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Zwei Jahrgänge, ein Studiengang

Die neue Ausgabe des Alumni-Magazins "wir" ist erschienen

14.05.2014

Wiedersehen in den Räumen des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in der Garystraße: Alumni Carolin Breuer und Rüdiger Scheidges.
Wiedersehen in den Räumen des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in der Garystraße: Alumni Carolin Breuer und Rüdiger Scheidges. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Wie war es damals, wie ist es heute? In der wir-Serie im Alumni-Magazin treffen sich Ehemalige der Freien Universität aus verschiedenen Jahrgängen und blicken gemeinsam zurück auf ihre Studienzeit. Carolin Breuer, 28, und Rüdiger Scheidges, 58, begegnen sich am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

„Sie wollen also in heutigen Zeiten noch Journalistin werden?“ Quasi mit dem Handschlag sprudelt die Frage aus „Handelsblatt“-Redakteur Rüdiger Scheidges hervor. Carolin Breuer, die Ende 2013 ihren Master am Institut für Publizistik-  und Kommunikationswissenschaft absolviert hat, kann ihn beruhigen: Zumindest im Moment schmiedet sie keine derartigen Pläne. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem CSU-Abgeordneten geht die 28-Jährige mittlerweile im Bundestag ein und aus. Politische Kommunikation war bereits im Studium ihr Schwerpunkt – ein Thema, für das sie brenne, wie sie sagt. Den Aspekt Finanzmarktpolitik will sie von diesem Frühjahr an vertiefen, mit einer Promotion bei Publizistik-Professorin Juliana Raupp.

Scheidges hat Ende der Siebziger Jahre an der Freien Universität studiert

Auf dem Weg durch das Institut, das im Jahr 2007 von Lankwitz nach Dahlem zurückverlegt wurde, grüßt Carolin Breuer Bekannte in den Büros, hinter gläsernen Wänden und Türen. „Aquarium“ nennen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz hier. Von einem Porträt an der Wand herab blickt Harry Pross, einst Institutsleiter und Scheidges‘ Doktorvater. Das war Ende der Siebziger Jahre: „Ich hatte das Glück sehr persönlicher Beziehungen zu meinen Dozenten, das war prägend“, erzählt der Journalist. Durch und durch politisiert war die Freie Universität auch damals noch, eine halbe Generation nach den Achtundsechzigern: „Ob ich Faschist sei, wurde ich gefragt, weil ich meinen Magister in den USA gemacht hatte und zur Promotion zurück nach Deutschland kam.“

Carolin Breuer: Während der Schulzeit und des Studiums in den USA

Von ähnlichen Vorbehalten ist für Carolin Breuer, die sich eher zur „Generation Praktikum“ zählt, nichts mehr zu spüren. Amerika ist wie bei Scheidges gleich mehrfach in ihrem Lebenslauf zu finden: Schon als Schülerin verbrachte sie ein Jahr jenseits des Atlantiks, 2012 führte sie ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für ein Semester an die George Washington University, wo sie für ihre Master-Arbeit recherchierte. Die Midterm-Wahlen und den zugehörigen Rummel erlebte sie als Praktikantin der kalifornischen Republikaner mit, im rot-weiß-blauen Konfetti- Regen. Als ehemaliger USA-Korrespondent teilt Scheidges ihren amüsierten Blick auf das dortige Spektakel. 

Von der Jungen Union an die Freie Universität

Für Politik begeistert sich Breuer seit Kindheitstagen: „Damals wollte ich noch ‚Tagesschau’-Sprecherin werden.“ Da habe sie wohl das Elternhaus geprägt, ergänzt sie. Mit 14 Jahren trat sie dann der Jungen Union bei, „aus eigener Überzeugung“. Auch wenn sie sich mit dem Beginn ihres Bachelor-Studiums aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat – abgeschworen hat sie der Union nicht.

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„Da durften Sie hier studieren?“, wirft Scheidges ein. Sich parteipolitisch einreihen zu sollen, habe er sich nie vorstellen können. Aber Angela Merkels politische Cleverness bewundere er durchaus. „Sie hat sich zu einer starken Marke entwickelt“, kommentiert Carolin Breuer, was Rüdiger Scheidges zum Schmunzeln bringt. „So hätte man das zu meiner Studienzeit ganz bestimmt nicht ausgedrückt“, sagt er.

Mit der CDU verbindet er beruflich aufregende Monate: während der Parteispendenaffäre unter Helmut Kohl, über die er etwa für den „Tagesspiegel“ und den „Spiegel“ berichtete. Informanten, die man teuer zum Essen und Trinken in Bonn, Berlin und Monte Carlo einlud, seien damals nicht selten gewesen. Heute rät er seiner Tochter vom Journalismus ab: Fakten seien zu schnell überholt, erhellende Online-Hintergrundberichte und kluge Kommentare immer seltener. Es zählten vor allem Enthüllungen, Sensationen und Klickzahlen. „Auch Politiker schätzen die Medien weitaus weniger als vor etwa 15 Jahren“, so seine Erfahrung.  

„Zieh‘ das einfach durch“, hat der Professor geraten

Durch Kontakte von Harry Pross war ihm als frischgebackener Absolvent der Einstieg in die Branche gelungen: Scheidges volontierte bei der „Frankfurter Rundschau“. Zwei Ratschläge seines Doktorvaters haben sich für ihn bewährt: Politiker immer unter Begründungsdruck zu setzen und denjenigen Menschen eine Stimme zu geben, die sonst in der öffentlichen Debatte keine haben.

Ein weiterer Tipp könnte Carolin Breuer bald nützen: „‚Zieh das einfach durch‘, hat Pross zum Thema Dissertation immer gesagt“, erinnert sich Scheidges. Er pilgerte als Doktorand täglich zur Staatsbibliothek. Die letzte Fassung seiner Arbeit schrieb er gar auf dem Bauernhof der Familie Pross im Allgäu. Wann es bei Carolin Breuer so weit sein soll? Sie plant in politischer Zeitrechnung: „Zum Ende der Legislaturperiode 2017 will ich fertig sein.“


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