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Wer bin ich, wenn ich tanze?

14. Dezember, 12 Uhr: Abschlussperformance „Research on: La nuit de la cérémonie“ von Valeska-Gert-Gastprofessor Koffi Kôkô und Studierenden

12.12.2014

„Der dritte Körper" ist die Abschlussperformance überschrieben, die der aus Benin stammende Tänzerchoreograf Koffi Kôkô mit Studierenden der Freien Universität entwickelt hat. Das Foto zeigt Kôkô bei der Probe zu „Mistral“, im Juli 2014.
„Der dritte Körper" ist die Abschlussperformance überschrieben, die der aus Benin stammende Tänzerchoreograf Koffi Kôkô mit Studierenden der Freien Universität entwickelt hat. Das Foto zeigt Kôkô bei der Probe zu „Mistral“, im Juli 2014. Bildquelle: Margarete Redl-von Peinen

Der aus Benin stammende Tänzer und Choreograf Koffi Kôkô ist in diesem Wintersemester Valeska-Gert-Gastprofessor für Tanz und Performance an der Freien Universität Berlin. Am kommenden Sonntag, 14. Dezember, zeigen er und Studierende in der Akademie der Künste, was sie in den vergangenen Wochen im Rahmen des Seminars erarbeitet haben. Koffi Kôkô lebt und arbeitet in Paris und Benin. Er hat auf der Basis seiner rituellen Initiation in die animistischen Kulte Westafrikas eine individuelle und zeitgenössische Bewegungssprache entwickelt, die er seit den 1980er Jahren in herausragenden Solo- und Gruppenchoreografien international präsentiert.

Koffi Kôkô thematisiert das Verstehen von Bewegung in der Kommunikation zwischen Choreograf und Tänzer. Es handelt sich um eine theoretische und praktische Interaktion, die sich mit den Erinnerungsebenen des Körpers auseinandersetzt. Es geht ihm um ein Bewusstsein des Körpers im Tanz: Wer bin ich, wenn ich tanze? Die konkrete physische Arbeit erforscht den Raum des eigenen physischen Körpers und den Raum, der den eigenen Körper umgibt. Die Dynamik zwischen Innen-Raum und Außen-Raum verdichtet sich bei Kôkô in der Möglichkeit der Repräsentation von Rollen oder Objekten.

Die Basis – und die Essenz – dieser tänzerischen Methode ist das Ritual, in dem die Rolle (Personage) das zentrale Thema ist: Wer ist der Tänzer, der tanzt? Die rituellen Traditionen der animistischen Religionen der westafrikanischen Völker Nago und Yoruba basieren auf diesem Konzept des Tanzes, in dem der Tänzer eine Energie oder eine Person verkörpert. In dieser Philosophie werden alle Energien der Natur beobachtet und ihre Kräfte oder Charaktere analysiert, um sie in der Gestensprache des Körpers zu repräsentieren.

Das Königreich von Dahomé (heute: Republik Benin) war vor der Kolonisierung durch die Europäer zu einer Hochkultur aufgestiegen, in der das Wissen wesentlich durch die Tradition der Verkörperung im Ritual überliefert wurde.

Verbindung von westafrikanischen Tänzen und modernem europäischem Tanz

Dennoch ist die tänzerische Methode von Koffi Kôkô zuerst eine ganz und gar zeitgenössische choreografische Arbeit, die nicht den modernen Tanz europäischer Tradition zum Ausgangspunkt hat, sondern die westafrikanischen Tänze und Rituale. „Für mich ist das kein Patchwork mehr“, sagt Kôkô. „Die zeitgenössische Kunst befindet sich in mir genauso wie der Animismus. Ich bin ein hoher Würdenträger in meiner Religion, aber ich bin auch zeitgenössischer Choreograf. Ich kann aus den verschiedenen Wissensräumen schöpfen und mich in den verschiedenen Kontexten frei bewegen. Mein Traum ist es, die Menschen mitzunehmen, um den Ursprung des Theaters zu ergründen, das Rituelle. Ich möchte mich so ausdrücken, wie ich es will. Ich möchte mich mit Jean Genet genauso beschäftigen wie mit irischer Musik, dem Flamenco oder der europäischen Philosophie. Ich bewege mich zwischen den Kontexten, bleibe immer aber bei der Entwicklung meiner Sprache.“

Die Einfachheit wird essentiell sein

Für Koffi Kôkô ist das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Spiritualität, in der das Verhältnis zur Welt aus der körperlichen Erfahrung heraus mitbestimmt wird. „Wie können wir uns dem einfachen Leben zuwenden?“, ist eine Frage, die Kôkô beschäftigt. „Die Einfachheit wird essentiell sein, um einen inneren und äußeren Frieden zu finden. Das wird ohne die Beschäftigung mit dem Körper nicht möglich sein. Der Körper, der in den großen Religionen aus der spirituellen Erkenntnis ausgeschlossen wurde, muss eine zentrale Rolle spielen. Wenn man sich die verschiedenen Zivilisationen anschaut, dann hat der Körper drei zentrale Funktionen: Der Körper ist die Basis unserer materiellen Existenz, ist der Speicher unserer Erinnerung und das spirituelle Medium der Veränderung.“

Weitere Informationen

Abschlussperformance „Research on 'La nuit de la cérémonie'“

  • 14.12.2014, 12 Uhr
  • Studiobühne der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Im Anschluss findet ein Gespräch mit Gabriele Brandstetter statt, Professorin für Theaterwissenschaft mit dem Schwerpunkt Tanzwissenschaft an der Freien Universität. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.


Die Valeska-Gert-Gastprofessur ist eine Kooperation der Freien Universität mit dem Deutschen Akademischen Austausch-Dienst und der Akademie der Künste. Sie wird jedes Semester mit einem Künstler oder einer Künstlerin aus dem Bereich von Tanz und Performance besetzt. Der Dialog zwischen Studierenden und Künstlern soll einen gegenseitigen Einblick in die jeweiligen Arbeitsweisen geben und Diskussionen über Unterschiede, aber auch Überschneidungen von künstlerischer Arbeit und wissenschaftlicher Forschung anregen.