Schreiben als Ereignis. Künste und Kulturen der Schrift

Öffentliche Vortragsreihe und Kunstinstallation an der Freien Universität Berlin starten am 20. Oktober 2015

Nr. 298/2015 vom 08.10.2015

Formen, Praktiken und Qualitäten von Schriftlichkeit im historischen Wandel sind Thema einer öffentlichen Ringvorlesung, die anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Philologischen Bibliothek stattfindet. Den Eröffnungsvortrag am 20. Oktober hält Prof. Dr. Sybille Krämer von der Freien Universität Berlin zum Thema „Schriftbildlichkeit. Grundlinien einer Diagrammatologie“. Im Rahmen der Universitätsvorlesung soll die Philologische Bibliothek zum Bezugspunkt der Reflexion von Schrift und Schreiben im digitalen Zeitalter erhoben werden. In einem einzigartigen Dialog von wissenschaftlichen und künstlerischen Impulsen wird der Berliner Künstler Axel Malik auf Vortragsinhalte durch Performances und wechselnde Installationen antworten und zur Diskussion anregen. Maliks künstlerische Arbeiten erschließen unter dem Titel „Die Bibliothek der unlesbaren Zeichen“ in der „The Berlin Brain“ genannten Architektur von Norman Lord Foster neue Wahrnehmungsräume des Schreibens und Lesens. So wird am 20. Oktober 2015 ein mehr als zehn Meter langer Schreibprozess von filigranen “Zeichen” zu sehen sein, an dem der Künstler über ein Jahr lang geschrieben hat.

Alle Veranstaltungen der Reihe finden dienstags von 16.00 bis 18.00 Uhr statt; nach jeder Vorlesung bietet der Künstler einen Rundgang durch seine Kunst-Installation in der Philologischen Bibliothek an Der Eintritt ist frei.

Ausgangspunkt der verschiedenen Vorträge ist die Beobachtung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dass der gegenwärtige Umbruch zur digitalen Zeichenpraxis sich als weitreichende Neuorganisation der kulturellen Kommunikation darstellt. Diese gehe mit dem Versprechen einer medialen Überwindung von Raum, Zeit und Leib einher. „Gerade das damit verbundene Phantasma der Körperlosigkeit lässt jedoch Themen wie Authentizität, Präsenz oder individuelle Gestalthaftigkeit auf neue Art und Weise virulent werden“, sagt Dr. Jutta Müller-Tamm, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität, die die Vorlesungsreihe gemeinsam mit Caroline Schubert von der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien und dem Leiter der Philologischen Bibliothek, Dr. Klaus Ulrich Werner, konzeptioniert hat. Weitere Fragen, die in den Vorträgen aufgegriffen werden, sind das Verhältnis des handgeschriebenen oder gedruckten Textes zu seinem vermeintlichen digitalen Gegenüber: „Lassen sich an diesem Reibungspunkt die Eigenschaften einer Sicht- und Fühlbarkeit des Schriftlichen neu erfassen?“

Zeit und Ort

  • Dienstags, von 16.00 bis 18.00 Uhr. Erster Termin: 20. Oktober 2015
  • Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 2, 14195 Berlin-Dahlem. U-Bahnhof Dahlem-Dorf oder Thielplatz (U3). Bus: 110, M11.

Kontakt

  • Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-59204, E-Mail: muellert@zedat.fu-berlin.de 
  • Dr. Klaus Ulrich Werner, Leiter der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-58801, E-Mail: klaus.werner@fu-berlin.de

Programm

  • 27. Oktober 2015

Prof. Dr. Andrew James Johnston (Englische Philologie, Freie Universität Berlin): „Die Schrift auf dem Trockenen: Beowulf und die Flut der Buchstaben“

  • 3. November 2015

Prof. Dr. Irmela Marei Krüger-Fürhoff (Neuere deutsche Literatur, Freie Universität Berlin): „Ab/Schreiben. Handschrift zwischen Liebesdiskurs und Verwaltungslogik in der deutschen und englischen Literatur des 19.Jahrhunderts“

  • 10. November 2015

Prof. Dr. Sabine Mainberger (Vergleichende Literaturwissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn): „Die Seite als Horizont. Zu Henri Michaux’ Graphismen“

  • 17. November 2015

Festveranstaltung zum 10jährigen Bestehen der Philologischen Bibliothek

- Grußworte

Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin
Prof. Dr. Claudia Olk, Dekanin des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften

- Dr. Klaus Ulrich Werner (Bibliotheksdirektor der Philologischen Bibliothek): „Die Zukunft der Bibliothek als Ort“

- Axel Malik, Künstler, Berlin: „Die Bibliothek der unlesbaren Zeichen. Eine Performance“

- Prof. Dr. Irmela Marei Krüger-Fürhoff: Gespräch mit dem Künstler

  • 24. November 2015

Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin): „Gaston Bachelard und die Hände des Albert Flocon“

  • 1. Dezember 2015

Prof. Dr. Dr. Yvonne Wübben (Neuere deutsche Literatur, Freie Universität Berlin): „Verrückte Sprache. Psychiater entziffern den Wahnsinn“

  • 8. Dezember 2015

Prof. Dr. Arne Klawitter (Deutsche Literatur und Medien, Waseda University Tokyo): „Die ästhetische Resonanz unlesbarer Zeichen bei Xu Bing und Axel Malik“

  • 15. Dezember 2015

Prof. Dr. Peter Geimer (Kunstgeschichte, Freie Universität Berlin): „‚Von der Veränderung der Dinge durch das Wort’. Versuch über beschreibliche und unbeschreibliche Objekte“

  • 5. Januar 2016

Prof. Dr. Georg Witte (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Freie Universität Berlin): „Braille à la russe. Vom Gefühl und Ungefühl der Schrift“

  • 12. Januar 2016

Prof. Dr. Jürgen Brokoff (Neuere deutsche Literatur, Freie Universität Berlin): „Schreibendes Lesen und lesendes Schreiben (P. Szondi, R. Barthes)“

  • 19. Januar 2016

Prof. Dr. Georg W. Bertram (Philosophie, Freie Universität Berlin): „‚Eine Schrift ‚mit gekappter oder zugehängter Bedeutung’ – über Unlesbarkeit in der Kunst“

  • 26. Januar 2016

Prof. Dr. Andrea Polaschegg (Neuere deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin): „Enigmatische Ästhetik. Zum künstlerischen Potential unlesbarer Schrift“

  • 2. Februar 2016

Prof. Dr. Cornelia Ortlieb (Neuere deutsche Literatur und Komparatistik, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg): „Buchstabendinge. Zur Materialität des Schreibens in der Moderne“

  • 9. Februar 2016

Prof. Dr. Gernot Böhme (Philosophie, Technische Universität Darmstadt): „Handschrift und leibliche Anwesenheit. Für eine Kultur des Privaten“

Weitere Informationen

Brigitte Werner, Koordinierungsstelle Offener Hörsaal der Freien Universität, Telefon: 030 / 838-73535, E-Mail: brigitte.werner@fu-berlin.de

Das Programm im Internet

www.fu-berlin.de/sites/offenerhoersaal