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„Das Tolle an Wissenschaft ist, dass man nie fertig wird“

Die Persönlichkeitspsychologin Jule Specht von der Freien Universität erhält heute den Berliner Wissenschaftspreis 2014 für Nachwuchswissenschaftler

20.01.2015

Juniorprofessorin Dr. Jule Specht forscht zu Persönlichkeitsveränderungen im Alter. An diesem Dienstag erhält sie den Berliner Wissenschaftspreis 2014 für Nachwuchswissenschaftler.
Juniorprofessorin Dr. Jule Specht forscht zu Persönlichkeitsveränderungen im Alter. An diesem Dienstag erhält sie den Berliner Wissenschaftspreis 2014 für Nachwuchswissenschaftler. Bildquelle: Picasa

Bei Jule Specht scheint alles etwas schneller zu gehen als bei anderen: Mit gerade einmal 28 Jahren ist sie Psychologin, Juniorprofessorin, Autorin und zweifache Mutter. Ursprünglich wollte sie Journalistin werden, „weil man sich da mit so vielen unterschiedlichen Dingen befassen kann“. Doch dann weckte der naturwissenschaftliche Unterricht in der Schule ihr Interesse für Psychologie. An diesem Dienstag wird Jule Specht mit dem Berliner Wissenschaftspreis 2014 für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet.

„Mein Lieblingsfach in der Schule war Mathematik, aber ich hatte auch hervorragenden Biologieunterricht“, sagt die junge Wissenschaftlerin. Schon damals habe sie immer wieder die Universitätsbibliothek in Magdeburg gestürmt, um Fachbücher zu lesen. „Wenn man einmal Feuer gefangen hat, kann man nicht mehr aufhören, sich mit Psychologie zu beschäftigen“, sagt sie. Ihr Erfolgsrezept, um Familie, Beruf und Karriere unter einen Hut zu bringen? „Man braucht eine sehr klare Zeitplanung und muss Prioritäten setzen.“

Forschungsfrage: Was macht im Alter glücklich?

Besonderes wissenschaftliches Interesse hat Jule Specht an der Entwicklung der Persönlichkeit im Erwachsenenalter. In ihrer Dissertation, die 2011 erschienen ist, beschäftigte sie sich mit Persönlichkeitsveränderungen im Laufe des Lebens. Mit ihrem Team machte sie dabei eine interessante Entdeckung. „Wir stellten fest, dass sich die Persönlichkeit im hohen Alter noch einmal ähnlich stark verändert wie im jungen Erwachsenenalter.“ Bislang war man davon ausgegangen, dass die Persönlichkeit im Laufe des Lebens relativ stabil bleibt. „Bei älteren Menschen entwickelt sich da offenbar noch ganz viel, das finde ich extrem spannend“, sagt Specht. Noch lägen in Bezug auf Senioren insgesamt nur wenige Untersuchungen vor, sagt die Wissenschaftlerin – was mit Blick auf den demografischen Wandel verwundere: „Welche Faktoren für glückliches Altern und Erfolg im hohen Alter entscheidend sind – das sind meiner Meinung nach sehr wichtige Fragen, auf die es sich lohnt, Antworten zu finden.“

Bloggerin und Kolumnistin

Neben ihrer Forschung investiert Jule Specht viel Zeit in die Wissenschaftsvermittlung. So betreibt sie seit vier Jahren das Blog jule-schreibt.de, wo sie Forschungsergebnisse aus der Psychologie laiengerecht aufbereitet. „Es gibt großes Interesse an psychologischen Themen in der Öffentlichkeit“, sagt sie. In den Medien würden Studienergebnisse jedoch häufig nur angerissen. „Oft sind gerade die Details besonders spannend. Im Blog habe ich ein paar Zeilen mehr zur Verfügung und kann besser erklären.“ Offenbar mit Erfolg, denn mittlerweile veröffentlicht Specht regelmäßig als Kolumnistin auf der Homepage der Zeitschrift „Psychologie heute“ und hat nebenbei das Buch „Suche kochenden Betthasen“ geschrieben, in dem sie Forschungsergebnisse rund um Liebe und Partnerschaft zusammengetragen hat.

Auch die Lehre kommt bei Jule Specht nicht zu kurz – sie liegt ihr besonders am Herzen. „Mit am Wichtigsten ist es, Leidenschaft zu vermitteln“, sagt die Psychologin. Zwar gebe es viele Bücher, aus denen man gut lernen könne, der Mehrwert von Vorlesungen sei jedoch, dass man dort über den persönlichen Kontakt Begeisterung für das Fach vermitteln könne. „Wenn man ein Thema interessant findet, lernt es sich besser. Ich möchte meinen Studierenden vermitteln, dass Persönlichkeitspsychologie ein spannendes Fach ist.“

Familienurlaub – oder 10.000 Überraschungseier?

Zukünftig will sich Specht weiterhin mit Themen rund um die Persönlichkeitsentwicklung befassen. So stelle sich etwa die Frage, ob man die Persönlichkeit trainieren könne. „Das Tolle an Wissenschaft ist, dass man nie fertig wird“, sagt Jule Specht und lacht. Jetzt, wo das Buchprojekt abgeschlossen sei, finde sich vielleicht auch wieder etwas mehr Zeit für das Blog, so die Psychologin. „Am Computer sitzen und rechnen, mit Kollegen und Studierenden Neues herausfinden, im Café sitzen und schreiben – für mich ist das die perfekte Mischung.“ Über die Auszeichnung mit dem Berliner Wissenschaftspreis 2014 für Nachwuchswissenschaftler freut sie sich – auch über dessen Dotierung mit 10.000 Euro. „Meine Tochter hat vorgeschlagen, 10.000 Überraschungseier davon zu kaufen“, lacht Jule Specht. „Ein Familienurlaub wäre aber auch eine Idee.“