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„Die richtigen Leute treffen und überzeugen“

Drei Ausgründungen aus Dahlem präsentierten sich auf der Computermesse CeBIT in Hannover

07.04.2016

Ole Bröcker von „trinckle 3D“ (rechts) präsentiert das Start-up auf der Bühne am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Ole Bröcker von „trinckle 3D“ (rechts) präsentiert das Start-up auf der Bühne am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Bildquelle: BMWi
Damian Schmidt (li.) und Sebastian Marten vom Start-up Desaia an ihrem Stand auf der CeBIT.
Damian Schmidt (li.) und Sebastian Marten vom Start-up Desaia an ihrem Stand auf der CeBIT. Bildquelle: Sabine Hellwig
Rainer Kölmel, Geschäftsführer der Initiative Mittelstand, überreicht Guillaume Aimetti und Georg Wittenburg (v.l.n.r.) von Inspirient den „Innovationspreis-IT“ in der Kategorie „Business Intelligence“.
Rainer Kölmel, Geschäftsführer der Initiative Mittelstand, überreicht Guillaume Aimetti und Georg Wittenburg (v.l.n.r.) von Inspirient den „Innovationspreis-IT“ in der Kategorie „Business Intelligence“. Bildquelle: Initiative Mittelstand

„Um Kontakte muss man sich selbst kümmern“, sagt Sebastian Marten, einer der Gründer des Start-ups Desaia. Sein Team programmiert und vermarktet eine Software zur Entwicklung großer virtueller Welten für Videospiele, Virtual Reality oder Special Effects in Filmen. Die „Desaia Engine“ hilft, die verschiedenen Schauplätze des Geschehens stimmig zu gestalten, optimiert den Ablauf der Entwicklungsarbeiten und spart dadurch bis zu 50 Prozent Zeit und Kosten. Präsentieren durfte sich das Team am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Dort stellen sich jedes Jahr die Start-ups vor, die mit einem EXIST-Gründerstipendium gefördert und mit dem „IKT innovativ“-Preis auszeichnet wurden. Desaia erfüllt beide Kriterien und hat zugegriffen. Das Ministerium sorgte für einen Stehtisch und bot den Gründern die Gelegenheit, sich auf der Bühne zu präsentieren. Die harte Arbeit des Messegeschäfts – „die richtigen Leute treffen und überzeugen“ – musste das Team jedoch selbst erledigen.

„Die CeBIT hat zwar keinen Fokus auf Videospiele, aber auch andere Firmen nutzen virtuelle Realität“, erklärt Sebastian Marten. „Zum Beispiel Anbieter von Apps für Physiotherapie. Sie wollen ihre Übungen in einer schön gestalteten virtuellen Umgebung zeigen.“ Also ist der Gründer durch die Hallen gezogen, um Unternehmen zu finden, die an ihrem Stand mit Virtual Reality arbeiten. Dann hat er die Mitarbeiter gefragt, wie die virtuellen Welten programmiert würden und ob sie interessiert seien, sein Produkt zu testen. „Auf diese Weise haben wir Adressen von Personen gesammelt, die unsere Beta-Version testen wollen.“

Einfach zum Stand gehen und fragen

 Zwei weitere Gründer der Freien Universität hatten die Weichen schon vor der Messe gestellt: Neben Branchengrößen wie SAP war der Stand von Inspirient zweimal täglich Station auf dem geführten Messerundgang „The Data-driven Company“, der von der CeBIT organisiert wird. Georg Wittenburg arbeitete nach seiner Promotion am Fachbereich Mathematik und Informatik drei Jahre lang für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Mit seinem Partner Guillaume Aimetti, vormals Data Scientist bei der Wirtschaftsprüfung Deloitte, entwickelt er nun eine künstliche Intelligenz, die automatisch steuerungsrelevante Erkenntnisse aus Geschäftsdaten ableitet. „Unsere Zielgruppe sind Entscheidungsträger in Unternehmen, die ergänzend zu den etablierten Analytikprozessen einen schnellen Blick in ihre Daten werfen möchten“, sagt der ehemalige Unternehmensberater und Alumnus des BCG Strategy Institute in New York. Seit März wird sein Team auch mit einem EXIST-Gründerstipendium gefördert. Auf der CeBIT wurde ihre Geschäftsidee mit dem „Innovationspreis IT 2016“ der Initiative Mittelstand in der Kategorie „Business Intelligence“ ausgezeichnet.

„Schöner hätten wir es uns nicht ausmalen können“, so Georg Wittenburgs Fazit. „Wir sind mit Vertretern großer Unternehmen ins Gespräch gekommen, etwa von der Deutschen Bahn, Daimler, und Schaeffler.“ Auch Kontakte zu interessierten Investoren hätten sich ergeben.

Eine Messe spart Zeit und Reisekosten

Geldgeber sucht das Team von trinckle 3D derzeit nicht. Erst im Dezember 2015 hat das Start-up 700.000 Euro frisches Kapital von Investoren erhalten. Mit einer webbasierten Software vereinfacht die Ausgründung der Freien Universität das Erstellen individueller Designs und die Anwendung von 3D-Druck. Unternehmen können die neue Technologie im eigenen Haus oder für ihre Kunden schnell und einfach nutzen. Auf der Internetplattform trinckle.com können Profis und Laien die Software auch direkt für 3D-Designs und Druckaufträge verwenden.

Trinckle ist seit 2013 im Geschäft und hat die Messe vor allem dazu genutzt, Bestandskunden und Partner persönlich zu treffen. „Weil sowieso alle hier sind, haben wir Termine für Gespräche vereinbart“, sagt Geschäftsführer Florian Reichle. Das sei ja auch der Sinn eines Branchentreffens – man spare Zeit und Reisekosten, weil alle zum gleichen Ort kommen. Die Infrastruktur am Stand des Wirtschaftsministeriums sei optimal dafür geeignet gewesen: „Alles ist bestens organisiert. Es gibt zum Beispiel Räume für Gespräche mit Bewirtung – das könnten wir uns sonst nicht leisten.“ Ende April ist Florian Reichle schon wieder in der Messestadt, diesmal auf der Hannover Messe. „Dort trifft sich die Industrie, es wird eine eigene Halle für 3D-Druck geben. Wir nehmen zum ersten Mal teil, weil das Publikum sicher noch besser zu uns passen wird.“

Die drei Start-ups werden oder wurden von Profund Innovation, der Service-Einrichtung für Wissens- und Technologietransfer der Abteilung Forschung der Freien Universität, intensiv betreut. Seit 2006 sind mit Unterstützung von Profund Innovation mehr als 120 Ausgründungen entstanden.

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