Chemie-Nobelpreisträger John Fenn besucht Freie Universität

Gastvortrag über Elektrospray-Ionisations-Methode am 8. Mai um 16 Uhr 15

Nr. 61/2003 vom 05.05.2003

Die Freie Universität erwartet hohen Besuch: Der letztjährige Nobelpreisträger für Chemie, Prof. John B. Fenn, wird am 8. Mai in seinem Vortrag: "Electrospray wings for molecular elephants" das Resümee seiner Forschung ziehen, für die der 85-Jährige im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Mit der bahnbrechenden Erfindung der Elektrospray-Ionisations-Methode (ESI) wurde der Nachweis selbst großer Moleküle im Massenspektrometer möglich.

Dank dieser Methode kann erstmals mit größter Präzision die genaue Zusammensetzung von größeren Molekülen wie Proteinen bestimmt werden, indem diese Moleküle in intakte Ionen umgewandelt werden. Das Verfahren wird heute in allen großen chemischen Laboren angewandt und dient der Entwicklung neuer Medikamente vor allem im Bereich der Krebsforschung.

Seit 1994 forscht John Fenn als Emeritus an der Virginia Commonwealth University (VUC)/Richmond. Zuvor hat er lange Jahre in Yale gelehrt: Als Professor für angewandte Naturwissenschaften und Chemie seit 1967, von 1980 bis zu seiner Emeritierung als Professor für chemische Ingenieurwissenschaften. Nach seinem Ph.D. in Yale wandte sich Fenn zunächst der anwendungsbezogenen Forschung zu und entwickelte unter anderen für eine Firma Verbrennungsmotoren. 1959 wurde Fenn Direktor des SQUID-Projekts der US-Marineprogramms für angewandte Forschung im Bereich der Jet-Antriebskraft. Später übernahm er eine Professur für Weltraumforschung und Mechanik in Princeton, wo er die überschall-Molekularstrahl-Technik entwickelte.

Als Gastprofessor lehrte Fenn unter anderem an der Trientiner Universität, der Universität von Tokio, des Indischen Instituts für Wissenschaft in Bangalore und der Chinesischen Akademie der Wissenschaft, Peking. Neben zahlreichen Publikationen hat Fenn hat 19 Patente (mit-)angemeldet.

Derzeit arbeitet Fenn mit Unterstützung des Nationalen Wissenschaftsfonds an Messungen der Anziehungskraft bestimmter Moleküle für Wasser und an der Analyse bestimmter Substanzen. Damit hofft Fenn, die Antwort auf die Frage zu finden, wie Schadstoffe in der Atmosphäre Krankheiten hervorrufen.

Im vergangenen Jahr teilte sich John Fenn den Nobelpreis von einer Million US-Dollar zu einem Viertel mit Koichi Tanaka Shimadzu Corp./Kyto und zur Hälfte mit Kurt Wuethrich von der ETH/Zürich.

Prof. John B. Fenn spricht am Donnerstag, dem 8. Mai 2003 um 16 Uhr 15 im Großen Hörsaal in der Arnimallee 14 im Rahmen eines Außerordentlichen Kolloquiums des Fachbereichs Physik. Die Veranstaltung wird von dem Präsidenten der Freien Universität, Prof. Dr. Peter Gaehtgens, eröffnet.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ludger Wöste; Tel.: 030-838 55 666 oder E-Mail: woeste@physik.fu-berlin.de