Attachment and Bonding

A New Synthesis

Nr. 155/2003 vom 18.09.2003

Beim 92. Workshop der Dahlem Konferenzen vom 28. September bis 3. Oktober 2003 "Attachment and Bonding – A New Synthesis" diskutieren 40 internationale Spitzenforscher aus Natur- und Sozialwissenschaften unter der Leitung von Dr. Lieselotte Ahnert (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. C. Sue Carter (University of Illinois at Chicago) über Grundlagen und Charakter sozialer Beziehungen.

Attachment and Bonding bezeichnen ausgeprägt affektive "innige" Beziehungen, wie sie im Sozialverhalten von Mensch und Tier – vom Hamster bis zum Homo sapiens – zu finden sind. Mutterliebe und Mutter-Kind-Bindung sind dabei zentral. Denn sie scheinen in abgewandelter Form im Dienst späterer Liebesbeziehungen und Partnerbindungen zu stehen. Attachment and Bonding wurde vermutlich während der Artenentwicklung und der langen Menschheitsgeschichte im Zuge der natürlichen Selektion hervorgebracht, um sichere soziale Bedingungen für die Reproduktion bei Mensch und Tier zu schaffen und bessere Überlebenschancen für den Nachwuchs zu garantieren.

Haben sich deshalb während der Evolution im Betreuungsverhalten von (Tier)Müttern wie auch im Partnerschafts- und Sexualverhalten ähnliche Verhaltensmuster entwickelt? Gewährleisten zentralnervöse Vorgänge die Aufrechterhaltung mütterlicher Fürsorge, indem sie beispielsweise Angst und Stressreaktionen in Gegenwart des Kindes unterbinden? Wie wirken weitere Mechanismen auf Verhaltensdynamik und Interaktionsprozesse bei der Nachwuchsbetreuung? Welche Rolle spielen sie in Partnerbeziehungen? In welcher Weise machen sie Attachment and Bonding zu etwas Einzigartigem im Repertoire des Sozialverhaltens von Mensch und Tier? Was bedeuten Erfahrungen von Attachment and Bonding in den Biographien von Individuen und im Zyklus der Generationen?

Problemstellungen wie diese sind in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen Wissenschaftsdisziplinen – von der Anthropologie, Psychologie, Psychiatrie, Pädiatrie, Verhaltensbiologie, bis hin zu Molekular-/Neurobiologie und Endokrinologie – mit unterschiedlichen Forschungsansätzen und -methoden untersucht worden – und doch zum Teil unverstanden geblieben.

Mit dem Dahlem-Workshop bietet sich erstmalig die Möglichkeit, auf einem interdisziplinär angelegten Wissenschaftsforum Gemeinsamkeiten und Unterschiede unterschiedlicher Wissenschaftsperspektiven aus Sozial- und Naturwissenschaften in der Erforschung von Attachment and Bonding zu diskutieren. Das Forum soll gesichertes Wissen über einzelne enge Forschungsbereiche hinweg verallgemeinern sowie relevante Probleme aufdecken und Forschungsdefizite im Interesse künftiger Forschungsstrategien aufzeigen. Es geht zunächst um eine begriffliche Bestimmung von Attachment and Bonding – im Mittelpunkt steht hier das menschliche Verhalten. Vergleichende verhaltensbiologische Untersuchungen an verschiedenen Spezies sowie die Einbeziehung evolutionsbiologischer und historischer Analysen und psychologischer Erkenntnisse sollen dabei zu einem besseren Verständnis über individuelle Unterschiede in der Entwicklung von Attachment and Bonding beim Menschen dienen. Da kognitive Prozesse und Lernen bedeutende Unterschiede im Vergleich zwischen Mensch und Tier hervorbringen, erhalten Attachment and Bonding im Rahmen individueller Lebensbedingungen, kultureller und gesellschaftlicher Kontexte im Dienste menschlicher Verantwortlichkeit eine neue Bedeutung. Der Workshop thematisiert deshalb auch abweichende, einschränkende und misslungene Attachment-Bonding-Entwicklungen und deren Konsequenzen, die für ein psychisch eingeschränktes und fehl angepasstes Leben vor allem im Rahmen seelischer Erkrankungen und ihrer Prävention relevant sind.

Wir laden eine begrenzte Anzahl von Pressevertretern zum Gespräch mit Teilnehmer/innen des Workshops ein. Anwesend sind: Prof. C. Sue Carter, Prof. Klaus Grossmann, Prof. Norbert Sachser, Dr, Lieselotte Ahnert, Prof. Stephen Porges

Zeit und Ort:

Dienstag, 30. September, 19 Uhr
Harnack-Haus, Ihnestr. 16 -20, 14195 Berlin (U-Bahn Linie 1,Thielplatz)

Weitere Informationen

Anmeldung erbeten bis 25. September, Fax: 030-31 01 29 84 Tel.: 030-31 01 27 55, E-Mail: wortwandel@t-online.de