„Frauen an die Spitze“

Brentano-Preis 2005 geht an Wissenschaftlerinnenteam

Nr. 8/2006 vom 16.01.2006

Für ihre Studienreihe „Frauen an die Spitze“ erhalten am Donnerstag, dem 19. Januar 2006, sechs Wissenschaftlerinnen und Studentinnen in einem Festakt den mit 11 000 Euro höchstdotierten deutschen Frauenförderpreis. Mit der Preisverleihung in Anwesenheit des Senators für Bildung, Jugend und Sport, Klaus Böger, würdigt die Freie Universität Berlin die jahrelange erfolgreiche Gemeinschaftsarbeit der Forscherinnen zur Lage der Frauen in ehrenamtlichen Führungspositionen des Sports.

Die Wissenschaftlerinnen Claudia Biskup, Prof. Dr. Dr. hc Gudrun Doll-Tepper, Prof. Dr. Dr. Gertrud Pfister, Sabine Radtke und die Studentinnen Doris Kula und Dorothea Müth haben zwischen 2001 und 2004 in sieben empirischen Studien die Situation von Frauen in ehrenamtlichen Führungspositionen des organisierten Sports untersucht. Ausgangspunkt der Forschungen war der spürbar niedrige Frauenanteil in den gehobenen Ehrenämtern bei Sportverbänden und -vereinen: Obwohl Mädchen und Frauen fast 40 Prozent der Sportvereinsmitglieder ausmachen, liegt der Frauenanteil in den Leitungsgremien des deutschen Sports nur bei 15 Prozent.
Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gingen die Forscherinnen der Frage nach, worin die Gründe für diese Unterrepräsentanz liegen; unter anderem indem sie etwa die Führungsaufgaben und -strukturen in Sportverbänden analysierten. Zudem wurden neben amtierenden und ehemaligen Sportfunktionärinnen auch Spitzensportlerinnen als potenzielle Führungskräfte befragt. Der wissenschaftliche Teil des Projektes war an der Freien Universität Berlin angesiedelt, der praktische zunächst beim Nationalen Olympischen Komitee (NOK), anschließend beim Deutschen Sportbund (DSB).

Das Projekt „Frauen an die Spitze" hat im Ergebnis seiner Untersuchungen Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen von Sportverbänden entwickelt, die inzwischen mit Hilfe der Sportverbände und Landessportbünde umgesetzt werden. „Frauen an die Spitze“ bietet Hilfe zur Selbsthilfe, indem es berät, Akteure vernetzt und die Umsetzungsversuche der Sportvereinigungen mit Schulungen begleitet.

Mit der Verleihung des Brentano-Preises 2005 würdigt die Freie Universität die gesellschaftspolitische Relevanz der Studien sowie ihren Praxisbezug: Die Beteiligten haben die drei aktuellen und komplexen Problemfelder Frauen in Führungspositionen, bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftliche Dynamik des Sports Weg weisend und Ziel führend miteinander verknüpft. Das Preisgeld wird die Projektleitung für die Fortsetzung und Vertiefung der Studie nutzen.

Der Brentano-Preis wird seit 1995 jährlich für hervorragende Projekte und Maßnahmen zur Frauenförderung oder Frauenforschung vom Präsidenten der Freien Universität Berlin vergeben. Er ist nach der Philosophin Margherita von Brentano benannt, die Anfang der 70er Jahre Erste Vizepräsidentin der Freien Universität in Dahlem war.

Die Preisvergabe findet am 19. Januar 2006 von 17 bis 20 Uhr im Sitzungssaal des Akademischen Senats, Henry-Ford-Bau, Garystr. 35, 14195 Berlin, statt.

Weitere Informationen

Mechthild Koreuber, Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin, Tel.: 030/ 838-54259, E-Mail: frauenbeauftragte@fu-berlin.de