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Vom Gläserwäscher zum international renommierten Facharzt

Constantin Orfanos, von 1978 bis 2004 Professor für Dermatologie an der Freien Universität, hat seinen 80. Geburtstag gefeiert

20.09.2016

Im Juli feierte Professor Constantin Orfanos seinen 80. Geburtstag.
Im Juli feierte Professor Constantin Orfanos seinen 80. Geburtstag. Bildquelle: Annika Middeldorf
Constantin Orfanos 1987 mit Eberhard Diepgen und Richard von Weizsäcker zur Eröffnung des Weltkongress der Dermatologie im Berliner ICC.
Constantin Orfanos 1987 mit Eberhard Diepgen und Richard von Weizsäcker zur Eröffnung des Weltkongress der Dermatologie im Berliner ICC. Bildquelle: CMD
Im November 2001 wurde Constantin Orfanos in Berlin mit dem Japanischen Kaiserorden ausgezeichnet: für seine Verdienste um die internationale, insbesondere die japanische Dermatologie.
Im November 2001 wurde Constantin Orfanos in Berlin mit dem Japanischen Kaiserorden ausgezeichnet: für seine Verdienste um die internationale, insbesondere die japanische Dermatologie. Bildquelle: Privat

„Ich arbeite in einem Missionshospital im Norden Tansanias, am Kilimandscharo. Hier könnten wir Hilfe gut gebrauchen!“ – So etwa muss der Ruf eines ehemaligen Assistenten geklungen haben, dem Constantin Orfanos und seine Frau, ebenfalls Dermatologin, nach seiner Emeritierung vor zwölf Jahren gefolgt sind. Zwei oder drei Wochen wollte das Ehepaar ursprünglich bleiben – es wurden drei Monate daraus und über die folgenden Jahre etliche weitere mehrmonatige Freiwilligeneinsätze. Tansania ist in Constantin Orfanos‘ Leben nur eine von vielen Stationen, an denen er mit seinem Wissen über Hautkrankheiten das Leiden von Menschen lindern konnte. „Mein Herz als Arzt hängt sehr an dieser Zeit“, sagt der gebürtige Grieche. 26 Jahre, von 1978 bis 2004, wirkte Orfanos als Lehrstuhlinhaber an der Freien Universität. Im Juli feierte der 2004 emeritierte Wissenschaftler seinen 80. Geburtstag.

„Es waren vor allem die Menschen, die in meinem Leben entscheidend waren“, sagt Constantin Orfanos. „Weniger die Umstände." So war es auch gegen Ende der 1950er Jahre in Düsseldorf, als der Medizinstudent an der dortigen Hautklinik Günter Stüttgen traf, einen jungen Professor. Orfanos fing in Stüttgens Kliniklabor als Auswäscher von Reagenzgläsern an. Der Job, der eigentlich nur sein studentisches Auskommen regeln sollte, weckte bei Orfanos das Interesse für die Dermatologie.

In der Dermatologie war in den 1960er Jahren vieles noch unerforscht

„Wenn Sie im Beruf auf einen Menschen treffen, der Sie persönlich beeindruckt und fördert, dann bleiben Sie", sagt Orfanos. Günter Stüttgen habe ihn als Wissenschaftler und vor allem als Mensch überzeugt. „Er wurde mein Doktorvater und schließlich auch mein Freund, erinnert sich der Mediziner. „Ich entdeckte die Dermatologie als attraktive Disziplin, damals, als so vieles in dem Fach noch unerforscht war.“ Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert, woran Constantin Orfanos selbst einen großen Anteil hat. Unter anderem forschte der Mediziner zur Schuppenflechte, den Krankheiten des Haares und zuletzt über viele Jahre zu Hauttumoren. Für seine klinische und Forschungstätigkeit wurde der Dermatologe mehrfach ausgezeichnet.

Als es Ende der sechziger Jahre an Deutschlands Universitäten zu studentischen Protesten kam, schrieb Orfanos gerade an seiner Habilitation, die er 1969 an der Universität Köln abschloss. Zurück in sein Heimatland wollte er nicht, denn in dieser Zeit war das griechische Militär an der Macht. „Unter einer Militär-Diktatur wollte ich nicht leben, deshalb habe ich mich entschieden, in Deutschland zu bleiben“, sagt der Mediziner, der schließlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft annahm.

Zehn Berlinern auf die Welt verholfen

In den frühen siebziger Jahren forschte Orfanos anderthalb Jahre mit einem Stipendium in den USA. „Für junge Forscher waren die Vereinigten Staaten damals das Paradies“, sagt Orfanos. Wer eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland anstrebte, hätte einige Zeit in Amerika arbeiten müssen. Trotz Abwerbeangeboten von amerikanischen Wissenschaftlern entschied sich der junge Dozent, nach Deutschland zurückzukehren. 1973 erhielt er eine außerordentliche Professur in Köln, 1978 wurde er an die Freie Universität Berlin berufen. Die Stadt kannte er bereits aus seiner Zeit als Medizinalassistent – und einige Einwohner kannte er besonders gut: „Auf der gynäkologischen Station einer Dahlemer Klinik habe ich zehn kleinen Berlinern auf die Welt verholfen“, erinnert sich Orfanos.

Sensation, für die Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf eine Rede verzichtete

Constantin Orfanos bemühte sich von Berlin aus um die Vernetzung deutscher Dermatologen mit internationalen Kollegen. Mit Erfolg: 1987 richtete er gemeinsam mit Günter Stüttgen in Berlin den 17. Weltkongress der Dermatologie im Berliner ICC aus. Mehr als 7500 Delegierte aus aller Welt kamen damals in die geteilte Stadt. Auch Vertreter der sozialistischen Staaten des Ostens und der Volksrepublik China nahmen teil. Es war eine kleine Sensation – für die der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf eine Eröffnungsrede verzichtete. „Wir wurden darüber informiert, dass die Ostblock-Staaten an der Konferenz nicht teilnehmen würden, wenn der Bundespräsident sprechen würde“, erläutert Orfanos die politisch brisante Situation. Die Eröffnungsrede übernahm der Regierende Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen.

Mitte der neunziger Jahre engagierte sich Constantin Orfanos für ein neues Projekt: die Berliner Stiftung für Dermatologie, die schließlich 1999 gegründet wurde. 2005, ein Jahr nach seiner Emeritierung, übernahm er die Geschäftsführung, die er noch heute inne hat. Anfang Juli wurde der 80. Geburtstag des Berliner Dermatologen mit einem gebührenden Fachsymposium gefeiert. Zu den Gästen zählten die Erste Vizepräsidentin der Freien Universität, Pharmakologieprofessorin Monika Schäfer-Korting, und der Dekan der Charité Berlin, Professor Axel Radlach Pries.

„Es wurden mehrere hochwissenschaftliche Vorträge gehalten, teilweise als Rückschau auf unsere Berliner Forschungsaktivitäten während der Jahre meines Ordinariats“, sagt Orfanos. Die Doktorarbeiten von insgesamt 56 Mitarbeitern hat der Wissenschaftler betreut, 14 Mediziner haben sich bei ihm habilitiert. Zu vielen von ihnen, wie auch zu den zahlreichen Postdocs und Stipendiaten aus mehreren Ländern weltweit, hält Orfanos bis heute engen Kontakt.

Weitere Informationen

Zu seinem Jubiläum hat der Jubilar seine Lebenserinnerungen in Form einer Chronik vorgelegt: „Die Hörner des Stiers. Lebenserzählung und Chronik eines griechischen Migranten“ (Berliner Wissenschaftsverlag).