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Der Erfinder des "Westentaschenlabors"

George M. Whitesides erhält am 17. Oktober 2012 die Ehrendoktorwürde der Freien Universität

15.10.2012

Das sogenannte Westentaschenlabor erlaubt eine schnelle Diagnose selbst bei Krankheiten wie AIDS, Malaria und Hepatitis.
Das sogenannte Westentaschenlabor erlaubt eine schnelle Diagnose selbst bei Krankheiten wie AIDS, Malaria und Hepatitis. Bildquelle: Harvard University / Whitesides
Der 73-jährige George M. Whitesides lehrt seit 1982 an der US-amerikanischen Harvard University.
Der 73-jährige George M. Whitesides lehrt seit 1982 an der US-amerikanischen Harvard University. Bildquelle: Privat

Er ist einer der meistzitierten Chemiker der Welt: Harvard-Professor George M. Whitesides erhält an diesem Mittwoch die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin. Damit würdigt der Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie die Verdienste des Wissenschaftlers auf dem Gebiet der chemischen Mikro- und Nanotechnologie. „George M. Whitesides ist einer der vielseitigsten Chemiker unserer Zeit“, sagt Chemieprofessor Rainer Haag, Prodekan für Forschung. Whitesides selbst hält anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde am 17. Oktober einen Vortrag in englischer Sprache zum Thema "The future of Chemistry". Der Eintritt ist frei, Interessierte sind herzlich willkommen.

Whitesides geht es in seiner Arbeit darum, die Welt nicht zu verkomplizieren, sondern sie einfacher zu machen. Die beste Forschung sei die, bei der hinterher etwas Reales herauskomme. So wie bei einer seiner Erfindungen, dem sogenannten Westentaschenlabor: Mithilfe des briefmarkengroßen medizinischen Labors kann eine schnelle Diagnose selbst bei Malaria, Hepatitis oder AIDS gestellt werden: Kommen die winzigen Punkte auf dem Papier-Blättchen in Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Urin oder Blut, ändern sie ihre Farbe und zeigen so das Ergebnis an. Der Vorteil des Miniaturlabors: Für die Analyse sind nur winzige Mengen chemischer Substanzen nötig, und der Patient muss nicht tagelang auf die Ergebnisse warten. Das Verfahren ist wesentlich billiger als aufwendige Tests in einem externen Labor; nach einer kurzen Einweisung kann es auch von Laien angewendet werden – wichtige Faktoren gerade für ärmere Regionen der Welt.

120 Patente gehen auf Whitesides zurück

George M. Whitesides wurde am 3. August 1939 in Louisville geboren. Mit 21 Jahren erwarb er den Bachelor an der Harvard-Universität in Boston, mit 25 erhielt er die Doktorwürde vom California Institute of Technology. Seine erste Professur übernahm Whitesides am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). 1982 wechselte er nach Harvard, wo er bis heute forscht.

Während andere mit Mitte 60 in den Ruhestand gehen, ist George M. Whitesides mit 73 Jahren umtriebig wie eh und je. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat er 1150 wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Dass seine Forschungen etwas Reales hervorbringen, wie Whitesides es sich wünscht, zeigen die mehr als 120 Patente, die auf ihn zurückgehen. Noch immer bereist er die ganze Welt, hält Vorträge und leitet eine Forschungsgruppe.

Für seine Arbeit erhielt Whitesides zahlreiche Preise, darunter die American National Medal of Science (1998), den Kyoto Prize for Advanced Technology (2003) und die Priestley Medal (2007), die höchste Auszeichnung der American Chemical Society.

Auch mit Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin pflegt er engen Kontakt. Der Sonderforschungsbereich 765 „Multivalenz“ etwa profitiert von Whitesides Entdeckungen. Für Professor Rainer Haag, der als Postdoktorand in Harvard war, ist Whitesides ein Vordenker: „Er ist der Lehrer, der mich von allen am meisten geprägt hat.“

Öffentliche Festveranstaltung anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an George M. Whitesides

Zeit und Ort:

  • Mittwoch, 17. Oktober 2012, Beginn: 17:00 Uhr
  • Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, Max-Kade-Auditorium, Garystr. 35, 14195 Berlin, U-Bhf. Thielplatz (U3)
  • Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.