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Patente Promovierende

Im Seminar „DRS ProGründung“ entwickeln Doktorandinnen und Doktoranden eigene Geschäftsideen

28.04.2015

Ideen entwickeln und weiterverfolgen sind Ziele des Seminars „DRS ProGründung“. Zu den Referenten im ersten Durchgang zählte Frederik Kraft vom Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship an der Universität Potsdam.
Ideen entwickeln und weiterverfolgen sind Ziele des Seminars „DRS ProGründung“. Zu den Referenten im ersten Durchgang zählte Frederik Kraft vom Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship an der Universität Potsdam. Bildquelle: Britt Perlick
Die Informatiker Norman Dziengel, Martin Seiffert und Marco Ziegert (von links) entwickeln mit „PostureGuide“ ein mit Sensoren ausgestattetes T-Shirt, das Haltungsschäden vorbeugen soll.
Die Informatiker Norman Dziengel, Martin Seiffert und Marco Ziegert (von links) entwickeln mit „PostureGuide“ ein mit Sensoren ausgestattetes T-Shirt, das Haltungsschäden vorbeugen soll. Bildquelle: Nora Lessing
Die Veterinärmedizinerin Sonja Heinrich forscht in heißen Gefilden zu Geparden und hat parallel ihre Leidenschaft für Eis entdeckt.
Die Veterinärmedizinerin Sonja Heinrich forscht in heißen Gefilden zu Geparden und hat parallel ihre Leidenschaft für Eis entdeckt. Bildquelle: Nora Lessing

Selbstgemachtes Bio-Eis oder T-Shirts für eine bessere Körperhaltung – an Ideen mangelte es den Mitgliedern der Dahlem Research School (DRS) nicht. Zusammen mit der DRS, die das Dach für alle Doktorandenprogramme der Freien Universität bildet, bot die Gründungsförderung profund zum ersten Mal einen dreimonatigen Kurs zu Unternehmensgründungen an. Die in vier kompakten Workshops entwickelten Ideen und Geschäftsmodelle präsentierten die Teilnehmer bei der Abschlussveranstaltung des Seminars in der Dahlemer Gründervilla.

Seit mehreren Jahren schon arbeiten die drei Informatiker an der Entwicklung einer Technologie zur drahtlosen verteilten Bewertung von Ereignissen und Bewegungen. Nun wollen sie ihre Technologie in ein mit Sensoren ausgestattetes T-Shirt übertragen. Das T-Shirt soll die Bewegungen des Trägers nicht nur registrieren und analysieren, sondern auch Warnsignale aussenden, wenn eine potenziell schädliche Haltung eingenommen wird.

Die Idee zu „PostureGuide“ hatte Norman Dziengel, als er einen Verwandten im Pflegeheim besuchte. „Mir fiel auf, dass das Personal vor Ort körperlich sehr stark beansprucht wird.“ Dziengel und seine Mitstreiter recherchierten und stießen auf eine alarmierende Zahl: Demnach sollen Pflegekräfte mehr als ein Viertel ihrer Arbeitszeit in potenziell schädlichen Haltungen verbringen – und leiden in der Folge an berufsbedingten Erkrankungen des Rückens. „Nicht nur der persönliche, sondern auch der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm“, sagt Dziengel.

Die Anmeldung zum Patent läuft

Ein Patent haben die Informatiker bereits in Zusammenarbeit mit dem Patent- und Lizenzservice der Freien Universität angemeldet. Die Technologie entwickelte das Team gemeinsam mit dem Informatik-Professor Jochen Schiller in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Projekt „Validierung des Innovationpotentials verteilter Ereigniserkennung in drahtlosen Sensornetzen“. „Das Seminar hat uns geholfen, ein Geschäftsmodell und eine erste Finanzskizze auszuarbeiten und für Präsentationen zu trainieren“, sagt Dziengel.

Sonja Heinrich hatte eine zündende Gründungsidee, nachdem ihr eine Freundin eine Eismaschine geschenkt hatte: „Zuerst habe ich Rezepte aus einem Kochbuch ausprobiert, dann aber bald experimentiert. Inzwischen habe ich eine ganze Reihe von Sorten entwickelt“, sagt die Wissenschaftlerin, die im Fach Veterinärmedizin promoviert und in Namibia das Immunsystem von Geparden erforscht.

Geparden oder Gefrorenes für Naschkatzen?

Bislang testet sie ihre Kreationen ausschließlich im Bekanntenkreis: „Wenn eine Sorte ständig alle ist, weiß ich, dass ich etwas richtig gemacht habe“, sagt sie und lacht. Ihr hochwertiges Bio-Eis stellt die Hobby-Köchin aus saisonalem Obst und frischen Zutaten aus der Region her. Ob sie ihr Geld später wirklich mit Eis verdienen oder nach der Promotion bei der Tiermedizin bleiben will, hat Sonja Heinrich für sich noch nicht entschieden.

„Wir erwarten nicht, dass hundert Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Seminar ein Unternehmen gründen“, sagt Martina van de Sand, Leiterin der Dahlem Research School. „Viele Doktorandinnen und Doktoranden sehen Entrepreneurship zunächst als Karriereoption, aus der sich später etwas entwickeln kann. Gleichzeitig erlernen sie Methoden, die sie auch als Führungskräfte in Wissenschaft und Wirtschaft anwenden können.“ Deshalb wird das Seminar nach dem gelungenen Pilotversuch künftig jedes Wintersemester angeboten.

Chancen auf Preisgeld bei der „Research to Market Challenge“

Elf Teams des ersten Durchgangs haben ihr Ideenpapier parallel auch zur „Research to Market Challenge“ eingereicht. Der Wettbewerb für forschungsbasierte Geschäftsideen wird jährlich an der Freien Universität und der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgerichtet und ist mit Preisgeldern von insgesamt 12.000 Euro dotiert. Das Team von Norman Dziengel wurde von der Jury bereits unter die zehn Finalisten gewählt. Ob sie auch unter den Preisträgern sein werden, erfahren die angehenden Gründer morgen bei der feierlichen Preisverleihung im Weiterbildungszentrum der Freien Universität.

Weitere Informationen

Beste Ideen der „Research to Market Challenge 2015" 

  • Der Ideenwettbewerb für forschungsbasierte Geschäftsideen wird jährlich gemeinsam von der Freien Universität und der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgerichtet.
  • Die Preisverleihung des zweiten Durchgangs findet morgen, 29. April 2015, um 18.00 Uhr im Weiterbildungszentrum der Freien Universität Berlin, Otto-von-Simson-Str. 13, 14195 Berlin, statt.
  • Details und Ansprechpartner