Olympische Disziplin: wissenschaftliche Zusammenarbeit stärken

Nora Jacobs ist neue Leiterin des Verbindungsbüros der Freien Universität in São Paulo

17.08.2016

In São Paulo lebt Nora Jacobs bereits seit knapp vier Jahren.
In São Paulo lebt Nora Jacobs bereits seit knapp vier Jahren. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Beim Turnier der deutschen Beachvolleyballer bei den Olympischen Spielen in Rio war Nora Jacobs live dabei.
Beim Turnier der deutschen Beachvolleyballer bei den Olympischen Spielen in Rio war Nora Jacobs live dabei. Bildquelle: Nora Jacobs

Ihr sprachlicher Schwerpunkt war eigentlich Spanisch – bis es Nora Jacobs vor knapp vier Jahren aus beruflichen Gründen in die brasilianische Metropole São Paulo verschlug. Seit Mai dieses Jahres leitet sie dort das südamerikanische Verbindungsbüro der Freien Universität – und nutzte nun die Gelegenheit, sich bei den Olympischen Spielen im nur rund 360 Kilometer entfernten Rio de Janeiro unter anderem das Turnier der deutschen Beachvolleyballer anzuschauen.

Wofür deutsche Touristen rund zwölf Stunden Flugzeit hinter sich bringen müssen, brauchte Nora Jacobs nicht mal eine Stunde: ein Besuch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich durch meine Tätigkeit in Brasilien, bei den Spielen live dabei sein konnte“, sagt Jacobs. Im Vorfeld der Sommerspiele, die im brasilianischen Winter stattfinden, sei die Stimmung im Land – wie auch schon zur Fußballweltmeisterschaft vor zwei Jahren – nicht besonders euphorisch gewesen. Doch bei den Wettkämpfen überwiege inzwischen die Begeisterung des Publikums, Athleten aus aller Welt zu empfangen und dieses sportliche Großereignis miterleben zu können.

In São Paulo lebt Nora Jacobs seit November 2012. Die ersten beiden Jahre war sie für die Alexander von Humboldt-Stiftung tätig, anschließend ein Jahr in der Koordination des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses São Paulo (DWIH), bis sie im Mai die Leitung des Verbindungsbüros der Freien Universität übernahm. Weit tragen musste sie ihre Umzugskisten für den neuen Job nicht: Die Büros aller drei Einrichtungen sind im DWIH eingerichtet, das die zentrale Anlaufstelle für Forschungs- und Innovationskompetenz aus Deutschland ist. „Ich musste nur 20 Meter über den Flur umziehen“, sagt Nora Jacobs.

Mit Spanisch nach Brasilien

An der Universität zu Köln studierte sie Regionalwissenschaften Lateinamerika mit den Schwerpunkten Politikwissenschaft und Spanisch. Das erste Mal nach Lateinamerika war sie bereits in der 10. Klasse durch einen Schüleraustausch mit Mexiko gekommen. Später folgten dann ein Auslandssemester in Argentinien sowie Forschungs- und Arbeitsaufenthalte in Chile, Costa Rica, Kuba und Venezuela. „Meine Spanischkenntnisse haben mir sehr dabei geholfen, schnell Portugiesisch zu lernen“, erzählt Jacobs. Ihre Sprach- und landeskundlichen Kenntnisse kommen ihr bei ihrer neuen Stelle ebenso zugute wie ihre Erfahrungen in den Bereichen Wissenschaftsmanagement und internationale Forschungszusammenarbeit.

Mithilfe des im März 2010 eingerichteten Verbindungsbüros in der brasilianischen Finanz- und Wirtschaftsmetropole soll die wissenschaftliche Zusammenarbeit der Freien Universität mit den Universitäten und Forschungszentren in Südamerika gestärkt und ausgebaut werden. So werden sowohl Wissenschaftler der Freien Universität bei Forschungskooperationen in Brasilien unterstützt als auch Studien- und Forschungsaufenthalte in Dahlem bei brasilianischen Studierenden, Doktoranden und Postdocs aktiv beworben.

Eine gut funktionierende Gemeinschaft

Das Arbeitsumfeld in São Paulo sei sehr angenehm, sagt Nora Jacobs: „Wir haben eine sehr gut funktionierende Gemeinschaft im Haus und mit unseren Partneruniversitäten. São Paulo bietet vor allem kulturell sehr viel. Unabhängig von der momentanen politischen Krise in Brasilien und des laufenden Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Dilma Rousseff gibt es eine beeindruckende junge kulturelle Dynamik.“ Was der Lateinamerika-Expertin an der Arbeit besonders gefalle, sei die Vielseitigkeit, der Austausch auf verschiedenen Ebenen, der Einblick in unterschiedliche Forschungsbereiche und natürlich die Anbindung an die Freie Universität. Das Lateinamerika-Institut der Hochschule ist das größte Institut für Lateinamerikaforschung in Deutschland und gehört europaweit zu den führenden Institutionen für Lateinamerikastudien.