„Unvergessen die Begeisterung, mit der sie bis heute lehrt“

Karin Alt, Professorin im Ruhestand am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, feiert an diesem Dienstag ihren 85. Geburtstag

07.05.2013

Feiert an diesem Dienstag ihren 85. Geburtstag: Karin Alt, Professorin im Ruhestand am Institut für Griechische und Lateinische Philologie
Feiert an diesem Dienstag ihren 85. Geburtstag: Karin Alt, Professorin im Ruhestand am Institut für Griechische und Lateinische Philologie Bildquelle: Jan Hambura

Wie viele Studierende und Wissenschaftler der Freien Universität sie mit ihrer Leidenschaft für griechischen Tragödien anstecken konnte, lässt sich nur erahnen: Seit 1958 lehrt und forscht Professorin Karin Alt am Institut für Griechische und Lateinische Philologie. Auch heute noch – mit 85 Jahren und längst im Ruhestand – leitet sie jüngere Kolleginnen und Kollegen an, sich mit der philosophischen und religiösen Tradition der Antike zu beschäftigen. Anlässlich des Geburtstags der Altphilologin erinnert sich Elke Steinmeyer, eine ihrer ehemaligen Studentinnen.

„Als ich mich zum Wintersemester 1981/82 an der Freien Universität immatrikulierte, suchte ich in dem hellblauen, damals noch gedruckten und käuflich zu erwerbenden Vorlesungsverzeichnis nach den Angeboten in Klassischer Philologie. Die erste Veranstaltung, die mir gleich ins Auge fiel, war eine Vorlesung mit Übung zu Aischylos, unterrichtet von Alt, jeweils Dienstag und Donnerstag von 9-11 c.t. Der Name Aischylos sagte mir schon etwas, der Name Alt noch nicht.

Mir war sofort klar, dass ich diese Veranstaltung besuchen würde. So ging ich an meinem zweiten Tag an der Uni in den Kleinen Übungsraum in der Ehrenbergstraße und setzte mich vorne rechts hin. Vorne rechts sollte mein Stammplatz werden, und dass sich hinter Alt eine Frau Professor verbarg, hatte ich inzwischen herausgefunden. Dieser fiel auch gleich das neue Gesicht unter den Studenten auf. Sie begrüßte mich, fragte, von welcher Schule ich käme und was ich schon an griechischer Tragödie gelesen hätte.

Ihre freundliche, warme Art nahm mir die Scheu als Erstsemester. Wir haben viele Tragödien von Aischylos in diesem Semester gelesen , Perser, Hiketiden, Orestie, und ich besitze immer noch meine Mitschriften von dieser Vorlesung. Von da an besuchte ich fast alle Veranstaltungen, die Frau Alt während meiner Studienzeit anbot.

Wir waren inzwischen eine kleine Gruppe geworden, und ich erinnere mich immer noch an die lebhaften Diskussionen im Proseminar zu Euripides‘ Alkestis, die wir während des Mensaessens in der Van’t-Hoff-Straße fortsetzten.

Frau Alt liebte es auch, ungewöhnliche Autoren neben ihren beiden Hauptgebieten Tragödie und Platon anzubieten. Ein ewiges Highlight war Apollodor mit seinen teils sehr kuriosen Beschreibungen von Mythen, Monstern und mehr. Und ihre Übung zur Rezeption von Euripides‘ Iphigenie in Aulis legte wohl den Grundstein für mein Interesse an meinem jetzigen Forschungsgebiet Reception Studies.

Frau Alt legte Wert auf Pünktlichkeit, gute Vorbereitung und gründliche Textarbeit. Daneben war sie immer sehr großzügig: Wenn nach einem Gastvortrag die Dozenten mit dem Gast essen gingen, lud sie uns auf ihre Kosten ein, mitzukommen und mit dem Gast zu reden.

Das alles ist schon 30 (unfassbar!) Jahre her, und ich habe erst im Laufe meiner eigenen Lehrtätigkeit gemerkt, wie sehr mich Frau Alts Lehre, ihre Ansichten und Arbeitsweise, geprägt haben. All diese Werte versuche ich, an die nächste Generation weiterzugeben.

Unvergessen aber ist die Begeisterung, mit der Frau Alt bis heute lehrt: die strahlenden Augen, das leuchtende Gesicht, der Funken, der auf uns übersprang und uns mit derselben Begeisterung entflammte wie sie. Wenn etwas bleibt, dann ist es auch die Erinnerung an den passionierten Blick aus ihren grau-grünen Augen.“