Neues Lernen für Computeraffine

26.09.2013

Das Institut für Ethnologie der Freien Universität macht Studierende fit in digitaler Wissensvermittlung

Unübersehbar: Digitales Lernen und Publizieren wird auch in Lehre und Forschung immer wichtiger.
Unübersehbar: Digitales Lernen und Publizieren wird auch in Lehre und Forschung immer wichtiger. Bildquelle: cullenphotos, iStockphoto

Das Medium Internet steigt allmählich zur Informationsquelle Nummer eins auf – und doch tun sich noch viele Studierende schwer, mit digitalen Lerninhalten in ihrem Studium umzugehen. Trotz des wachsenden Gebrauchs im Privaten dominiert an deutschen Universitäten häufig noch das gedruckte Buch oder die auf Papier verfasste Abschlussarbeit. Dabei besteht kein Zweifel, dass in Zukunft der internationale Wissensaustausch vor allem elektronisch ablaufen wird. Darauf müssen sich Studierende einstellen.

Das Projekt W.R.I.T.E.R. – die Abkürzung steht für Writing, Reading, Inclusion, Towards European Renaissance –, das von der Europäischen Union gefördert und mit Partnern aus Italien, Irland, den Niederlanden und Deutschland umgesetzt wird, soll Lese- und Schreibfähigkeiten stärken. Die Freie Universität beteiligt sich mit einem Teilprojekt und nimmt dabei speziell die Vermittlung interkultureller Kompetenzen in den Blick.

Geleitet wird das Projekt von Juniorprofessorin Undine Frömming, Ethnologin und Expertin für Medienanthropologie. Gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Kani Tuyala, der das Projekt an der FreienUniversität koordiniert, erforscht sie neue Konzepte der ethnologischen Wissensvermittlung, die innerhalb des internationalen Masterstudiengangs Visual and Media Anthropology umgesetzt werden sollen. Ziel ist es, ein Modul für Masterstudierende zu entwickeln, das im Sommersemester 2014 starten und mit einer Kombination aus klassischen und neuen Formen der Wissensvermittlung experimentieren soll. Dabei steht die Multimedialität im Fokus.

„Wir wollen in diesem Projekt neue Formen digitaler Schreib- und Publikationskulturen untersuchen und fördern. Es soll eine kritische Sicht auf die Tücken oder Fallstricke der Repräsentation von fremden Kulturen gewagt werden“, sagt Undine Frömming. Vieles finde derzeit in der Forschung unter dem Vorzeichen des sogenannten „E-Publishing“ statt: „Studierende und Wissenschaftler müssen sich anpassen an neue Publikationsformen, etwa Multimedia-Artikel.“

Nach Ansicht von Kani Tuyala zeichnet sich „ein Paradigmenwechsel ab, den die Studierenden der Freien Universität nicht verpassen dürfen“. Galt noch vor der Bologna- Reform die klassisch verfasste Magisterarbeit in Papierform als das Ziel des Studiums, sollen heute multimediale Formen die rein textbasierte Arbeit ergänzen.

Die Zukunft könnte so aussehen: Ein Master-Studierender der Ethnologie fährt nach Tansania, um dort das einheimische Leben zu erforschen. Vor Ort führt er Interviews mit den Bewohnern eines Dorfes und richtet anschließend mit digitalen Mitteln ein Webportal ein, in das der schriftliche Teil der Arbeit integriert ist. Dort könnte dann der interessierte Laie mithilfe von Videos, Bildern und Hyper-Texten einen tieferen Einblick in das Leben der tansanischen Bevölkerung bekommen. Der Vorteil wäre, dass diewertvollen Forschungsergebnisse, die bei Aufenthalten von Ethnologinnen und Ethnologen entstehen, auf diese Weise der Öffentlichkeit zur Verfügung stünden.

Um ein Bewusstsein für neue Publikationsformen zu schaffen, die auch eine größere Leserschaft erreichen, werden im Rahmen des EU-Projekts W.R.I.T.E.R. Lernmodule entwickelt, die den Studierenden der Sozial- und Kulturanthropologie neue digitale Möglichkeiten der Berichterstattung, der Wissensvermittlung und der kulturellen Repräsentation nahe bringen sollen.

Auch Dozenten und Professoren sollen in das EU-Projekt einbezogen werden. „Professoren müssen erkennen, dass viele Studierende nach dem Studium die Forschung verlassen. Wir wollen deshalb einen anwendungsbezogenen Ansatz wählen“, sagt Kani Tuyala.

Deshalb wurden Kooperationen mit Partnern aus der Praxis geschlossen; vor allem solche, die im digitalen Erzählen und im Aufbau von Webportalen erfahren sind, etwa Mitarbeiter des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. Hier würden bereits jetzt klassische Fernseh-Inhalte mit preisgekrönten multimedialen Angeboten verbunden, so dass sich Interessierte jenseits der TV-Formate informieren und begeistern lassen können, sagt Undine Frömming. „In diese Richtung wollen wir gehen.“ Es soll eine junge Generation ausgebildet werden, die für die digitale Moderne gewappnet ist.