Freie Universität zeichnet exzellente forschungsbasierte Geschäftsideen aus

Preisträger im Wettbewerb „Research to Market Challenge“ gekürt

Nr. 145/2014 vom 02.05.2014

Im Ideenwettbewerb „Research to Market Challenge“ der Freien Universität Berlin sind am Mittwoch drei Projekte auszeichnet worden: Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis nahm das Team „AniMatch“ entgegen; Platz zwei und 2.000 Euro Preisgeld gingen an das Team „FluxForce“; den mit 1.000 Euro dotierten dritten Platz erhielt das Team „Discover Neuro“. Prämiiert wurden Geschäftsideen für die Informations- und Kommunikationstechnik und die Medien- und Kreativwirtschaft. Teilnehmen konnten Studierende, Absolventen, Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter der Freien Universität und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Unterstützt wurde die Organisation des Ideenwettbewerbs von SAP University Alliances, dem Hochschulprogramm der SAP AG. Die Unterstützer vergaben zusätzlich einen Sonderpreis für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) für die Geschäftsidee „ISnet“ und ermöglichen den Initiatoren die Teilnahme an der „SAP d-code“, einer Technologiekonferenz von SAP, die vom 11. bis 13. November 2014 in Berlin ausgerichtet wird. Die feierliche Preisverleihung fand vor 180 Gästen im Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik in Berlin-Dahlem statt.

Der Ideenwettbewerb ist Teil des Projekts „Entrepreneurial Network University“, in deren Rahmen die Freie Universität und die Charité gemeinsam eine hochschulweite Gründungskultur etablieren. In einer weiteren Wettbewerbsrunde wurden neben IKT-Ideen auch forschungsbasierte Geschäftskonzepte für die Gesundheitswirtschaft gesucht. Die Gewinner dieser Runde werden am 5. Mai 2014 im Rahmen des „Charité Entrepreneurship Summit“ gekürt.

Im IKT-Wettbewerb hatte die Jury insgesamt 31 Bewerbungen zu bewerten. Die zehn besten Teams erhielten in einer Zwischenrunde die Chance, ihre Konzepte in einem Workshop mit Experten zu verbessern. „Wir waren begeistert, wie innovativ und fundiert die eingereichten Ideen waren“, sagt Dr. Bernd Welz, Executive Vice President und Head of Solution and Knowledge Packaging bei der SAP AG, der als Jurymitglied mitwirkte. „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Gewinnerinnen und Gewinner mit Unterstützung ihrer Hochschule auch als Gründerinnen und Gründer am Markt behaupten können und werde ihren Weg aufmerksam verfolgen.“

1. Platz: AniMatch

In der EU gilt für Tierversuche das „3R-Prinzip“ – „Reduction, Refinement and Replacement“, auf Deutsch: Reduzierung, Verbesserung und Ersatz. Eine EU-Verordnung erkennt die „gemeinsame Nutzung von Organen und Geweben“ von zu einem wissenschaftlichen Zweck getöteter Tiere als Maßnahme zur Reduzierung an und fordert die Mitgliedstaaten auf, entsprechende Programme zu erleichtern. Die AniMatch-Gründer Annemarie Lang, Jan Saam und Resa Ebadi sowie Jörg Luy, ehemals Professor am Institut für Tierschutz und Tierverhalten der Freien Universität Berlin, wollen erstmals in Deutschland das Internet dafür nutzen: Ihre Plattform ermöglicht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Austausch von Organen und von Gewebe für ihre Versuche zu koordinieren, um die Zahl getöteter Tiere effektiv zu reduzieren. Neben der Software hat AniMatch ethische, rechtliche, ökonomische und praktische Aspekte durchdacht, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Industrie als aktive Nutzerinnen und Nutzer der Plattform zu gewinnen.

 

2. Platz: FluxForce

Benjamin Bach, Flavio Holstein, Hagen Rothe und Fabian Stenschke entwickeln einen innovativen Rudersimulator, der Bedingungen und Bewegungsabläufe beim Training an Land so realistisch nachstellt, dass ein Rudergefühl wie auf dem Wasser entsteht. So können Profi-Sportler auch bei schlechter Witterung unter realistischen Bedingungen trainieren. Herz des Simulators ist ein steuerbarer Widerstand. Das Gerät hat Verbindung zum Internet und kann mit anderen Ruderergometern so interagieren, dass Sportlerinnen und Sportler auch über Distanzen hinweg wie in einem Boot zusammenrudern können. Eine Software visualisiert außerdem den Ruderschlag auf dem Tablet-PC. Unterstützt wird das Team von Jochen Schiller, Professor am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin.

 

3. Platz: Discover Neuro

Die neurowissenschaftliche Forschung bringt neue Erkenntnisse darüber, wie wir täglich tausende Entscheidungen treffen. Auch Prozesse, auf denen Kaufentscheidungen basieren, lassen sich mittels Elektronenzephalografie (EEG) in Echtzeit messen und darstellen. Ein Team um Benny B. Briesemeister möchte daher die Customer Experience mithilfe neurowissenschaftlicher Methoden erforschen, um damit Erfolgsfaktoren für für das Marketingmanagement realitätsgetreu ermitteln zu können. Hierzu soll ein mobiles neurowissenschaftliches Marktforschungslabor zum Einsatz kommen, das unter Realbedingungen Verwendung findet beispielsweise im Bereich des sogenannten Fast Moving Consumer Goods. Dieses Gründungsvorhaben wird von Professor Arthur Jacobs unterstützt, dem Direktor des Dahlem Institute for Neuroimaging of Emotion.

 

IKT-Sonderpreis von SAP: ISnet

Unternehmen verwenden derzeit eine Vielzahl verschiedener Informationssysteme, die untereinander kommunizieren und gemeinsam die Abteilungen bei ihrer Arbeit unterstützen. Insbesondere in mittleren und großen Unternehmen ist es für Entscheider in Fach- und technischen Abteilungen meist nur unter großem Aufwand möglich, die Beziehungen zwischen den Informationssystemen zu erkennen und einen Überblick zu erhalten. Dies kann hinderlich sein, etwa wenn es darum geht, Innovationspotenziale zu erkennen, Risiken zu bewerten und über Investitionen zu entscheiden. Daniel Fürstenau, Hannes Rothe und Karsten Jentzsch vom Team ISnet wollen Entscheidern ermöglichen, dieses „soziale“ Netzwerk zwischen den IT-Systemen im Unternehmensintranet mittels einer browserbasierten Dashboard-Lösung zu visualisieren und auf Basis kennzahlenbasierter Analysen diese Netzwerke besser zu verstehen. Daniel Fürstenau hat im Rahmen seiner Promotion am Pfadkolleg – einem betriebswirtschaftlichen Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Freien Universität Berlin – ein Simulationstool zur Netzwerkmodellierung und -analyse entwickelt, dass er als Prototyp in das Unternehmen einbringt.

 

Seit 2009 arbeitet die Freie Universität Berlin mit der Charité, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt-Universität, in der Gründungsförderung zusammen. Ihr gemeinsames Konzept der „Entrepreneurial Network University“ zur Etablierung einer hochschulweiten Gründungskultur wurde Anfang 2013 im Wettbewerb „EXIST-Gründungskultur – Die Gründerhochschule“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgezeichnet. In den Branchen Gesundheitswirtschaft sowie IKT-, Medien- und Kreativwirtschaft sehen Freie Universität und Charité das größte Potenzial für Ausgründungen; zudem stehen diese Branchen auch im Fokus der Innovationsstrategie Berlin-Brandenburgs.

 

Weitere Informationen

Marion Kuka, profund, die Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-73656, E-Mail: marion.kuka@fu-berlin.de

 

Im Internet

www.fu-berlin.de/marketchallenge