Benjamin Friedman zu Gast am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität

Renommierter Harvard-Professor kommentiert die Wirtschaftspolitik der US-Regierung in der Finanzkrise

01.07.2009

Benjamin Friedman, Harvard-Professor und ehemaliger Zentralbanker, sprach an der Graduate School of North American Studies der Freien Universität
Benjamin Friedman, Harvard-Professor und ehemaliger Zentralbanker, sprach an der Graduate School of North American Studies der Freien Universität Bildquelle: privat

Die Graduate School of North American Studies des John-F.-Kennedy Institut der Freien Universität hatte Benjamin Friedman eingeladen, über die US-Wirtschaftspolitik in der Finanzkrise zu sprechen. Nach einer Einleitung durch Professor Carl-Ludwig Holtfrerich von der Freien Universität bewertete der Harvard-Professor und ehemalige Zentralbanker Friedman sowohl die Politik der Regierungen unter George Bush und Barack Obama als auch die Geldpolitik der US-Zentralbank.

Die in Europa oft gescholtene keynesianische Ausgabenpolitik, in der der Staat sich verschuldet, um durch zusätzliche Ausgaben die Wirtschaft anzukurbeln, lobte Friedman ausdrücklich. Er zeigte sich enttäuscht, dass die schuldenfinanzierten Ausgabenpakete wegen der Wahlen erst relativ spät verabschiedet worden seien. Außerdem sei es eigentlich nötig, noch größere Pakete aufzulegen. Obwohl er auch vor den Folgen einer höheren Staatsverschuldung warnte, sah der Wissenschaftler zu der expansiven Politik im Moment keine Alternative.

"Nicht Inflation, sondern Deflation ist die große Gefahr"

Auch die Politik der Zentralbank, wie etwa den Aufkauf staatlicher Schuldverschreibungen durch die Zentralbank, schätzte Friedman positiv ein. Europäische Staatschefs und Journalisten hatten dieses Vorgehen scharf kritisiert, weil sie darin die große Gefahr einer Inflation sahen. Hyperinflationen wie in der Weimarer Republik oder zurzeit in Zimbabwe entstehen vor allem, wenn eine Regierung ihre Ausgaben durch die Zentralbank finanzieren lässt, die das zusätzliche Geld einfach druckt, anstatt sich auf den privaten Finanzmärkten zu verschulden. Friedman sieht die Gefahr einer Inflation langfristig schon, meinte aber, dass die wirkliche Gefahr im Moment nicht Inflation, sondern Deflation sei, also ein Fall der Preise. In Japan hatte eine Deflation nach der Finanzkrise der 1990er Jahre zu einer zehnjährigen wirtschaftlichen Stagnation geführt .

Kritisch zeigte sich Friedman allerdings beim Umgang mit den Banken. Seiner Ansicht nach hätte die US-Regierung viele Banken viel früher verstaatlichen und auch generell mehr Zwang ausüben müssen. Dass die Banken deswegen weiterhin zu wenig Eigenkapital besitzen, hält er für das größte Risiko für die weitere Wirtschaftsentwicklung.