Freie Universität Berlin


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Die Welt ins Gleichgewicht bringen

1400 Zehn- bis Dreizehnjährige kamen zur SchülerUni „Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ an die Freie Universität

23.03.2015

Beim Kreativworkshop „Vorfahren – Aus was besteht ein Auto?“ wurden Schülerinnen und Schüler zu Ingenieuren und lernten, woraus ein Auto besteht und wie es angetrieben wird.
Beim Kreativworkshop „Vorfahren – Aus was besteht ein Auto?“ wurden Schülerinnen und Schüler zu Ingenieuren und lernten, woraus ein Auto besteht und wie es angetrieben wird. Bildquelle: Annika Middeldorf

„Die Ressourcen, die wir heute weltweit nutzen, sind begrenzt und werden uns nicht ewig zur Verfügung stehen. Wie soll in Zukunft der Hunger nach Energie, Wasser und Nahrung gestillt werden, wenn es auf der Erde immer mehr Menschen gibt?“, fragt Karola Braun-Wanke vom Forschungszentrum für Umweltpolitik und schaut sich fragend im Hörsaal um. Die Antwort kommt prompt: „Wir könnten ins Weltall fliegen und einen Planeten finden, der genauso wie die Erde ist!“ An diesem Morgen sitzen nicht etwa Wissenschaftler oder Studenten, sondern Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse der Giesensdorfer Grundschule in Berlin-Steglitz im Hörsaal der Freien Universität. Sie gehören zu den rund 1400 zehn- bis 13-jährigen Teilnehmern, die zum Frühjahrsdurchgang der SchülerUni „Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ nach Dahlem gekommen sind.

Hier lernen sie, dass man nicht unbedingt neue Planeten entdecken muss, sondern auch verantwortungsbewusst mit den Rohstoffen der Erde wirtschaften kann. Karola Braun-Wanke leitet die SchülerUni und erklärt: „Nachhaltigkeit heißt, die Welt im Gleichgewicht zu halten und dass wir von der Erde nur so viel nehmen, wie wir wirklich benötigen. „Lernen für eine zukunftsfähige Welt“ ist das Motto der SchülerUni „Nachhaltigkeit + Klimaschutz“, bei der zwei Mal jährlich an fünf Tagen 70 Workshops und Mitmachaktionen, naturwissenschaftliche Experimente oder Kunst- und Theateraktionen angeboten werden.

Die Farben der Natur und Solarzellen aus Zahnpasta

Wie man aus Zwiebeln, Rotkohl oder Stockrosen prächtige Naturfarben mischen kann, lernen die Schüler in der Färberwerkstatt von Anna Maria Mintsi-Scholze und Isabella Smolin. Gleich gegenüber baut eine Schulklasse aus Früchtetee und Zahnpaste Solarzellen. In einem anderen Kurs erstellen Schüler Kurzfilme zum Thema „Wasser ist Leben“.

„Für die Schüler sind gerade diese Workshops, in denen sie selbst experimentieren können, wunderbar“, sagt Uwe Keller, Lehrer für Naturwissenschaften an der Giesensdorfer Grundschule, der seit Jahren mit seinen Klassen zur SchülerUni kommt. Wie sich nachhaltige Entwicklung im Unterricht praktisch vermitteln lässt, ist auch Gegenstand der Lehrerfortbildungen, die bei der SchülerUni in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft angeboten werden.

2006 fand an der Freien Universität die erste SchülerUni statt, die sich mit dem Thema Energie und Klima auseinandersetzte. Anlass war damals der 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Nachfrage war so groß, dass zunächst ein europäisches Projekt und schließlich die SchülerUni „Nachhaltigkeit + Klimaschutz“ daraus entstand. Auch in diesem Frühjahr übertrifft die Nachfrage die zur Verfügung stehende Plätze.

Die Plätze sind begehrt

Deshalb ist Ulrike Martin-Pack von der Zeppelin-Grundschule in Berlin-Spandau froh, mit ihrer Klasse noch einen Workshop ergattert zu haben. Jetzt schrauben die Sechstklässler an Akku-betriebenen Modellautos. „Vorfahren – Aus was besteht ein Auto?“ heißt der Kreativworkshop, der in Kooperation mit dem Junior Campus des Deutschen Technikmuseum stattfindet. Kinder werden dabei spielerisch an das Thema Mobilität und Energie herangeführt. „Ich finde es ganz wichtig, dass Kinder auch außerschulische Lernorte besuchen. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, die wir in den Schulen nicht haben“, sagt die Lehrerin.

Karola Braun-Wanke sieht genau hier das Potenzial der SchülerUni: „Wo einer Schule Platz oder Mittel fehlen, Projekte zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz umzusetzen, vermitteln wir Kontakte zu regionalen Projektpartnern, die darauf spezialisiert sind.“ Auch hier ist es eben wichtig, Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Weitere Informationen

Ausgezeichnetes Bildungsformat: Die SchülerUni der Freien Universität

Das Bildungsformat der SchülerUni wurde 2005 vom Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität entwickelt. Von der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ wurde es 2009/2010, 2011/2012 und 2013/14 als vorbildliches Projekt für „Nachhaltigkeit Lernen“ ausgezeichnet.

Seit 2012 ist die SchülerUni offizielles Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“. 2013 hat der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung die SchülerUni als innovatives Bildungsformat mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ ausgezeichnet.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der US-amerikanischen Botschaft, den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) und der GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft.

Die nächste SchülerUni findet vom 21. bis 25. September 2015 statt, die begleitende Lehrerfortbildung bereits am 7. September.

Anmeldungen sind vom 31. August an möglich.