Amerika - Du hast es besser !?

Gastvortrag am Mittwoch, den 30. Mai 2001, 17.00 – 19.00 Uhr

Nr. 112/2001 vom 28.05.2001

Einige ketzerische Anmerkungen zum neuesten Importwunsch, dem amerikanischen Bildungssystem. Eine mögliche Amerikanisierung des deutschen Bildungs- und Universitätssystems wird die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer am stärksten betreffen und am weitestgehenden verändern.

Um die gegenwärtige Reformdiskussionen auf eine faktisch zuverlässigere Basis zu stellen, hat das Kennedy-Institut den Germanisten Peter Höying von University of Tennessee in Knoxville eingeladen. Er wird die Strukturen der amerikanischen Universität, insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich, beschreiben und über eigene Erfahrungen mit einem System berichten, das er als langjähriger Professor an einer amerikanischen Universität "von innen heraus" kennt. Wir möchten Sie daher herzlich zu diesem Vortrag einladen.

Die Reform der deutschen Universität hat sich, offen oder unausgesprochen, das angelsächsische Modell zum Vorbild genommen. B.A. und M.A., Modularisierung der Lehre, ECTS (Euroepean Credit Transfer System), studienbegleitende Prüfungen, Evaluation der Lehre und Universitätsranking sind Elemente, die vor allem amerikanischen Vorbildern entnommen sind. Mit ihrer Hilfe sollen die Lehre gestrafft, die Studienzeiten verringert, die faulen Professoren auf Trab gebracht und die Kosteneffizienz der deutschen Universitäten gesteigert werden.

Kann das funktionieren? Und wenn ja, hat es einen Preis, der übersehen oder verschwiegen wird? Es ist immer wieder erstaunlich, wie gering die Kenntnisse deutscher Politiker und Journalisten, aber teilweise auch akademischer Reformer über das amerikanische Bildungssystem und seine Funktionsweise sind. Man verbindet beispielsweise weitgehende Reformerwartungen mit einer Evaluation der Lehre, wie sie "an amerikanischen Universitäten seit langem üblich" sei, ohne zur Kenntnis zu nehmen, welchen Stellenwert und Effekt derartige Evaluationen dort tatsächlich haben.

Ort:

John F. Kennedy-Institut, Lansstr. 5-9, Raum 201, 14195 Berlin, U-Bhf. Dahlem-Dorf

Weitere Informationen

Prof. Dr. Winfried Fluck, Abt. Kultur, John F. Kennedy-Institut, Freie Universität Berlin, Lansstr. 5-9, 14195 Berlin, Tel. 030/838-54240, Fax. 030/838-52850, E-Mail: kultur@zedat.fu-berlin.de