DFG bewilligt neuen Sonderforschungsbereich zu Emotionen und Gesellschaft

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen Affekte und Emotionen in den mobilen und vernetzen Welten des 21. Jahrhunderts

Nr. 137/2015 vom 22.05.2015

Emotionen und Affekte als Grundlage menschlichen Zusammenlebens in unterschiedlichen Gesellschaften stehen im Mittelpunkt eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB), den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben haben. Der SFB untersucht unter dem Titel „Affective Societies – Dynamiken des Zusammenlebens in bewegten Welten“ wie gesellschaftliche Prozesse mit den komplexen und vielfach gegensätzlichen Gefühlslagen von Personen und Gruppen verbunden sind. Dabei gilt besondere Aufmerksamkeit auch der Bildung der Gefühle unter den Bedingungen von Einwanderungsgesellschaften und den vielfältigen medialen und künstlerischen Darstellungen von Emotionen in einer global vernetzen Welt. Sprecherin des sozial- und geisteswissenschaftlichen SFBs ist Prof. Dr. Birgitt Röttger-Rössler, Professorin für Ethnologie.

Der SFB verfolgt das Ziel, ein neues Verständnis von Gesellschaften zu etablieren, das der fundamentalen Bedeutung von Emotionalität und Affektivität für das Zusammenleben in den mobilen und vernetzten Welten des 21. Jahrhunderts Rechnung trägt. Anders als bisher gehen die Wissenschaftlerinnen Wissenschaftler davon aus, dass Emotionen und Affekte keine Randphänomene sind, sondern die Basis jeglicher Sozialität.

Insgesamt sind 10 Disziplinen mit Teilprojekten beteiligt, die in drei thematischen Schwerpunkten – Akteure, Repertoires und Kollektive – die affektiven und emotionalen Dynamiken aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. So werden etwa die Lebenswelten von Migranten aus Süd- und Nordvietnam im geteilten und wiedervereinigten Berlin untersucht. Andere Projekte gelten zum Beispiel dem globalen Emotionalisierungs-Potenzial von Selbstmordattentäter-Videos, Publikumsemotionen, religiösen Gefühlen, sowie Affekten im „Reality TV“ und im (post-)migrantischen Theater.

Der neue SFB, der seine Arbeit am 1. Juli 2015 aufnehmen wird und zunächst bis 2019 bewilligt ist, befindet sich an der Freien Universität Berlin in einer anregenden akademischen Umgebung, denn Emotionsforschung ist ein an der Freien Universität Berlin besonders gut etabliertes Forschungsfeld. In der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder konnte so auch der Exzellenzcluster „Languages of Emotion“ (2007 bis 2014) eingeworben werden. Weitere beteiligte Einrichtungen sind die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin, der gemeinsame medizinische Fachbereich von Freier Universität und Humboldt-Universität, sowie das Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin.

Sonderforschungsbereiche ermöglichen nach DFG-Vorgaben die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller, aufwendiger und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben durch die Konzentration und Koordination der in einer Hochschule vorhandenen Kräfte. Das SFB-Programm soll essenziell zur Profilbildung der beteiligten Hochschulen beitragen. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern spielen in diesem Zusammenhang ebenso eine wichtige Rolle.

Weitere Informationen

Dr. Katharina Metz, Koordinatorin, Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-57696, E-Mail katharina.metz@fu-berlin.de