mann der klaren Worte. Und so versäumte es der Präsident auch nicht, die kraftvolle Sprache des Kanzlers zu würdigen: Affentheater, Kokolores, Parteiengedöns oder Exzellenzknete seien nur einige der kreativen Wortschöpfungen, mit denen Lange wohl vielen in Erinnerung bleiben werde.

„Ein Unikat unter den Kanzlern der Hochschulen“

„Ihn werde ich nicht vergessen“, habe sie schon nach ihrer ersten Begegnung mit Peter Lange gedacht, erzählte Sandra Scheeres, Senatorin des Landes Berlin für Bildung, Jugend und Wissenschaft. In ihrer Ansprache würdigte die Senatorin den scheidenden Kanzler als „eine Institution der Freien Universität und der Berliner Wissenschaftslandschaft“. „Peter Lange ist ein Unikat unter den Kanzlern der Hochschulen“, sagte Scheeres. Das zeige sich auch darin, wie er seine Arbeit verstehe – Verwaltungsprozesse seien für Lange eher freie Gestaltungsprozesse.

Mit feiner Klinge und hartem rechtem Haken

Professor Peter Gaehtgens, von 1999 bis 2003 Präsident der Freien Universität Berlin, erzählte von der ersten Präsidenten-Ruderregatta der Berliner Hochschulen zum 50-jährigen Jubiläum der Freien Universität, „die wir mit Glanz und Gloria verloren haben“. Dass das Team der Freien Universität überhaupt die Ziellinie erreicht hätte, sei „dem Antreiber“ Peter Lange zu verdanken gewesen, „seit dem ersten Training der Motor der Mannschaft“. Sportlich war auch das Bild, das Professorin Ulrike Gutheil, stellvertretende Bundessprecherin der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands und Kanzlerin der Technischen Universität Berlin, von Peter Lange zeichnete. „Er hat oft für die Sache seiner Universität gekämpft – mit feiner Klinge, aber auch mal mit einem harten rechten Haken“, sagte die Amateur-Fechterin. Lange sei ein Urgestein der Freien Universität und sein persönlicher Einsatz stets weit über das Übliche hinausgegangen.

Porträt im Henry-Ford-Bau

In zwei eingespielten Kurzfilmen kamen weitere Weggefährten Peter Langes zu Wort, unter ihnen die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte, der Chemieprofessor Rainer Haag und Gründungsstudent Karol Kubicki. Die knapp 2.000 Mitarbeiter der Universitätsverwaltung bedankten sich bei ihrem Kanzler musikalisch in Bild und Ton: Sie dichteten Drafi Deutschers Klassiker „Marmor, Stein und Eisen bricht“ um – auch das wurde als Film gezeigt.

Peter Lange, der die Veranstaltung bis dahin von der ersten Reihe aus verfolgt hatte, wurde schließlich auf die Bühne gebeten. „Ich bin doch sehr überrascht, dass so viele Leute gekommen sind“, sagte der scheidende Kanzler sichtlich gerührt. „Ich möchte mich bei allen sehr bedanken. Ich habe kurz überlegt, ob ich mich bei dieser Gelegenheit bei manchen entschuldigen sollte“, sagte Lange mit Blick auf die Anspielungen der Vorredner auf seinen direkten Ton: „Ich habe mich dann entschieden: Das tue ich nicht.“

„Viel und vieles wird uns fehlen“

Nur eines tue ihm leid, nämlich, dass er sich in den vergangenen Wochen habe anmerken lassen, dass ihm der Abschied schwer falle. Die Erfahrung habe ihn aber gelehrt, dass Veränderungen nach einem schweren Übergang stets zu Gutem führen: „Ich fange an, mich auf meinen Ruhestand zu freuen.“ Der Freien Universität Berlin wird Peter Lange sichtbar erhalten bleiben: Ein Porträt des Kanzlers hängt nun im Foyer des Henry-Ford-Baus, neben Bildern von der Universität verbundenen Freunden, Förderern und berühmten Persönlichkeiten.

Peter Lange hat für die Freie Universität vieles bewirkt. „Viel und vieles wird uns fehlen“, sagte Universitätspräsident Alt. In den Worten von Peter Lange könnte der Abschied auch so ausfallen: „Und fertig ist die Soße.“

Weitere Informationen

Peter Lange

Der gebürtige Sauerländer Peter Lange begann seine Berufslaufbahn 1967 als Industriekaufmann in einem Unternehmen der Stahlbranche. Im Frühjahr 1972 kam Lange in die Berliner Geschäftsstelle der Firma. Nachdem er in Abendkursen die Fachhochschulreife erlangt hatte, nahm er 1974 ein Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft auf und studierte von 1976 an Wirtschaftspädagogik an der Freien Universität.

Zunächst lernte der spätere Kanzler die Universitätsverwaltung von der anderen Seite kennen: als Studentenvertreter im Akademischen Senat. Nach seinem Examen folgte ein Referendariat für das Lehramt. Der sicheren Studienratslaufbahn zog er dann aber eine befristete Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften vor. Seine profunden Erfahrungen in Verwaltung und Geschäftsführung brachte Peter Lange seit 1989 in die Leitungsebene der Freien Universität Berlin ein, zunächst als Referent im Präsidialamt.

Als nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 die Berliner Hochschullandschaft neu geordnet wurde – was mit erheblichen Sparzwängen einherging – war Lange maßgeblich an der eingeleiteten Strukturreform an der Freien Universität beteiligt und übernahm die Koordination der Gremienarbeit; 1994 wurde er Leiter des Präsidialamts.

Seit der Jahrtausendwende war er zunächst als kommissarischer Kanzler und seit 2007 als Kanzler maßgeblich an der Profilierung der Freien Universität in der deutschen und internationalen Hochschullandschaft beteiligt. In seiner mehr als 15-jährigen Tätigkeit als Kanzler (von 2000 an war er zunächst mit der Wahrnehmung des Amtes beauftragt, 2007 wurde er zum Kanzler gewählt) trug Peter Lange wesentlich zu den Erfolgen der Freien Universität in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen bei. In seiner Verantwortung stand das größte Bauprojekt der Freien Universität als Bauherrin, der Neubau für die sogenannten Kleinen Fächer.