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Der Vielseitige

Remigius Bunia ist Juniorprofessor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität

07.08.2009

Remigius Bunia beschäftigt sich als Juniorprofessur am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität unter anderem mit dem Einfluss des Einbruchs der Realität in die Fiktion
Remigius Bunia beschäftigt sich als Juniorprofessur am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität unter anderem mit dem Einfluss des Einbruchs der Realität in die Fiktion Bildquelle: Freie Universität

Er kennt sich mit Walter Moers so gut aus wie mit Novalis, und er ist in der Fiktionstheorie ebenso zu Hause wie im Lektürekurs: Remigius Bunia ist seit Anfang des Jahres Juniorprofessor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität und an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.

Sich nur auf eines festzulegen, das mochte Remigius Bunia offenbar schon während seines Studiums nicht: So studierte er nicht nur Literaturwissenschaften, sondern auch Mathematik – in Bonn und an der Pariser Sorbonne. Nach beiden Abschlüssen – einem Diplom in Mathematik und einem Magister in Literaturwissenschaften – ging Bunia nach Siegen, wo er in nur drei Jahren über Faltungen promovierte; jene „regelkonformen Regelverletzungen“, die die Phänomene Fiktion, Erzählen und Medien strukturieren und laut Bunia eine allgemeingültige Theorie künstlerischer wie nichtkünstlerischer Darstellung unmöglich machen.

Der entscheidende Qualitätsunterschied

Seit jeher interessiert den Juniorprofessor die Frage nach dem Verhältnis von sinnlicher Wahrnehmung und deren Darstellung in der Kunst – vor allem in der Sprachkunst. Hierfür  analysiert der Wissenschaftler Texte von der Romantik bis zur Gegenwart. „Eine Kernfrage ist: Wie stark ist die Grenze zwischen mittelbarer und unmittelbarer Erfahrung, und worin besteht der Qualitätsunterschied?“, sagt er. Eine Frage, auf die nicht nur Künstler, sondern auch Wissenschaftler seit langem Antwort suchen. In jüngster Zeit leisteten die Kognitionswissenschaften wichtige Beiträge zur Rolle von Gehirn und Psyche bei der Unterscheidung. Doch Remigius Bunia möchte bei der Antwort auf diese genuin kunstwissenschaftliche Frage nicht allein von den Kognitionswissenschaften abhängen und sucht nach eigenen, geisteswissenschaftlichen Lösungen.

Vom Einfluss der Fiktion auf die Wirklichkeit

Remigius Bunias zweites großes Arbeitsfeld ist die Fiktionstheorie. Als Gründer und Sprecher eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Netzwerks zur Weiterentwicklung der Theorie beschäftigt er sich hier vor allem mit dem Einbruch der Realität in die Fiktion, der in den letzten zehn Jahren immer stärker in den Fokus des Interesses gerückt ist. „Fiktionale Texte hatten aber schon immer großen Einfluss auf die Wirklichkeit. Die Theorie hat das bisher gern verleugnet“, sagt Bunia. Das Netzwerk soll sich daher vor allem auf die geschichtliche Perspektive konzentrieren und den subtilen Wechselwirkungen zwischen Fiktion und Realität mehr Aufmerksamkeit schenken. Zum 1. April hat es seine Arbeit aufgenommen.

Neben der literaturtheoretischen Arbeit und der Doktoranden-Betreuung an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule genießt Bunia momentan den ganz realen und handfesten Kontakt mit den Studierenden: Im laufenden Sommersemester bietet er einen Lektürekurs zu William Shakespeare an. „Ganz bodenständig“, wie er betont.