Krankheitsrisiko: Armut

Auf der Suche nach neuen Mitteln gegen Malaria

Bonamia spectabilis
In Bonamia spectabilis, einem afrikanischen Windengewächs, konnten Stoffe gefunden werden, die gegen den Malariaerreger aktiv sind
Bonamia spectabilis
Bonamia spectabilis

Malaria – die „schlechte Luft“, hervorgerufen durch Erreger der Gattung Plasmodium und übertragen durch die Mücke Anopheles – fordert zwei bis drei Millionen Tote jedes Jahr. Gegen die meisten Medikamente sind die Erreger resistent. Wirksame Arzneien sind für arme Länder zu teuer, doch tropische Krankheiten, insbesondere Malaria, sind eine der Hauptursachen für ihre wirtschaftliche Misere.

Was fehlt, ist ein bezahlbares Medikament. „Es ist unser Ziel, eine neue Leitstruktur zu finden“, sagt PD Dr. Kristina Jenett-Siems, die dabei mit afrikanischen Partnern zusammenarbeitet. Dass es Pflanzenstoffe gibt, die gegen Malaria wirksam sind, weiß man. Aber an welcher Struktur des Malariaerregers Plasmodium greifen die Pflanzen stoffe überhaupt an? Dazu weiß man fast nichts. Kristina Jenett-Siems vom Institut für Pharmazie ist Pionierin auf diesem Gebiet. Sie untersucht dazu vor allem Pflanzen aus traditionellen Heilsystemen, aber auch etwas hierzulande so Verbreitetes wie Humulus lupulus – den Hopfen. Die gesundheitsfördernden Wirkungen des Xanthohumols, eines Inhaltsstoffes des Hopfens, sind in der letzten Zeit recht populär geworden, noch recht wenig weiß man über seine antiplasmodiale Wirkung.

„Dieser Wirkstoff entfaltet diese Wirkung, indem er im Plasmodium einen Stoffwechselweg blockiert, der der Energiegewinnung dient“, erklärt Jenett- Siems. Denn während seines Lebenszyklus in den roten Blutkörperchen ernährt sich der Malaria erreger vom Blutfarbstoff Hämoglobin. Ein Zwischenprodukt der Verdauung des biologischen Moleküls ist das Haemin, das normalerweise vom Erreger weiter abgebaut wird. Aber hier greift das Xanthohumol ein. Es bindet an das Haemin, so dass dessen weiterer Abbau blockiert wird. Das toxische Zwischenprodukt reichert sich im Plasmodium an. Der Krankheitserreger stirbt.

Nach „Aktivität“ gegen Malariaerreger sucht manvor allem aber auch in Pflanzen aus afrikanischen Ländern. Denn dort werden günstige und regional einsetzbare Mittel am meisten gebraucht. „Die Quelle sind immer die Leute in den Ländern selbst“, sagt Jenett-Siems. Es gibt Kontakte zu Universitäten in Uganda und Simbabwe, wo über traditionelle Heilmittel geforscht wird. Anders, als das eurozentrische Vorurteil es will, gehen die Berliner Forscher davon aus, dass die traditionelle Anwendung bestimmter Mittel bei bestimmten Krankheiten durchaus einen vernünftigen Grund hat. Den afrikanischen Universitäten wiederum fehlt in aller Regel das Equipment, die Pflanzen extrakte mittels moderner Methoden auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen. Man schickt sie also nach Berlin. Hier werden die Extrakte fraktioniert, das heißt, sie werden in ihre Bestandteile zerlegt. Bei der Isolierung der Wirkstoffe stößt man immer wieder auf ein erstaunliches Phänomen. Die höhere Konzentration eines isolierten Stoffes hat nicht gleichzeitig eine höhere Aktivität zur Folge. Wenn man aber alle Inhaltsstoffe wieder zu ihrem natürlichen Ensemble zusammenfügt, erhöht sich die Aktivität entsprechend. Ähnlich wie bei Vita minen und Mineralstoffen, die isoliert auch nicht wirklich wirksam sind – man muss den Apfel schon essen.

Bill & Melinda Gates Foundation

Es dauert mindestens ein Jahr, bis eine Pflanze so gründlich untersucht ist, dass man ihre wirksamen Inhaltsstoffe kennt und an die Weiterentwicklung als Leitstruktur denken könnte. Förderung dafür gibt es gelegentlich von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, auch die Welt gesundheitsorganisation (WHO) unterhält einige einschlägige Programme, und neuerdings ist die Bill & Melinda Gates Foundation als Förderer auf den Plan getreten. Anders als die Industrie, die eher an Medikamenten für zahlungskräftigere Kunden interessiert ist, unterstützt die milliardenschwere Stiftung zum Beispiel Forschungen zu Artemisia annua, dessen Wirkstoff Artemisinin als neuer Star unter den Malariamedikamenten gefeiert wird. Auch die Berliner Forscher wollen sich mit einem Projekt an diesem Forschungsprogramm beteiligen. In seiner Heimat China wird das Beifuß-Gewächs Artemisia übrigens seit über 2000 Jahren als Mittel gegen Malaria eingesetzt.

SW