Freie Universität Berlin


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Dank und Anerkennung

Im Porträt: Professorin Ute Luig und Professor Sebastian Neumeister

01.02.2011

Die Freie Universität verabschiedet ihre Professorinnen und Professoren
Die Freie Universität verabschiedet ihre Professorinnen und Professoren Bildquelle: David Ausserhofer
Professorin Ute Luig
Professorin Ute Luig Bildquelle: Privat
Professor Neumeister
Professor Sebastian Neumeister Bildquelle: Privat

Zwischen dem Ruf an die Freie Universität und schließlich der Emeritierung oder Pensionierung verläuft ein ganzes Wissenschaftlerleben. Wer als Professorin oder Professor vor der Verabschiedung steht, hat meist viele Jahre an der Freien Universität verbracht, hat Spuren in Forschung und Lehre hinterlassen, Generationen von Studierenden ausgebildet und begleitet, wissenschaftliche und freundschaftliche Verbindungen zu Mitarbeitern und Kollegen geknüpft. In dieser Serie stellen wir Wissenschaftler aus Anlass ihrer Emeritierung oder Pensionierung vor. Heute:

Ute Luig, Professorin für Ethnologie, studierte von 1964 bis 1972 an den Universitäten Köln, Freiburg und der Makerere Universität in Kampala/Uganda Ethnologie, Soziologie, Geografie und Germanistik. Nach ihrer Promotion 1972 arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Soziologie und Ethnologie in Heidelberg, anschließend an der Universität Mainz, wo sie sich 1987 habilitierte.

1990 kam Luig an die Freie Universität, wo sie 2006 Dekanin des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften wurde. „Als ich an der Freien Universität anfing, nahmen die Diskussionen um die Neugestaltung der Berliner Universitäten großen Raum ein“, sagt Luig. „Es war eine Zeit des Aufbruchs, die gleichermaßen von Krisenszenarien wie von großer Kreativität geprägt war. Durch die Zusammenlegung oder Abschaffung ganzer Fächer mussten sich die jeweiligen Fachgebiete neu erfinden und für die kleinen Fächer, zu denen die Ethnologie gehörte, ging es dabei auch ums Überleben.“

Vielfalt Afrikas erforschen

Geprägt von einem zweijährigen Aufenthalt an der Makerere Universität in Uganda – als Studentin und als Forscherin – hatte Luig immer den Wunsch, möglichst viel von der Vielfalt Afrikas zu erforschen. So führten sie eigene Feldforschungen und Exkursionen mit Studierenden von Ostafrika nach West- und Zentralafrika. „Die 1960er und frühen 1970er Jahre waren in Afrika eine Zeit des Aufbruchs. Nach dem Ende der Kolonialzeit galt es, eigene Wege zu gehen, gesellschaftliche und kulturelle Orientierungen zu vermitteln, Abhängigkeiten abzubauen und den Aufbau lebensfähiger Staatswesen voranzutreiben. Diesen Prozess aktiv erleben zu dürfen, habe ich immer als großes Privileg empfunden“, erzählt die Ethnologin.

1998 erhielt Luig für die „Förderung von Gender Studies in kurdologischer Forschung und Lehre“ den Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universität. 2005 wurde ihr der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande verliehen. Neben ihren Lehr- und Forschungsaufgaben war Luig lange Zeit Mitherausgeberin verschiedener Zeitschriften.

Auch nach ihrer Emeritierung wird Ute Luig der Freien Universität erhalten bleiben: „Ein Leben ohne aktive intellektuelle Auseinandersetzung kann ich mir nicht vorstellen. Ich werde daher in den beiden Exzellenzclustern der Freien Universität „Topoi“ und „Languages of Emotions“ aktiv bleiben; auch dank der Bereitschaft meiner Kolleginnen und Kollegen, mich weiterhin zu integrieren.“

Sebastian Neumeister, Professor für Literaturwissenschaft am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität, studierte Romanistik und Germanistik in Heidelberg, Münster, Gießen und Konstanz. „Als die Universität Konstanz vor 40 Jahren gegründet wurde, war ich dabei. Ich war der erste eingeschriebene Doktor und der dritte eingeschriebene Student“, erzählt Neumeister. Nach seiner Promotion 1966 war er an der Universität des Saarlandes zunächst als wissenschaftlicher Assistent und später als Assistenzprofessor tätig, 1974 habilitierte er sich dort.

An die Freie Universität kam der Literaturwissenschaftler nach einer Zwischenstation an der Universität Siegen 1980 und blickt somit heute auf dreißig Jahre an der Hochschule zurück. Trotz seiner Emeritierung im Jahr 2005 bietet er weiterhin Seminare und Vorlesungen an und engagiert sich mit Freude für die Studierenden. In seinen über drei Jahrzehnten Lehrtätigkeit hat Neumeister einige Veränderungen miterlebt. „Früher war die Freiheit des Studierens größer. Die Studierenden waren nicht so eingeengt durch Punktesysteme und Credits“, sagt Neumeister.

Er selbst interessierte sich stets für den gesamten Bereich der romanischen Sprachen und hat das breitgefächerte Angebot während seines Studiums gerne genutzt. Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch spricht er fließend, hinzu kommen  Lesekenntnisse in Katalanisch und Portugiesisch.

Dante, Gracián und Leopardi

Seine Zeit an der Freien Universität ist gekennzeichnet durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur der Romania, durch die Teilnahme an einer Vielzahl von Kongressen und Kolloquien im In- und Ausland. Außerdem durch eine Reihe von Veranstaltungen zu Dichtern und Schriftstellern wie Dante, Gracián und Leopardi, die er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und mit wissenschaftlichen Institutionen organisierte. Erst im vergangenen Jahr erschien eine kritische Ausgabe von Werken des spanischen Dichters Pedro Calderón de la Barca, die Neumeister gemeinsam mit einer studentischen Forschungsgruppe erarbeitete.

Seit 1993 ist Neumeister Präsident der Deutschen Leopardi-Gesellschaft e.V., die sich mit dem Leben und dem Werk Giacomo Leopardis befasst – dem Goethe Italiens. Außerhalb Italiens ist die Gesellschaft die einzige ihrer Art. Seiner Leidenschaft, der italienischen Literatur, widmet sich Sebastian Neumeister wieder in einer Vorlesung im kommenden Sommersemester.