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Zum Tod des Komparatisten Professor Gert Mattenklott

Am 3. Oktober 2009 ist Gert Mattenklott gestorben, Professor am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität

06.10.2009

Gert Mattenklott, seit 1994 Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität
Gert Mattenklott, seit 1994 Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Bildquelle: Inge Kundel-Saro

Mattenklott, 1942 in Oranienburg geboren, war Schüler von Jacob Taubes und Wilhelm Emrich, besonders aber von Peter Szondi, dem Gründer des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität. Ein Nachruf von Professor Georg Witte.

Am 3.10. ist unser Kollege Professor Dr. Gert Mattenklott verstorben. Im Widerstand gegen seine unerbittliche Krankheit hat er seine Zuversicht nie verloren. Gert Mattenklott war Schüler des Namenspatrons unseres Instituts, Peter Szondi. Er kam im Jahre 1994 nach über zwanzigjähriger Lehrtätigkeit in Marburg und an Universitäten in den USA, in Japan, Israel und Italien zurück an die Freie Universität, als Ordinarius für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Fünfzehn Jahre lang hat er an unserem Institut geforscht und gelehrt und hinterließ uns als Vermächtnis, die Sinnlichkeit und den sozialen Sinn der Literatur ineinander zu denken. Er hat uns in exemplarischen Untersuchungen vorgeführt, wie sich die Physiognomie und die Politik der Künste wechselseitig durchdringen, und er hat uns die Kunst der sinnfälligen Beschreibung dieser Zusammenhänge demonstriert. Gert Mattenklott lehrte und lebte den Nonkonformismus ästhetischer Praxis. Er war Komparatist nicht nur im literaturwissenschaftlichen Sinn. Der Vergleich der Künste, das In- und Gegeneinander von Bild und Schrift, von Literatur und Musik, die Erfahrung des Raums im Wechselspiel von Architektur, Fotografie und Literatur waren Konstanten seines Forschungsinteresses.

Gert Mattenklott war Literaturhistoriker, und als solcher zugleich brennend vor Neugier für die aktuellen Entwicklungen in den Künsten. Namentlich ihm verdanken wir, dass es am Peter-Szondi-Institut zwei Gastprofessuren für literarische Autoren gibt. Ohne seine Inspiration wären avancierte Forschungsverbünde der Freien Universität, etwa zur ästhetischen Erfahrung in und außerhalb der Künste, nicht denkbar.

Wir verlieren in Gert Mattenklott einen Menschen, der uns auch in manchen Ungemütlichkeiten des akademischen Betriebs mit seinem ansteckenden Lächeln und seiner ebenso zurückhaltenden wie bestimmten Rede, mit seinem gänzlich unnaiven Optimismus frei von allem Pathos die Würde einer wissenschaftlichen Existenz vorgelebt hat.

Der Autor ist Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität.