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Keine Fremdsprache: Wie sich Affen untereinander verständigen

Katja Liebal ist neu berufene Juniorprofessorin am Institut für Psychologie der Freien Universität

05.10.2009

Der Schein trügt: Affen sind keine Schmusetiere. Katja Liebal transportiert einen Affen ins Gehege.
Der Schein trügt: Affen sind keine Schmusetiere. Katja Liebal transportiert einen Affen ins Gehege. Bildquelle: Katie Slocombe

Was macht den Menschen zum Menschen? Diese weitreichende Frage beschäftigt die neu berufene Juniorprofessorin Katja Liebal an ihrer neuen Arbeitsstätte: Die 33-Jährige forscht seit dem Sommersemester am Institut für Psychologie und am Exzellenz-Cluster „Languages of Emotion“ an der Freien Universität Berlin. Katja Liebal hat Menschenaffen dabei beobachtet, wie sie miteinander in Kontakt treten und über Gesten Informationen austauschen. Die Ergebnisse zeigen: Die Grenze zwischen Mensch und Affe ist fließender als gedacht.

Früher nahm die Wissenschaft an, dass allein Menschen komplexe Sprachen erlernen können. Doch dann haben neuere Forschungen gezeigt, dass auch Affen fähig sind, grundlegende Informationen über ein System von Zeichen auszutauschen – zwar nicht über das Medium des gesprochenen Wortes, dafür aber über Gebärden und Gesten. Dies ermöglicht den Tieren, einfache kommunikative Handlungen durchzuführen.

Katja Liebal hat sich in ihren Studien, bei denen sie Affen im Zoo und in freier Wildbahn beobachtet hat, auf diese Formen der Kommunikation konzentriert und sich die Frage gestellt, welche manuellen Bewegungen Menschenaffen mit den Händen ausüben müssen, welche Körperpositionen und Gesichtsausdrücke sie benutzen, um Kontakt miteinander aufzunehmen.

„Es ist ein sehr langer Prozess, bis man überhaupt sieht, welche Kommunikationsfunktionen die einzelnen Gesten besitzen. Es dauert mindestens 100 Beobachtungsstunden, bis man nachvollziehen kann, was da zwischen den Affen wirklich passiert“, sagt die 33-jährige Wissenschaftlerin. Nach dieser intensiven Zeit der Orientierung und Eingewöhnung könne man aber erkennen, dass Affen ihre Gesten in der Gruppe bewusst einsetzten, um das Verhalten anderer Tiere zu beeinflussen. Die Spanne sei hierbei sehr breit und würde von Spielaufforderungen bis zum Ausdruck von Wut und Frustration reichen. „Überraschend ist aber vor allem die Flexibilität: Affen können neue Gesten erfinden. Diese bauen sie in das Repertoire ihrer Gruppe ein. Die Mehrzahl der Gesten ist zudem nicht starr an einen bestimmten Kontext gebunden. Die Bedeutungen sind vielmehr variabel und kontextabhängig.“

Gemeinsame Sprachen finden

Katja Liebal geht von einem vergleichenden, entwicklungspsychologischen Ansatz aus, ursprünglich hat sie Biologie in Leipzig studiert. 2001 machte sie dort ihr Diplom und wechselte dann ans Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (Abteilung für Vergleichende und Entwicklungspsychologie), wo sie 2005 promovierte. Im gleichen Jahr wechselte Katja Liebal nach England: Dort ging sie an die University of Portsmouth, um am dortigen Fachbereich Psychologie zu lehren.

An der Freien Universität Berlin arbeitet Katja Liebal seit dem Sommersemester 2009 am Exzellenz-Cluster „Languages of Emotion“, was sie als große Herausforderung empfindet. „Thematisch bin ich hier in Berlin viel besser eingebunden als in England. Im Cluster stehen viele Disziplinen miteinander in Kontakt. Es ist sehr spannend, mit Ethnologen, Literaturwissenschaftlern, Soziologen und anderen Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen zu arbeiten und eine gemeinsame Sprache zu finden.“ In Zukunft will sich Katja Liebal noch stärker mit vergleichenden Ansätzen beschäftigen und herausfinden, wann Gesichtsausdrücke von Menschenaffen Ausdruck von Emotionen sind und in welcher Form sich deren Gesten von menschlichen unterscheiden.