„Wundermittel aus der Apotheke gibt es einfach nicht“

Ernährungswissenschaftler Professor Andreas Pfeiffer plädiert für Sport und Disziplin statt Pillen

09.04.2014

Wer den immerwährenden Kampf gegen den Winterspeck sinnvoll und dauerhaft gewinnen will, braucht sehr viel mehr als nur ausgeklügelte Ernährungspläne oder pharmazeutische Unterstützung aus der Apotheke. Der Ernährungsmediziner Professor Andreas Pfeiffer von der Charité – Universitätsmedizin, des gemeinsamen medizinischen Fachbereichs von Freier Universität und Humboldt-Universität – über Diät-Geheimnisse, die eigentlich keine sind.

Überwindbare Hürde: Wer abnehmen will, sollte sich bewegen. Nur mit Ernährungsdisziplin und Sport lässt sich das Idealgewicht auch langfristig halten.
Überwindbare Hürde: Wer abnehmen will, sollte sich bewegen. Nur mit Ernährungsdisziplin und Sport lässt sich das Idealgewicht auch langfristig halten. Bildquelle: JPeragine/iStockphoto

Herr Pfeiffer, im Frühjahr haben Diäten Konjunktur. Bei welchem Konzept ist der Erfolg denn wissenschaftlich belegt?

Egal wie eine Diät heißt: Grundsätzlich ist und bleibt es so, dass der Mensch nur dann abnimmt, wenn er weniger Kalorien zu sich nimmt, als der Körper verbraucht. Die Energiedifferenz ist entscheidend. Es gibt aber durchaus Diäten, die es etwas leichter machen, durchzuhalten. Etwa solche Diäten, die eher mehr Eiweiß enthalten.

Nach der Diät ist oft vor der Diät: Welche Ernährung hält denn danach dauerhaft schlank?

Das haben wir in der großen europäischen Studie „Diogenes“ an rund 800 Erwachsenen und ähnlich vielen Kindern untersucht. Sie alle haben im Rahmen der Studie erst eine achtwöchige Diät gemacht, und erfolgreich zehn bis zwölf Kilogramm abgenommen. Danach untersuchten wir, mit welcher Ernährung sie ihr neues Gewicht am besten halten konnten.

Die Teilnehmer wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Am besten hat die Gruppe abgeschnitten, deren Ernährung einen höheren Eiweißanteil hatte und einen niedrigen Glykämischen Index. Der Glykämische Index, GI, gibt an, wie stark ein kohlenhydrathaltiges Nahrungsmittel den Blutzuckerspiegel erhöht – und die Fettverbrennung bremst. Kartoffeln und Weißmehlprodukte zum Beispiel haben einen hohen GI. Gemüse dagegen hat einen niedrigen Glykämischen Index.

Wie gut sind beim Abnehmen entsprechende Präparate aus der Apotheke, etwa in Form von Pillen und Pulvern?

Diese Schlankheitsmittel, die zum Beispiel die Fettaufnahme bremsen sollen, bringen alle nichts. Etwas anders ist es bei sogenannten Formula-Diäten. Dabei werden Mahlzeiten ganz oder teilweise durch Fertigdrinks oder Nährstoffpulver ersetzt, die man mit Flüssigkeit anrührt. Die Zusammensetzung dieser Diätmittel ist gesetzlich reguliert, so dass kein Nährstoffmangel auftreten kann.

In unseren Studien haben wir aber immer wieder gesehen: Auch wenn das Abnehmen damit sehr gut funktioniert, helfen auf Dauer nur gute Angewohnheiten. Etwa regelmäßiges Wiegen, Bewegung und ein persönlicher Notfall-Plan, wenn die Waage doch mal wieder einen Trend nach oben anzeigt. Also zum Beispiel eine Kurz-Diät, mehr Sport oder der Verzicht auf einzelne Mahlzeiten.

Das Gespräch führte Julia Rudorf


Studienteilnehmer gesucht!

Übergewicht gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für Diabetes mellitus. Welchen Einfluss Ernährung auf Krankheiten wie Diabetes und seine Entstehung hat, erforscht Professor Andreas Pfeiffer mit Kollegen am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD). Das DZD ist an der Charité – Universitätsmedizin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt Universität, angesiedelt.

Interessierte können als Patienten oder Probanden an den Studien teilnehmen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zunächst auf Probleme und Risiken untersucht, die mit Diabetes im Zusammenhang stehen. Ziel ist es, die Fettleber zu reduzieren und eine gesunde Ernährung zu erlernen. Informationen sind unter Tel. 030 / 4505 14426 erhältlich (Anrufbeantworter) oder per E-Mail diabetes@charite.de