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„Es gibt nichts Besseres, als Hochschullehrer zu sein“

Am 11. Juli hält Philosophie-Professor Gunter Gebauer seine Abschiedsvorlesung

09.07.2013

Vom Leistungssportler zum Hochschullehrer: Der Philosoph Gunter Gebauer hat 34 Jahre lang an der Freien Universität gelehrt.
Vom Leistungssportler zum Hochschullehrer: Der Philosoph Gunter Gebauer hat 34 Jahre lang an der Freien Universität gelehrt. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Gunter Gebauer ist Philosoph aus Leidenschaft. Wenn der Professor des Instituts für Philosophie der Freien Universität über Begegnungen mit Studierenden und die Arbeit an Forschungsprojekten spricht, merkt man ihm die Begeisterung für seine Arbeit an. An diesem Donnerstag hält der 69-Jährige seine Abschiedsvorlesung an der Freien Universität zum Thema „Entwurf einer Theorie der Fiktion in Literatur und Philosophie“.

Das bedeutet aber nicht, dass Gunter Gebauer die Freie Universität verlässt, denn der Vortrag ist gleichzeitig die Grundlage für eine neue Publikation. „Jetzt beginnt die Zeit des Schreibens“, sagt der Philosophie-Professor voller Vorfreude. In einem knapp 15 Quadratmeter großen Büro im Philosophischen Institut, das der Emeritus seit einem Jahr mit einem Kollegen teilt, wird er auch weiterhin Sprechstunden für Studierende anbieten. Während andere Pensionäre froh wären, sich endlich ihren Hobbies widmen zu können, sagt Gebauer: „Meine Arbeit ist mein Hobby.“

Vom Leistungssportler zum Hochschullehrer

Die Biografie des Kielers entspricht nicht unbedingt der üblichen eines Professors: Vor seiner akademischen Karriere war Gebauer Leistungssportler – Leichtathletik, Weitsprung. Mit 22 Jahren kam er nach Berlin und studierte an der Freien Universität und der Technischen Universität Literaturwissenschaft, Linguistik und Sportwissenschaft, bevor er 1969 im Fach Philosophie mit einer Arbeit über die Sprachtheorie Wittgensteins promoviert wurde. Anschließend führte ihn sein Weg nach Karlsruhe, wo er sich als Assistent des dortigen Professors Hans Lenk, ehemaliger Olympiasieger im Rudern, mit einer Arbeit über eine analytische Theorie des Verstehens habilitierte. „Gunter war sehr originell, eigenständig und motiviert“, sagt der inzwischen 78-jährige Lenk. „Es war ein Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, in dem der Lehrer auch noch etwas vom Schüler lernt.“

Sport und Philosophie verknüpft

Gunter Gebauer war einer der ersten Wissenschaftler, der Philosophie und Sport verknüpfte. Bereits 1972 verfasste er eine Publikation zum Thema „Leistung als Aktion und Präsentation". In Philosophenkreisen sei er wegen seiner Reflexionen über den Sport ein wenig belächelt worden. Seiner wissenschaftlichen Reputation tat das keinen Abbruch. Dennoch wartete er drei Jahre auf einen Lehrstuhl: „Ich hatte keine Chance und habe schon überlegt, etwas anderes zu machen.“ Doch 1978 kam schließlich der Ruf aus Dahlem, die Freie Universität bot ihm eine Professur am Sportinstitut an, zwölf Jahre später folgte die lang ersehnte Berufung an das Institut für Philosophie.

Inzwischen hat das gesellschaftliche Interesse am Sport derart zugenommen, dass Gebauer ein von den Medien ausgesprochen gefragter Ansprechpartner ist. 2006 veröffentlichte er das Buch „Poetik des Fußballs“, und bei ZEIT-online hat der Wissenschaftler seit Februar dieses Jahres seinen eigenen Blog. Fußball und die Rolle des Sports in der Gesellschaft sind auch weiter Themen seiner philosophischen Arbeiten, denn im Stadion zeigten sich wie in einem Brennspiegel große, existentielle Fragen: „Die Identität des Einzelnen, sein Selbstgefühl einerseits sowie Zugehörigkeitsgefühle und kollektive Emotionen andererseits hängen zusammen", sagt der Philosoph mit Blick auf die Fankurve.

Vermittlung von Spitzenforschung

Ein Wechsel in einen anderen Berufszweig kommt für ihn längst nicht mehr infrage: „Es gibt nichts Besseres, als Hochschullehrer zu sein“, sagt er. Besonders schätze er, dem Lesen und Schreiben auf hohem Niveau zu frönen, die Freiheit, sich mit neuartigen Themen zu befassen und vor allem die Arbeit mit den Studierenden. Seit 1978, als Gebauer an die Freie Universität kam, hat sich die Hochschule in Dahlem stark verändert. Mittlerweile ist sie als eine von elf deutschen Exzellenz-Universitäten etabliert. „Darüber, dass ich hierzu einen Beitrag leisten konnte, bin ich sehr froh“, sagt er.

Gebauer ist einer der Hauptantragsteller des Exzellenzclusters Languages of Emotion gewesen. Wie sehr er hinter dessen Programm einer interdisziplinär ausgerichteten Emotionsforschung stand, zeigte die Ringvorlesung „Languages of Emotion: Sprache, Kultur, Gesellschaft“, die er im Wintersemester 2011/12 in der Reihe Offener Hörsaal nicht nur für eine akademische Öffentlichkeit initiiert und koordiniert hat. Als Philosoph, Autor und nicht zuletzt begeisterter Hochschullehrer ist ihm derartige Vermittlung von Spitzenforschung wichtig.

Weitere Informationen

Abschiedsvorlesung „Entwurf einer Theorie der Fiktion. In Literatur und Philosophie“

  • Donnerstag, 11. Juli 2013, 18 Uhr
  • Rostlaube, Hörsaal 1b, Habelschwerdter Allee 45 (U-Bhf. Thielplatz, U 3)

Die Vorträge der Ringvorlesung „Languages of Emotion: Sprache, Kultur, Gesellschaft“, unter anderem auch Gunter Gebauers Vortrag zu „Kollektive Emotionen und Glauben“, sind als Video-Podcast verfügbar.

„Sprachen der Emotion" erscheint im Januar 2014 im Campus Verlag