Mit Mathematik Traumschuhe selbst gestalten

„DesignBy.Me“ ermöglicht realitätsgetreue 3D-Bilder mithilfe eines Algorithmus’ von Wissenschaftlern der Freien Universität

25.09.2015

Thomas Brzezinski und Piotr Czemerys, zwei der drei Gründer von „DesignBy.Me“, machen selbstgestaltete Produkte im Internet anschaulich.
Thomas Brzezinski und Piotr Czemerys, zwei der drei Gründer von „DesignBy.Me“, machen selbstgestaltete Produkte im Internet anschaulich. Bildquelle: Bernhard Ludewig

Schnürschuh, High Heel, Winterstiefel oder Ballerina? Nappa oder Velours, goldfarben oder meerblau? Jede modebegeisterte Frau hat sich schon einmal gewünscht, ihr Traumpaar Schuhe selbst zu gestalten. Dem Anbieterverzeichnis egoo.de zufolge geben deutschlandweit mehr als 550 Unternehmen ihren Kunden die Möglichkeit, Produkte im Internet zu gestalten und zu bestellen.

Wer selbst kreativ ist, möchte jedoch vor der Bestellung genau wissen, wie das Ergebnis aussehen wird. Daran hapert es bei vielen Anbietern. Das Start-up-Unternehmen „DesignBy.Me Technology“ löst das Problem mit einer Software für eine 3D-Darstellung, die an der Freien Universität Berlin von der Arbeitsgruppe Mathematische Geometrieverarbeitung unter der Leitung von Professor Konrad Polthier entwickelt wurde.

Hinzu kommt ein neuer Algorithmus, der bewirkt, dass die Beschaffenheit verschiedener Oberflächen wie etwa Glatt-, Rauh- oder Lackleder am Bildschirm noch realitätsgetreuer dargestellt wird, als es bisher möglich war. Ein Jahr lang wurde das Team durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert und erhielt viel Unterstützung von Profund Innovation, der Service-Einrichtung für Wissens- und Technologietransfer der Freien Universität.

Wie gut die Software funktioniert, zeigten die Gründer Thomas Brzezinski, Piotr Czemerys und Arcan Akkas zunächst am Beispiel eines Onlineshops für individuell gestaltete Schuhe. Dort kann man an elf verschiedenen Grundmodellen Sohle, Futter, Oberleder, Spitze, Ferse und Verzierungen in Form und Farbe variieren und unzählige Kombinationen am Konfigurator durchspielen. Ob „SalamanderNero“ oder „Veloursleder Amarillo Fluo“ – in der dreidimensionalen Online-Ansicht wirkt das Material fast so echt wie im Regal.

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Inzwischen dient der Onlineshop aber vor allem als „Proof of Concept“ – als Beweis dafür, dass die massenhafte Individualisierung von Produkten funktioniert. Denn für den Trend, den vor allem Start-ups losgetreten haben, interessieren sich inzwischen auch etablierte Unternehmen.

So hat die 1838 gegründete Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH in Pirmasens vor kurzem die Programmierung eines 3D-Konfigurators bei „DesignBy.me Technology“ in Auftrag gegeben, der demnächst online gehen soll. Mit weiteren namhaften Unternehmen führen die Gründer bereits Gespräche. Eine Handelskette will die Software auch exklusiv in ihren Läden nutzen, damit Kunden dort auf dem Tablet ihr individuelles Paar Peter-Kaiser-Schuhe konfigurieren können.

„Das Angebot zur Individualisierung reicht inzwischen von Parfums und Fahrrädern bis zu Müsli und Möbeln“, sagt Thomas Brzezinski. Hersteller und Händler scheiterten aber oft an den technischen und mathematischen Problemen, die hinter den vielen Variationsmöglichkeiten stecken. „Wir bieten eine Infrastruktur, mit der sie schnell an diesem Trend teilhaben können.“

— Profund Innovation ist die zentrale Service-Einrichtung für den Wissens- und Technologietransfer an der Freien Universität Berlin. Das Team unterstützt Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Alumni dabei, Forschungsergebnisse nutzbar zu machen. Zum Angebot gehören die Beratung zu Erfindungen und zum Schutz des geistigen Eigentums, etwa über Patente oder Marken, Entrepreneurship Education und die Unterstützung bei Gründungen.

Einen Einstieg in das Thema Entrepreneurship bietet etwa der Funpreneur-Wettbewerb: Studierende entwickeln eine Geschäftsidee und setzen sie innerhalb von fünf Wochen in die Praxis um. Die nächste Runde startet am 20. Oktober 2015.

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