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Simulierte Quantensysteme

Der Physiker Martin Kliesch von der Freien Universität erhält am 1. Dezember den Carl-Ramsauer-Preis der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin

30.11.2015

Martin Kliesch erhält den Carl-Ramsauer-Preis 2015 für die Freie Universität.
Martin Kliesch erhält den Carl-Ramsauer-Preis 2015 für die Freie Universität. Bildquelle: Marina Kosmalla

„Ich freue mich sehr über die Auszeichnung“, sagt Martin Kliesch. „Jetzt stehe ich vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, meine Dissertation auch Nicht-Physikern in nur zehn Minuten vorzustellen.“ Mit dem Carl-Ramsauer-Preis werden jährlich vier hervorragende Doktorarbeiten in Physik und angrenzenden Gebieten ausgezeichnet, die an den vier Berliner Universitäten eingereicht wurden. Die feierliche Verleihung mit Kurzvorträgen der Preisträger findet am 1. Dezember 2015 an der Freien Universität statt.

Der 34-jährige Quantenphysiker möchte seine Karriere im akademischen Bereich fortsetzen. Derzeit bewirbt er sich für Forschungsstipendien, um einen zweijährigen Forschungsaufenthalt in Polen finanzieren zu können. „Für die Bewerbungen ist es natürlich perfekt, für seine Arbeit bereits ausgezeichnet worden zu sein“, sagt Martin Kliesch. So plant er an das National Quantum Information Centre in Danzig zu wechseln, das in der Quanteninformationstheorie sehr bekannt und produktiv ist.

Begonnen hatte Kliesch seine Promotion an der Universität Potsdam. Im Mai 2011 wechselte er gemeinsam mit seinem Doktorvater Professor Jens Eisert, Leiter der Arbeitsgruppe für Quanten-Vielteilchentheorie und Quanteninformation, und dessen Arbeitsgruppe an die Freie Universität. An seinem Fachbereich ist Kliesch einer der ersten Wissenschaftler, die kumulativ – mit einer veröffentlichungsbasierten Dissertation – promoviert haben. Kumulativ bedeutet: Insgesamt müssen vier Aufsätze mit dem Kandidaten als Erstautor in international angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften zur Veröffentlichung angenommen sein, um die Promotion abschließen zu können. Die klassische Dissertation enthält hingegen typischerweise noch unveröffentlichte Ergebnisse.

Vielteilchensysteme verstehen

In seiner ausgezeichneten Dissertation „Lokalität und Komplexität in Simulationen komplexer Quantensysteme“ beschäftigte sich Martin Kliesch mit Quantensimulatoren und der Entwicklung von Quantenalgorithmen. „Hier am Fachbereich nehmen wir sozusagen die Methoden aus der Quanteninformationstheorie und versuchen, damit physikalische Probleme zu lösen.“

Ein Quantensystem – zum Beispiel ein Festkörper – setzt sich aus kleinen Quantensystemen zusammen und bildet damit ein Vielteilchensystem. Um diese besser verstehen zu können, zielt man darauf ab, deren Verhalten mithilfe sogenannter Quantensimulatoren nachzubilden. Etwa mit Lasern mit verstellbarer Stärke und Farbe kann dann etwas über den Festkörper und sein Verhalten gelernt werden. Quantensimulatoren sind relativ neu. Noch seien Simulationen auf klassischen Computern den Quantensimulationen meist überlegen, sagt Kliesch: „Bei bestimmten Fragestellungen und Problemen, erhält man jedoch physikalische Informationen aus Quantensystemen, die man klassisch nicht bekommen kann.“

Der Carl-Ramsauer-Preis wird zu Ehren des berühmten Experimentalphysikers und ersten Leiters des AEG-Forschungsinstituts Carl Ramsauer (1879–1955) von der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin (PGzB) vergeben. Carl Ramsauer war von 1949 bis 1951 der erste Vorsitzende der nach Kriegsende neu gegründeten PGzB. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert. Seit diesem Jahr wird der Preis durch die SPECS GmbH gefördert.

Weitere Informationen

Zeit und Ort

  • Dienstag, 1. Dezember 2015, 17.30 Uhr
  • Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin, Hörsaal A, Arnimallee 14, 14195 Berlin (U-Bahnhof Dahlem-Dorf, U3).
  • Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.