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Ausgezeichnete Forschung zur Papageienkrankheit beim Kalb

Annette Prohl, Doktorandin der Veterinärmedizin, hat zum zweiten Mal nach 2012 den internationalen „Joan A. O’Brien Forschungspreis“ für den besten Nachwuchswissenschaftler-Vortrag gewonnen

03.03.2014

2013 wurde Annette Prohl in Calgary, Kanada, der Preis für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers verliehen. Die Stadt ist bekannt für ihre Rodeo-Shows.
2013 wurde Annette Prohl in Calgary, Kanada, der Preis für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers verliehen. Die Stadt ist bekannt für ihre Rodeo-Shows. Bildquelle: VCRS

Die Lungeninfektion Psittakose wird zwar Papageienkrankheit genannt, tritt aber auch bei Rindern auf. In ihren nun doppelt ausgezeichneten Vorträgen stellte Annette Prohl ihre Forschung zu den zoonotischen Erregern vor. „Das Schwierigste war es, den Vortrag auf wenige Minuten zu kürzen“, sagt die Veterinärmedizinerin, die an der Freien Universität promoviert. Acht Minuten Präsentationszeit – das ist die Vorgabe der Veterinary Comparative Respiratory Society (VCRS), einer Non-Profit-Organisation, die jedes Jahr Nachwuchswissenschaftler der Veterinärmedizin für herausragende Vorträge auszeichnet.

Acht Minuten – nicht viel Zeit, um Ergebnisse aus eineinhalb Jahren Forschung zusammenzufassen. Aber es hat geklappt: Im vergangenen Sommer fand das Symposium der VCRS in Kanada statt; dort konnte Annette Prohl Jury zum zweiten Mal in Folge von ihrer Arbeit überzeugen. Seit eineinhalb Jahren forscht die Doktorandin der Freien Universität am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena an Erregern, die zu der Lungenerkrankung Psittakose führen. 2012 stellte sie beim VCRS-Kongress in den Vereinigten Staaten ein spezielles Verfahren zur Entnahme von Gewebeproben aus der Lunge vor. Im vergangenen Jahr in Kanada präsentierte sie ihre Forschung zur Wirksamkeit verschiedener Antibiotika bei der Bekämpfung der Infektionskrankheit.

Kampf gegen Zoonosen

Bei dem von Prohl untersuchten Erreger handelt es sich um einen sogenannten zoonotischen Erreger. Das sind Viren oder Bakterien, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und dort Krankheiten auslösen können. Weil die Krankheit häufig bei Vögeln, vor allem bei Papageien auftritt, ist sie auch als Papageienkrankheit bekannt. Allerdings wurde der Erreger auch bei Säugetieren festgestellt.

Annette Prohl und ihre Instituts-Kollegen entschieden sich aus ganz pragmatischen Gründen für die veterinärmedizinische Forschung an Kälbern: „Einer Maus kann man aufgrund ihrer geringen Körpergröße nicht einfach ein Stück Lunge entnehmen, ohne dass sie sterben würde“, sagt Prohl. Bei einem Kalb ist das möglich, ohne, dass das Tier Schaden davon trägt. Sechs bis zehn Wochen alte Kälber sind zudem etwa so schwer wie ein erwachsener Mensch, was das Modell besonders wertvoll im Hinblick auf die Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse macht.

Kälber und Menschen zeigen ähnliche Symptome

Die Krankheit verläuft sowohl beim Menschen als auch beim Tier sehr unterschiedlich. „Bei unseren Kälbern ähneln die Symptome denen eines grippalen Infekts beim Menschen“, sagt Prohl. Die Kälber haben Fieber und Husten, „aber nach zwei, drei Tagen werden sie wieder gesund“. Auch beim Menschen treten die grippeähnlichen Symptome auf. Allerdings kann die Ansteckung mit dem Erreger, je nach vorausgehendem Gesundheitszustand, auch einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Die meldepflichtige Erkrankung, bei der sich Menschen über Federstaub oder Körpersekrete der erkrankten Tiere infizieren, ist in Deutschland allerdings recht selten.

Nach diesem Sommer wird Annette Prohl ihre Forschungsergebnisse in ihrer Doktorarbeit veröffentlichen. Ob sie im Anschluss praktisch als Tierärztin arbeiten oder wissenschaftlich forschen wird, ist noch offen. Nur einen Wunsch hat sie bereits: „Ich möchte auch in Zukunft mit Säugetieren arbeiten – nicht mit Vögeln.“