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Emotionsforschung im Bühnendialog

An drei Abenden war der Exzellenzcluster „Languages of Emotion" zu Gast im Theater Hebbel am Ufer

14.12.2009

Expertenkarussell mit Wissenschaftlern und anderen Emotionsexperten
Expertenkarussell mit Wissenschaftlern und anderen Emotionsexperten Bildquelle: Thomas Aurin
Das Karussell von innen: FU-Biologin Constance Scharff im Gespräch mit Cord Riechelmann
Das Karussell von innen: FU-Biologin Constance Scharff im Gespräch mit Cord Riechelmann Bildquelle: Thomas Aurin
Das Kino mit einem Schwarz-Weiß-Film der anderen Art
Das Kino mit einem Schwarz-Weiß-Film der anderen Art Bildquelle: Thomas Aurin

Wissenschaftler konzipieren Vorlesungen und geben Seminare, sie halten Vorträge auf Tagungen und Konferenzen. Auf einer Theaterbühne in einem Bühnenbild aufzutreten und über Themen der eigenen Forschung zu sprechen, ist für die meisten hingegen neu.

Auf der Bühne des Hebbel am Ufer drehte sich wie ein Jahrmarktskarussell ein halbtransparentes Zelt, in dem die Gespräche zwischen den Wissenschaftlern des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ und anderen Emotionsexperten stattfanden. Die Dialogpartner waren nur als Schatten zu sehen, deren Emotionsausdruck allein der Sprache ihrer Hände und der Körperhaltung anvertraut war.

Die Zuschauer konnten wahlweise  zusteigen und auf der Drehbühne mitfahren oder das Geschehen vom festen Boden aus verfolgen. Fünf Gespräche fanden gleichzeitig statt, mitzuhören auf fünf Kanälen über Kopfhörer und kleine Empfangsgeräte.

Ins Gespräch einsteigen – oder weiterzappen?

„Man muss den Körper beim Tanzen hören, sonst entstehen keine Emotionen", verriet etwa die Choreographin Sasha Waltz, die mit der Philosophin Catherine Newmark über Gefühle beim Tanz sprach. Wer wollte, konnte diesem Dialog zuhören oder aber weiterzappen:  zu einem Gespräch über Fans oder einem über Homosexualität auf dem Land, immer auf die Gefahr hin, entscheidende Aussagen zu verpassen, dafür aber anderes nützliches oder weniger nützliches Wissen aufzuschnappen oder sich einfach an der Situationskomik mancher Gespräche zu erfreuen.

Die Biologin Constance Scharff hatte zwei Wellensittiche mitgebracht, die ihr Gespräch mit dem Autor Cord Riechelmann über Vogelgesang piepsend kommentierten. In die Gespräche hinein funkte die israelische Soziologin Eva Illouz mit Kommentaren zur heutigen Gefühls- und Gesprächskultur.

Persönlicher Weg durch den Theaterabend

Ohne vorbereitetes Manuskript, ohne hübsch gestaltete Folien – allein im Gespräch mit anderen, zum Teil nichtakademischen Experten sollte bei der theatralen Installation „Am Schauplatz der Imtimität. Eine Phantasmagorie" Emotionsforschung einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.Das war die Idee der Mitarbeiter des Clusters „Languages of Emotion" und der Kuratorin Hannah Hurtzig, die mit ihrer „Mobilen Akademie" schon ähnliche Veranstaltungen konzipiert hatte.

In den Logen fanden während der ganzen Veranstaltung Individualgespräche zu allen Bereichen des Gefühlslebens von Ekstase bis Anästhesie, von Männern bis Kinderaufzucht statt. Zuhören oder weiterschalten, Film anschauen oder schnell einen Beratungstermin wahrnehmen – seinen Weg durch den Abend mit den vielen Themen und Eindrücken musste jeder Zuschauer selbst finden.

Die Entscheidung darüber, welches Thema, welcher Gesprächspartner so interessant ist, dass man dabei blieb, hing vom Klang der Stimme, der eigenen Stimmung oder einem vielversprechenden Schattenspiel ab – sie war also vor allem emotional.  Für eine rationale, systematische, manchmal vielleicht auch weniger kurzweilige Wissensvermittlung bleiben auch weiterhin Tagungen und Konferenzen, Vorlesungen und Seminare.