Freie Universität Berlin


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Mitgliederschwund!

Analyse der Parteimitgliedschaften im Jahr 2014 des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin

Nr. 225/2015 vom 15.07.2015

Die Mitgliederzahlen der deutschen Parteien sinken auf breiter Front: Wie eine Erhebung des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin ergab, verloren alle im Bundestag vertretenen Parteien sowie die FDP im Jahr 2014 Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Parteimitglieder über alle Parteien hinweg betrachtet um 2,5 Prozent. Den stärksten Mitgliederschwund habe mit einem Rückgang von 5 Prozent auf 60.547 Mitglieder die Linke zu verzeichnen gehabt. Die Zahl der Mitglieder der FDP verringerte sich demnach um rund 4 Prozent auf 54.967. Die Zahl der SPD-Mitglieder fiel den Angaben zufolge um 2,9 Prozent auf 459.902; die SPD bleibe jedoch mitgliederstärkste Partei in Deutschland. Die Verluste der CDU beliefen sich auf 2,1 Prozent auf 457.488 Mitglieder. Die CSU büßte der Erhebung zufolge 1,2 Prozent ihrer Mitglieder ein und registrierte 146.536 Mitglieder. Den geringsten Rückgang verzeichnet hätten die Grünen, die mit 1,7 Prozent Verlust auf 60.329 Mitglieder kamen. Ausgewertet wurden die Angaben der Mitgliederverwaltungen der Parteien. Die Studie erscheint seit 2001 jährlich und ist ein systematischer Überblick über die Entwicklung, regionale Verteilung und sozialstrukturelle Zusammensetzung der Parteimitgliedschaften in Deutschland. Die AfD stellte für die Analyse keine aktuellen Zahlen zur Verfügung, wie es heißt. Die Ergebnisse der Studie sind in Heft 2 der Zeitschrift für Parlamentsfragen veröffentlicht worden und erscheinen ebenfalls in der Reihe "Arbeitshefte des Otto-Stammer-Zentrums" als Nr. 25.

Im Vergleich zum Jahr 1990 ist die Zahl der Mitglieder in der Summe aller Parteien um 48,5 Prozent gesunken. „Daraus lässt sich schließen, dass die gesellschaftliche Verankerung des gesamten Parteiensystems sich deutlich verringert hat“, erklärt Oskar Niedermayer. Ende 1990 gehörten noch 3,7 Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung einer der sechs Parteien an, Ende 2013 nur noch 1,8 Prozent.

Bei der SPD und der FDP war der Mitgliederrückgang 2014 flächendeckend, das heißt er vollzog sich in allen Bundesländern. Bei der CDU stellte nur Berlin mit einem leichten Mitgliederplus eine Ausnahme dar. Die Grünen verzeichneten in knapp der Hälfte der Bundesländer einen Mitgliederanstieg, in den anderen mussten sie Verluste hinnehmen. Bei der Linkspartei bildeten vier westdeutsche Länder die Ausnahme vom Negativtrend.

Der Anteil der Frauen fällt in den Parteien sehr unterschiedlich aus, wie die Analyse der Daten weiter ergab: Den geringsten Anteil weist demnach seit jeher die CSU auf (20 Prozent), den höchsten hätten 2014 mit 38,5 Prozent die Grünen zu verzeichnen. Bei der Linkspartei war den Angaben zufolge mit 37,5 Prozent ebenfalls ein vergleichsweise hoher Anteil der Mitglieder weiblich. Bei der SPD habe der Anteil bei 31,8 Prozent gelegen, die CDU habe 25,8 Prozent verzeichnet, bei der FDP habe der Frauenanteil bei 23 Prozent gelegen. Über einen längeren Zeitraum hinweg ist kein parteiübergreifender Trend festzustellen. Von 2013 zu 2014 hat der Frauenanteil bei allen Parteien mit Ausnahme der in dieser Hinsicht stagnierenden FDP etwas zugenommen.

Der Frauenanteil bei den Eintritten schwankt, wie die Analyse weiter ergab. Er habe 2014 bei allen Parteien mit Ausnahme der Linkspartei über dem Frauenanteil der Gesamtmitgliedschaft gelegen. Das Alter der Neumitglieder sei verglichen zum Altersdurchschnitt der Gesamtmitgliedschaft wesentlich jünger, hieß es: Während das Durchschnittsalter in der Gesamtmitgliedschaft 2014 je nach Partei zwischen 49 und 60 Jahren gelegen habe, erreichte es bei den Neueintritten Werte zwischen 39 und 44 Jahren. Die jüngeren Mitglieder bis 30 Jahre sind unter den Neumitgliedern gegenüber der beitrittsberechtigten Bevölkerung in allen Parteien überrepräsentiert; in der Gesamtmitgliedschaft war diese Altersgruppe dagegen in allen Parteien unterrepräsentiert.

Die Grünen sind mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren die „jüngste“ Partei. Die Linke ist mit 60 Jahren die „älteste“ Partei. CDU und CSU weisen ein Durchschnittsalter von 58 Jahren auf, die SPD von 57 Jahren und die FDP von 54 Jahren.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Oskar Niedermayer, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-5495, E-Mail: oskar.niedermayer@fu-berlin.de