Freie Universität Berlin


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Lesepaten mit Herz und Verstand

Das Weiterbildungszentrum der Freien Universität bietet Kurse für ehrenamtliche Lese- und Lernpaten an

08.01.2015

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – wusste schon Erich Kästner. In einer Serie stellt campus.leben ehrenamtliches Engagement an der Freien Universität vor.
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – wusste schon Erich Kästner. In einer Serie stellt campus.leben ehrenamtliches Engagement an der Freien Universität vor. Bildquelle: fotolia/Coloures-pic, www.fotolia.com
Worauf kommt es beim Vorlesen an? Die Heilpädagogin und Lerntherapeutin Evelyn Derenthal leitet Seminare für Lesepaten.
Worauf kommt es beim Vorlesen an? Die Heilpädagogin und Lerntherapeutin Evelyn Derenthal leitet Seminare für Lesepaten. Bildquelle: Annika Middeldorf
Dorothee Börtzler ist schon seit über sieben Jahren ehrenamtliche Lesepatin an einer Grundschule im Berliner Stadtteil Wedding.
Dorothee Börtzler ist schon seit über sieben Jahren ehrenamtliche Lesepatin an einer Grundschule im Berliner Stadtteil Wedding. Bildquelle: Annika Middeldorf

Seit sieben Jahren ist Dorothee Börtzler ehrenamtliche Lesepatin an einer Grundschule im Berliner Stadtteil Wedding. Jeden Mittwoch verbringt sie dort mehrere Stunden mit Kindern, die größtenteils aus benachteiligten Familien stammen und bei denen der Wunsch nach Zuwendung besonders groß ist, wie Börtzler sagt: „Wenn ein Kind 20 Minuten Aufmerksamkeit nur für sich bekommt, dann ist es für es etwas ganz Besonderes.“ Die Wahl-Berlinerin ist eine von rund 2.500 Lesepaten, die sich in Seminaren des Weiterbildungszentrums der Freien Universität Berlin für das Ehrenamt fortbilden können.

Vor zehn Jahren wurde das Programm zur Leseförderung am Weiterbildungszentrum in Kooperation mit dem Bürgernetzwerk Bildung vom Verband der Berliner Kaufleute und Industriellen (VBKI) und der Bürgerstiftung Berlin gegründet. Anlass waren die alarmierenden Ergebnisse der PISA-Studie, die eine erhebliche Leseschwäche unter den deutschen Schülern offenbarten. Schritt für Schritt öffneten sich die Schulen für ehrenamtliche Lern- und Lesepaten. Heute sind sie für viele Schulen unverzichtbar geworden.

„Mittlerweile sind die von uns ausgebildeten Lesepaten an etwa 170 Berliner Schulen und 90 Kitas unterwegs“, sagt Rolf Busch, der das Weiterbildungsprogramm zur Leseförderung koordiniert. Das Seminarangebot ist vielfältig: Es gibt Theater-, Mal- und Bastelkurse, aber auch interkulturelle Angebote für Lesepaten, in denen sie beispielsweise Grundlegendes über den Islam erfahren. „Der Lesepate ist Ansprechpartner für die Kinder, das ist das Wichtigste, das er leistet. Er ist jemand, dem sie Fragen stellen können, der ihnen vorliest und sich mit ihnen beschäftigt“, sagt Busch.

Vorlesen als "soziale Streicheleinheit"

Die Lesepaten besuchen überwiegend Grundschulen sogenannter Problemstadtteile. Dort sei das Bedürfnis der Kinder nach „sozialen Streicheleinheiten“ besonders groß, sagt Evelyn Derenthal. Die Heilpädagogin und Lerntherapeutin leitet im Auftrag des Weiterbildungszentrums Seminare für Lesepaten. „Wenn Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen oder zur Einschulung kaum Deutsch sprechen, ist eine Patenschaft Gold wert.“

Derenthal berät Lesepaten, wie sie bei Lese-Rechtschreib-Schwächen der Schülerinnen und Schüler helfen können. „Unsere Seminare sind aber keine Crashkurse in Pädagogik. Bei ernsten Problemen wenden sich die Lesepaten an die Fachkräfte der Schulen“, betont Derenthal. Die enge Abstimmung zwischen den Lehrern und den Lesepaten sei deshalb besonders wichtig. Die Weiterbildungsseminare seien ein Angebot – grundsätzlich brauche es keine spezielle Qualifikation, um eine Lesepatenschaft zu übernehmen, sagt die Dozentin: „Man braucht Herz und Verstand. Alles andere kommt von allein.“

Auch Lesepatin Börtzler hat als Bilanzzbuchhalterin keine pädagogische Ausbildung. Für die Kinder spielt das keine Rolle. Wenn Börtzler in die Schule kommt, den jüngeren Schülern Geschichten vorliest und sich von älteren Schülern etwas vorlesen lässt, ist das für beide Seiten ein Vergnügen: „Mich macht es einfach glücklich zu sehen, wenn die Kinder sich darüber freuen, dass sie bei mir etwas gelernt haben.“

Weitere Informationen

Wer sich für eine Lesepatenschaft interessiert, findet auf der Website des Verbands der Berliner Kaufleute und Industriellen (VBKI) weitere Informationen: www.vbki.de/buergernetzwerk-bildung. Lesepaten des VBKI können an den Seminaren und Veranstaltungen der Freien Universität gebührenfrei teilnehmen. Eine Kursübersicht des Weiterbildungszentrum für Lesepaten finden Sie hier: www.fu-berlin.de/sites/weiterbildung/weiterbildungsprogramm/kuki/lesefoederung.

Im ersten Teil der Ehrenamts-Serie sprach campus.leben mit Regina Adolphs, Leiterin der Personalabteilung der Freien Universität, über das Ehrenamt als "kollegiale Hilfe". Im nächsten Teil berichtet die Leiterin des Familienbüros Sabrina Kusch über die Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement im Familienbüro.