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Vom „Staatsatelier“ zum offenen Ausstellungshaus

Kooperation zwischen dem Kunsthaus Dahlem und der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ / Öffentlicher Vortrag am 29. April

25.04.2015

Dorothea Schöne (links) und Meike Hoffmann in dem ehemaligen Atelier des Bildhauers Arno Breker.
Dorothea Schöne (links) und Meike Hoffmann in dem ehemaligen Atelier des Bildhauers Arno Breker. Bildquelle: Annika Middeldorf
Fast 400 Quadratmeter Fläche stehen im Kunsthaus Dahlem für Austellungen zur Verfügung. Hier ein Bild des Hauses vor der Restauration.
Fast 400 Quadratmeter Fläche stehen im Kunsthaus Dahlem für Austellungen zur Verfügung. Hier ein Bild des Hauses vor der Restauration. Bildquelle: Dorothea Schöne

Er stand auf der Liste der „unersetzlichen Künstler“ und galt dem NS-Regime als „Gottbegnadeter“: Der Bildhauer und Architekt Arno Breker zählte zu Hitlers Lieblingskünstlern. Sein einstiges „Staatsatelier“ am Grunewald in Berlin-Dahlem wird derzeit zu einem Ausstellungshaus umgebaut. Vor der Eröffnung am 12. Juni findet eine Reihe von Veranstaltungen statt, an denen auch die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ vom Kunsthistorischen Institut der Freien Universität beteiligt ist.

Hier sollten regimekonforme Maler, Architekten, Filmemacher und Bildhauer leben und arbeiten: 20 große „Staatsateliers“ wollte Adolf Hitler am Käuzchensteig in Berlin-Dahlem errichten lassen. Aber nur das Atelier von Arno Breker wurde 1942 fertiggestellt. Schon kurze Zeit später war das Gebäude wegen zunehmender Bombardierung nicht mehr nutzbar.

Seit einigen Monaten wird das Gebäude renoviert und in seinen ursprünglichen Zustand zurückgebaut. In dem Atelier, dessen Wände beeindruckende neun Meter hoch sind, wird ab Juni vor allem Kunst der Nachkriegsmoderne gezeigt. „Von Brekers Kunst ist hier nichts mehr zu sehen“, sagt Dorothea Schöne, Geschäftsführerin und Künstlerische Leiterin des Kunsthauses. Die sensible Vergangenheit des Hauses spielt aber gerade bei der Eröffnung eine wichtige Rolle. Dafür hat Schöne sich Unterstützung geholt: Die promovierte Kunsthistorikerin Meike Hoffmann von der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ soll bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Kunstpolitik und deren Folgen helfen. „Es gibt dafür keine geeignetere Institution als die Forschungsstelle für ‚Entartete Kunst‘“, sagt Schöne.

Offener und wissenschaftlicher Umgang mit NS-Kunst

Wie einzelne Künstler zur Ideologie des NS-Regimes standen, spiele bei der Aufarbeitung eine wesentliche Rolle, sagt Meike Hoffmann. Dass von den Nazis geächtete Künstler dem Regime kritisch gegenübergestanden hätten und geförderte Künstler gleich Sympathisanten der NS-Ideologie gewesen seien, greife oft zu kurz. „Bei vielen Künstlern ist gar nicht klar, wie sie zum Nationalsozialismus standen, weil entsprechende Quellen fehlen oder nicht öffentlich zugänglich sind. Um Kunstwerke aus der NS-Zeit neu zu bewerten und die Kunstgeschichte insgesamt objektiver schreiben zu können, müssen wir weiter forschen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die erste öffentliche Veranstaltung im Kunsthaus Dahlem ist für Dorothea Schöne auch ein inhaltliches Bekenntnis: „Arno Breker – Dekorateur der Macht und Sündenbock der Deutschen?“ heißt der Vortrag des Kunsthistorikers und Kurators Eckart Gillen am 29. April. „An diesem Abend soll so wissenschaftlich und so offen wie möglich über Breker als Stellvertreter für eine ganze Gruppe regimetreuer Künstler gesprochen und diskutiert werden“, sagt Schöne.

Weitere Zusammenarbeit der Freien Universität mit dem Kunsthaus Dahlem

Das Kunsthaus Dahlem ist in diesem Jahr außerdem erstmals im Gasthörer-Programm der Freien Universität vertreten, etwa mit Führungen, die Interessierten die Geschichte des Atelierhauses noch vor dem offiziellen Eröffnungstermin näher bringt. Außerdem wird die Skulptur „Kore“ des Bildhauers Karl Hartung, die auf der Grünfläche vor der vegetarischen Mensa in der Van’t-Hoff-Straße steht, an das Kunsthaus ausgeliehen. Während der Zeit der Leihgabe wird die kuratorische Initiative „Neue Berliner Räume“ den leeren Sockel mit Kunstobjekten bespielen.

Weitere Informationen

„Arno Breker – Dekorateur der Macht und Sündenbock der Deutschen?“

Vortrag des Kurators und Kunsthistorikers Eckart Gillen in Kooperation mit der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin

  • Zeit: Mittwoch, 29. April 2015, 19.00 Uhr
  • Ort: Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 8, 14195 Berlin
  • Der Eintritt ist frei