Niederländische Mittelalterhistorikerin Mayke de Jong erhält Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung

Spezialistin auf dem Gebiet der frühmittelalterlichen politischen Theologie forscht 2015/2016 am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin

Nr. 426/2014 vom 11.12.2014

Die renommierte niederländische Mittelalterhistorikerin Mayke de Jong erhält einen Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und forscht in den Jahren 2015 und 2016 über längere Zeit am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität. Gastgeber ist der Historiker Prof. Dr. Stefan Esders, an dessen Arbeitsbereich für die „Geschichte der Spätantike und des Frühen Mittelalters“ die Preisträgerin ihre Forschungen durchführen wird.

Mayke De Jong, seit 1987 Professorin für Mittelalterliche Geschichte am „Department Geschiedenis en Kunstgeschiedenis“ der Universiteit Utrecht, zählt zu den einflussreichsten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der politischen und religiös-kirchlichen Geschichte des früheren Mittelalters. Sie hat umfassend über klösterliches Leben geforscht, Bibelkommentare einer politischen Lesart unterzogen und die Rolle der Buße im Rahmen der politisch-religiösen Kultur der Karolingerzeit (ca. 750‒900) ergründet. In ihrem jüngsten Buch “The Penitential State. Authority and Atonement in the Ages of Louis the Pious” (Der bußfertige Staat. Autorität und Sühne im Zeitalter Ludwigs des Frommen) (Cambridge University Press 2009) interpretierte sie die Regierungszeit Ludwigs des Frommen (814‒840) ausgehend von religiös-politischen Ritualen neu und begründete damit eine neue Sicht auf das Handeln der Zeitgenossen ebenso wie auf die politische Theologie des Frühmittelalters insgesamt. Mehrfach war Mayke de Jong bereits als Wissenschaftlerin zu Gast an renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen, unter anderem an der University of Cambridge und am Institute for Advanced Study in Princeton.

An der Freien Universität wird Mayke De Jong über das „Epitaphium Arsenii“ des Paschasius Radbertus arbeiten, einen polemischen Text des 9. Jahrhunderts. Dieser reflektiert in einem mit antiken und biblischen Motiven verschlüsselten Dialog die politischen Zerwürfnisse der Zeit. Außerdem wird sie über die Konzeption von „Öffentlichkeit“ im Frühmittelalter forschen sowie über das Verhältnis von Recht und Religion in den karolingischen Herrschererlassen (Kapitularien), die gegenwärtig im Rahmen eines Editionsprojektes für die „Monumenta Germaniae Historica“ sowie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ am Arbeitsbereich für die Geschichte der Spätantike und des Frühmittelalters der Freien Universität erforscht werden.

Mit dem Humboldt-Forschungspreis zeichnet die Alexander-von-Humboldt-Stiftung seit 1972 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben. Die Ehrung ist mit 60.000 Euro dotiert. Die Preisträger sind eingeladen, in einem selbst gewählten Projekt in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr zu forschen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stefan Esders, Friedrich-Meinecke-Institut, Geschichte der Spätantike und des Frühen Mittelalters, Freie Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-56823, E-Mail: Stefan.Esders@fu-berlin.de

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