Weiße Weihnachten – nur im Mittel- und Hochgebirge, an der Ostsee – und mit etwas Glück auch in Berlin

Nach Tauwetter steigen die Chancen auf eine dünne Schneedecke zumindest an Heiligabend auch in der Hauptstadt

Nr. 386/2012 vom 18.12.2012

Hoffnung auf Weiße Weihnachten können sich nach einer Prognose der Meteorologen der Freien Universität Berlin nur Bewohner von Ortschaften in den Hoch- und Mittelgebirgen sowie an der Ostsee machen. Auch in Berlin gebe es zumindest Heiligabend die Chance auf eine dünne Schneedecke, erklärte Meteorologin Petra Gebauer am Dienstag. In einigen Regionen werde sich der Schnee in Lagen oberhalb 400 Metern der Schnee aus der ersten Dezemberhälfte über Weihnachten halten, doch in tieferen Lagen werde sich zumindest im Westen und Süden bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt nichts mehr ändern – Niederschlag fällt infolge milder Luft aus Südwesten als Regen, und Weihnachten wird dort grün.

Die Chancen auf Weiße Weihnachten stehen in den Regionen im Nordosten besser, weil hier die von dem Atlantiktief PETRA nordwärts gelenkte milde und feuchte Luft auf Kaltluft aus dem Russlandhoch THOMAS trifft. An der Luftmassengrenze fällt der Niederschlag bis zum 4. Advent dann als Schnee – und bleibt bei Temperaturen wenig unter dem Gefrierpunkt mit etwas Glück zumindest bis Heiligabend liegen. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 65 Prozent. Bereits zum ersten Feiertag ist aber alles wieder dahingeschmolzen.

Von Weißen Weihnachten sprechen Meteorologen, wenn an mindestens zwei der drei Weihnachtstage eine geschlossene Schneedecke von mindestens einem Zentimeter Höhe liegt. Voraussetzung ist, dass es geschneit hat, an Weihnachten selbst oder davor. Zur Entstehung von Niederschlag braucht man feuchte Luft, die von Tiefdruckgebieten aus Süden, Westen oder Nordwesten herantransportiert wird, klirrende Kälte aus Sibirien reicht nicht, denn die ist zu trocken. Frosttemperaturen sind dennoch erforderlich, damit der Niederschlag als Schnee fällt, wenige Grade unter dem Gefrierpunkt sind günstig. Und wenn der Schnee dann einmal liegt, sollte es für Weiße Weihnachten kalt bleiben – egal wie kalt.

In 74 Prozent aller Weihnachtstage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Berlin-Dahlem 1908 aber verhindert milde Luft ein Weißes Weihnachtsfest. Besonders hart war es 1952, in diesem Jahr lag bereits seit Ende November fast durchweg eine Schneedecke in Berlin, pünktlich zum Heiligabend setzte bei plus 7 Grad Celsius das sogenannte Weihnachtstauwetter ein. Es geht aber auch noch wärmer mit einer Höchsttemperatur von 15,7 Grad Celsius am 24. Dezember 1977.

Im Gegensatz dazu war es am 26. Dezember 1961 kalt – bitterkalt – bei einer Tiefsttemperatur von minus 17,8 Grad Celsius lag Schnee, der erst zwei Tage vor Heiligabend gefallen war. Überhaupt waren die 1960er Jahre gesegnet mit Weißen Weihnachten – alle zwei Jahre. In den anschließenden 40 Jahren bis zum Jahrtausendwechsel überwogen Grüne Weihnachten, nur   fünf Weiße Weihnachtsfeste waren den Berlinern vergönnt. Seit dem Jahr 2000 aber häufen sich bereits wieder die Schneefälle in der letzten Dezemberdekade. Erst vor zwei Jahren gab es einen Rekord – die höchste seit 104 Jahren gemessene Schneedecke in Berlin-Dahlem zu Weihnachten wurde am 26. Dezember 2010 registriert. Auf 32 cm erhöhte das Tiefdruckgebiet SCARLETT die bereits seit Anfang Dezember liegende Schneedecke.

Die Meteorologen der Freien Universität Berlin verkaufen noch bis Donnerstag Wetterpatenschaften für europäische Hoch- und Tiefdruckgebiete als Weihnachtsgeschenk. Unterstützt wird mit dem Erlös die studentische Wetterbeobachtung am Institut für Meteorologie. Die Hochdruckgebiete werden im Jahr 2013 weibliche und die Tiefdruckgebiete männliche Vornamen tragen, die Preise liegen bei 299 Euro für Hochs und 199 Euro für Tiefs. Die Wetterbeobachtungsreihe läuft seit mehr als 100 Jahren und gehört damit zu den längsten Klimadokumentationen weltweit.

Weitere Informationen und Interviewmöglichkeiten zum Weihnachtswetter

Meteorologe vom Dienst der Berliner Wetterkarte e. V. am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin, Telefon 030/838-71212 (an allen 7 Tagen der Woche zu erreichen; bitte beachten Sie, dass für Anrufe nur die Zeitfenster 9-12 Uhr und 14-16 Uhr möglich sind); E-Mail: wetter@met.fu-berlin.de

Weitere Informationen zu den Wetterhochs- und -tiefs

  • Julia Sieland, Daniela Schoster, Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-71226 , E-Mail: wetterpate@met.fu-berlin.de
  • Petra Grasse, Thomas Dümmel, Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-71222

Im Internet

www.wetterpate.de