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Die Geschichte der Stadt Köln als Puzzle

Mitarbeiter des Universitätsarchivs der Freien Universität helfen bei der Sicherung von Archivgut

13.07.2009

Die Mitarbeiter des Archivs der Freien Universität in Köln im Einsatz: Frank Lehmann, Birgit Rehse, Irene Jentzsch (v.l.n.r.)
Die Mitarbeiter des Archivs der Freien Universität in Köln im Einsatz: Frank Lehmann, Birgit Rehse, Irene Jentzsch (v.l.n.r.) Bildquelle: Freie Universität

Vier Monate nach dem Einsturz des Gebäudes des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März dieses Jahres laufen die Bergungs- und Sicherungsarbeiten des Archivguts noch immer auf Hochtouren. Drei Mitarbeiter des Archivs der Freien Universität haben freiwillig eine Woche lang bei den Aufräumarbeiten geholfen.

Zerfetzte spätmittelalterliche Pergamenturkunden mit zerkrümelten Siegeln, zerknitterte Akten aus der Nachkriegszeit, Fragmente nicht identifizierbarer Dokumente aus drei Jahrhunderten – die einst wohl geordneten historischen Dokumente lagern in Tausenden von Umzugskisten in einer Lagerhalle in einem Kölner Vorort, vermengt mit Bauschutt. So steht es vier Monate nach dem Einsturz des Archivgebäudes um den ursprünglich 26 Kilometer umfassenden Kulturschatz, den das bedeutendste Kommunalarchiv Deutschlands in seinen Magazinen verwahrte. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten rund 85 Prozent des Archivbestands geborgen werden, der sich zum Teil in einem katastrophalen Zustand befindet. Zwei Menschen kamen ums Leben bei dem Einsturz des Archivs, der vermutlich durch Bauarbeiten an einer U-Bahn-Linie in der Kölner Altstadt verursacht worden war.

„Der Verlust für das kulturelle Erbe künftiger Generationen ist ernorm. Ich freue mich, dass wir ein klein wenig dazu beitragen können, diese einzigartigen Dokumente zu retten und unsere Kollegen tatkräftig zu unterstützen“, sagt Birgit Rehse. Die Leiterin des Universitätsarchivs hatte sich gemeinsam mit ihren Kollegen Frank Lehmann und Irene Jentzsch zu einem einwöchigen Hilfseinsatz gemeldet.

Kostbares Kulturgut: geborgene Schreinsbücher aus dem 13./14. Jahrhundert

Mit Schutzanzügen, Atemmaske und Handschuhen gegen Schimmelsporen gewappnet begutachteten Birgit Rehse und ihre Kollegen im Erstversorgungszentrum die geborgenen Archivalien, identifizierten sie nach ihrer Herkunft und ordneten sie den Archivbeständen zu. Um die Schimmelbildung zu stoppen, werden sämtliche Fundstücke nach ihrer inhaltlichen Erfassung zunächst für mindestens vier Stunden in ein Trocknungszelt bei rund 40 Grad Celsius und 25 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert. Danach werden die Dokumente provisorisch signiert und verpackt. Bei 30 Grad Celsius, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und dem enormen Staub eine extrem anstrengende Arbeit, aber auch befriedigend: „Wenn man gleich mehrere fast unversehrte Schreinsbücher aus dem 13./14. Jahrhundert unter dem Bauschutt findet, also die ersten Grundbücher der Stadt Köln, dann weiß man, wie sinnvoll unsere Arbeit hier ist“, sagte Frank Lehmann.

Immer noch werden an der Einsturzstelle in der Severinstraße Archivalien geborgen. Rund sechzig Hilfskräfte sind im Erstversorgungszentrum täglich sieben Stunden im Einsatz, wenn nötig im Schichtbetrieb. Es sind Archivare und Wissenschaftler, Kölner und Geschichtsinteressierte aus der gesamten Bundesrepublik, sogar aus dem Ausland kamen freiwillige Helfer: Niederländer, Polen, Tschechen, Kanadier und Australier – sie alle haben tatkräftig mit angepackt bei der Rettung des Kulturgutes, dessen Bergung und Sicherung wohl noch eine ganze Generation von Archivaren und Restauratoren beschäftigen wird.

Weitere Informationen

Freiwillige Helfer werden nach wie vor dringend gesucht, wer helfen möchte, melde sich bitte unter der E-Mail-Adresse historischesarchiv@stadt-koeln.de.