Spitzenforschung für ein intaktes Nervensystem

Am Cluster NeuroCure wird an wirkungsvollen Therapien gegen neurologische Erkrankungen gearbeitet.

25.06.2012

Nervenleiden auf der Spur: Im Exzellenzcluster NeuroCure untersuchen Grundlagenforscher und Kliniker die Mechanismen neurologischer Erkrankungen mit neuesten bildgebenden Verfahren.
Nervenleiden auf der Spur: Im Exzellenzcluster NeuroCure untersuchen Grundlagenforscher und Kliniker die Mechanismen neurologischer Erkrankungen mit neuesten bildgebenden Verfahren. Bildquelle: Jürgen Lösel

Wer diesen Text liest, käme nicht weit ohne die perfekte Kommunikation von Milliarden von Nervenzellen im ganzen Körper. Ist das Nervensystem krank oder gestört, so hat das fast immer dramatische Folgen für die Betroffenen. In Europa leiden rund 80 Millionen Menschen an einer neurologischen Erkrankung, schätzt der European Brain Council. Seit 2007 arbeiten im Exzellenzcluster NeuroCure Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen daran, die Grundlagen neurologischer und psychiatrischer Krankheiten und ihre Behandlung zu erforschen. Sie kommen von der Freien Universität und der Humboldt-Universität sowie der Charité, der gemeinsamen medizinischen Fakultät dieser beiden Universitäten, außerdem vom Max-Delbrück-Centrum, dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin und dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie.

Bis heute gelten viele neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie oder Alzheimer als unheilbar. Um Patienten dennoch eines Tages neue Wege für bessere Therapien anbieten zu können, verfolgen die NeuroCure-Wissenschaftler mit ihrer Forschungsarbeit vor allem ein Ziel: Grundlagenforschung, möglichst nah am Patienten und den behandelnden Ärzten.

Dass NeuroCure nun auch in der zweiten Förderphase der Exzellenzinitiative weiter gefördert wird, ist für die Wissenschaftler Bestätigung und Ansporn zugleich: „In den vergangenen viereinhalb Jahren konnten wir durch umfangreiche internationale Berufungen den neurowissenschaftlichen Forschungsstandort Berlin erfolgreich und nachhaltig ausbauen. Diesen Weg werden wir jetzt fortsetzen und die begonnenen Kooperationen mit den zusätzlichen Mitteln noch verstärken“, freut sich Professor Dietmar Schmitz, Sprecher und Initiator des Exzellenzclusters. Besondere Unterstützung erhält der Cluster durch den Bund und das Land Berlin. Herzstück von NeuroCure ist das NeuroCure Clinical Research Center (NCRC). Hier arbeiten Forscher und Ärzte eng zusammen. So können Ergebnisse der Grundlagenforschung direkt in die Entwicklung klinischer Studien einfließen. Patienten bekommen auf diese Weise Zugang zu neuen Therapien – und Wissenschaftler umgekehrt zu aktuellen Fragestellungen aus der klinischen Praxis.

Wichtig für die Arbeit des Clusters sind weitere gemeinsame Forschungsplattformen wie das Berlin Center for Advanced Neuroimaging (BCAN). Hier stehen den NeuroCure-Forschern verschiedene Magnet-Resonanz-Tomografen zur Verfügung. Im BCAN arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung und Verbesserung neuer bildgebender Verfahren zur Diagnostik neurologischer Krankheiten.

Dass beim Aufbau des Clusters großer Wert auf hervorragende Arbeits- und Forschungsbedingungen gelegt wurde, zahlte sich aus: Für die 23 neu berufenen Professuren konnten international renommierte Forscherinnen und Forscher gewonnen und der Frauenanteil verdoppelt werden. Mit der Fortsetzung der Förderung stehen nun weitere Berufungen an. „Berlins Position als wichtiges Zentrum für neurowissenschaftliche Forschung wird so weiter gestärkt“, sagt Dietmar Schmitz. Der nächste wichtige Schritt ist jedoch erst einmal ein Umzug: In wenigen Wochen wird das neue NeuroCure-Gebäude auf dem Charité-Campus in Mitte eröffnet: Ein 6500 Quadratmeter großer Neubau mit modernster Ausstattung – viel Platz für weitere Forschung.