Darstellen, Deuten, Dramatisieren: Geschichte(n) auf der Bühne

Internationale Abschlusstagung des Forschungsprojektes „DramaNet – Early Modern European Drama and the Cultural Net“ am 26. und 27. Oktober 2016

Nr. 340/2016 vom 17.10.2016

„Wie verhält sich die Geschichtsschreibung zur Bühne ‒ und wie verhält sich Theaterliteratur gegen­über der Geschichte?“ Diese Frage steht im Fokus der Tagung „History and Drama: The Pan-European Tradition“ (Historische Stoffe in der literarischen Theatertradition Europas), die am 26. und 27. Oktober 2016 an der Freien Universität stattfindet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland diskutieren in insgesamt 13 Vorträgen über literarische Stoffe, Motive und Strategien aus dem europäischen Drama der Neuzeit. Die Konferenz bildet die Abschluss­veranstaltung des Forschungsprojektes „DramaNet – Early Modern European Drama and the Cultural Net“ und den Auftakt für die künftige Kooperation mit der Moskauer Higher School of Economics. Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt frei.

„Ähnlich wie die Bearbeitung von Stoffen für die Theaterbühne ist auch die Geschichtsschreibung ein Medium für soziale und kulturelle (Selbst-)Darstellung“, erläutert Prof. Dr. Joachim Küpper, der das Forschungsprojekt leitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung untersuchen in ihren Vor­trägen dramatische Werke europäischer Autoren in Hinblick auf deren Verhältnis zur Geschichts­schreibung. Ob es um das höfische Artus-Epos, die literarische Selbstinszenierung Katharinas der Großen oder um Henry Fieldings Komödien geht: „Beleuchtet werden soll dabei jene eigentümliche Beziehung zwischen historisch-literarischen Leitmotiven oder topoi einerseits und der Ausformung von disparaten nationalen Konventionen andererseits“, sagt Joachim Küpper, der die Tagung gemeinsam mit seinen Wissenschaftlichen Mitarbeitern Tatiana Korneeva und Jaša Drnovšek organisiert.

Das vom Europäischen Forschungsrat finanzierte DramaNet-Projekt ist seit 2011 am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität angesiedelt. Im Zentrum der Forschungen steht die These, dass gerade im Medium des Theaters die gesellschaftlichen Umbrüche der Frühen Neuzeit etabliert und reflektiert werden konnten. Das Projekt arbeitet dabei mit dem Konzept des „Cultural Net“. Eine solche transkulturelle Perspektive bietet die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten für zeitlich bzw. räumlich divergente dramatische Werke und ihrer Rezeption über die Grenzen von Nationalliteraturen hinweg darzustellen.

Zum Abschluss von DramaNet steht neben der Berliner Konferenz außerdem eine Neuinszenierung des Volksschauspiels ‚Griseldis‘ am historischen Ort des Benediktinerstifts Marienberg in Südtirol auf dem Programm. Das Stück nach der letzten Novelle von Giovanni Boccaccios ‚Dekameron‘ wurde durch die Forscher der Freien Universität wieder aufgefunden: Es bietet ein „einschlägiges Beispiel für die Prozesse literarischer Transkulturation.“

Weitere Informationen

Zeit und Ort

  • Mittwoch, 26. und Donnerstag, 27. Oktober 2016.
  • Freie Universität Berlin, Seminarzentrum Silberlaube, Raum L115, Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin

Kontakt

  • Dr. Jaša Drnovšek, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-57687, E-Mail: j.drnovsek@fu-berlin.de
  • Prof. Dr. Joachim Küpper, Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literatur-wissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-51192, E-Mail: jokup@zedat.fu-berlin.de 

Im Internet