Kaninchen oder Pinguin?

10.06.2016

Einblicke. Mit der Elektroenzephalographie (EEG) lassen sich die Aktivitäten des Gehirns messen.
Einblicke. Mit der Elektroenzephalographie (EEG) lassen sich die Aktivitäten des Gehirns messen. Bildquelle: Biologische Psychologie und kognitive Neurowissenschaft

Kann man aus den Blickbewegungen einer Person schließen, womit sie sich gedanklich beschäftigt? Warum lassen sich Lesestörungen mittels Blickbewegungsmessung erkennen? Im Sehlabor des Center for Applied Neuroscience in der Fabeckstraße 25 können Besucher der Langen Nacht selbst an Experimenten zur Blickbewegung und zur Personenidentifizierung teilnehmen.

Über die Funktionsweise unseres Gehirns forschen die Wissenschaftler am Center for Cognitive Neuroscience Berlin (CCNB) der Freien Universität. Eine besondere Entwicklung der vergangenen Jahre stellt die Kombination von Neurowissenschaften mit komplexen Computersimulationen dar. In interaktiven Vorträgen in der Habelschwerdter Allee 45 werden diese neurowissenschaftlichen Themen erklärt. Zum Beispiel, wie sich das Gehirn erinnert. Besonders lebhafte Erinnerungen versetzen uns geistig zurück in die Vergangenheit – wir sehen die Ereignisse quasi vor unserem inneren Auge. Aber funktioniert das Gehirn wirklich wie ein Videorekorder? Die Forschung versucht zu erklären, was hinter dieser Metapher steckt (17.00, 18.00 und 23.00 Uhr, jeweils 10 Minuten).

Ein weiteres Thema ist die Wahrnehmung und die Illusion der Wahrnehmung. Illusionen und optische Täuschungen kennt jeder aus dem Museum oder aus Büchern. Warum aber lässt sich unser Gehirn in bestimmten Situationen täuschen?Wie hängen Täuschungen mit der Verschaltung des Gehirns zusammen? (stündlich von 17.40 bis 22.40 Uhr, jeweils 10 Minuten).

Die Forscher der Neurocomputation and Neuroimaging Unit beschäftigen sich mit den neuronalen Mechanismen unserer Wahrnehmung. Um zu verstehen, wie unser Gehirn Signale der Sinnesorgane verarbeitet, wird dort auch zu Täuschungen und Illusionen geforscht. In Mitmach-Experimenten während der Langen Nacht können Interessierte versuchen, die Täuschung zu durchschauen. Kleine Besucherwerden beim Malen von „bistabilen“ Bildern kreativ. Man nennt eine Form „bistabil“, wenn sie zwei unterschiedliche Interpretationen zulässt und unser Gehirn zwischen diesen wechselt. So erkennt man etwa in einer Zeichnung einmal ein Kaninchen, einmal einen Pinguin – oder eine Katze wird plötzlich zum Papagei. Das Besondere dabei ist, dass immer nur eine der beiden Möglichkeiten gesehen wird. Das Gehirn versucht stets, so schnell und automatisch wie möglich eine sinnvolle Bedeutung zu finden.

Größere Besucher können die Gummihand-Täuschung ausprobieren: Dabei versteckt man seine Hand hinter einem Tuch und schaut gleichzeitig auf eine Gummihand. Dann streicht eine zweite Person mit zwei Pinseln über die echte und die Gummihand. Nach einiger Zeit kann das Gehirn getäuschtwerden, und es fühlt sich so an, als ob die Hand aus Gummi die echte wäre.

Elektroenzephalografie (EEG) ist eine der wichtigsten neurowissenschaftlichen Methoden, um elektrische Zustandsänderungen bei der Informationsverarbeitung des Gehirns zu registrieren. Eine Echtzeit-EEG-Demonstration gibt Einblicke in die Aktivität des Gehirns. Wissenschaftler der biologischen Psychologie und kognitiven Neurowissenschaft zeigen, wie Hirnströme abgeleitet werden und wie diese Signale durch bestimmtes Verhalten, etwa Blinzeln oder Kauen, verändert werden.

Wie fit ist mein Gehirn? Geistige Fitness zeigt sich etwa etwa in Reaktionsbereitschaft, schnellem Zugriff auf Gedächtnisinhalte oder einer hohen Flexibilität im Denken. Tatsächlich fällt es mit zunehmendem Alter schwerer, das Leistungsniveau zu halten. In einem „Gehirn-Parcours“ können Teilnehmer ab 50 Jahren ihre geistige Fitness in kurzen Aufmerksamkeits- und Gedächtnistests prüfen. Fragen zum „kognitiven Profil“ werden am Ende des 45-minütigen Parcours beantwortet.