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Mad Men oder Sopranos?

Frank Kelleter forscht zu US-amerikanischen TV-Serien / Vortrag am 26.11. im „Museum The Kennedys“ in Berlin-Mitte

25.11.2014

Frank Kelleter schaut gerne Serien – und wertet sie wissenschaftlich aus.
Frank Kelleter schaut gerne Serien – und wertet sie wissenschaftlich aus. Bildquelle: Pablo Castagnola/Einstein Stiftung

Es ist wie ein Virus. Einmal infiziert folgen schlaflose Nächte und emotionale Achterbahnfahrten. Die Angelegenheit ist ansteckend: US-amerikanische TV-Serien fesseln weltweit Millionen von Zuschauern. Frank Kelleter, Einstein-Professor für Nordamerikanische Kultur und Kulturgeschichte am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität, erforscht, warum uns Serien in ihren Bann ziehen und worin ihr Potenzial für gesellschaftliche Veränderungen liegt.

Für echte Fans sind sie wie gute Bekannte: Der elegante Werbefachmann Don Draper aus Mad Men, der Chemiker Walter White aus Breaking Bad oder Francis Underwood, der machtgierige Politiker in der Serie House of Cards. Aber warum schalten Millionen von Serienfans ein, wenn sich Don Draper die zigste Zigarette anzündet? „Ein Grund ist die Zuverlässigkeit der Serien. Das Format ist ein Versprechen nach Mehr“, sagt Frank Kelleter.

Beim seriellen Erzählen treffen wir auf die immer gleichen Charaktere – über einen längeren Zeitraum und immer zum gleichen Zeitpunkt. So wird jede Folge zum Ritual, wie es für viele Fernsehzuschauer in Deutschland der sonntägliche Tatort-Termin ist. Anderseits kann sich die Erzählung einer Serie in alle möglichen Richtungen entfalten – das macht sie spannend. Diese Widersprüchlichkeit zwischen medialer Zuverlässigkeit und inhaltlicher Spannung nennt Kelleter „verlässliche Aufregung“. Sie ist ein Merkmal aller Serien.

Mehr als ein gesellschaftliches Spiegelbild

Seit Jahren forscht Kelleter zu seriellen Erzählweisen, vom Feuilleton-Roman im 19. Jahrhundert bis zu Fernsehserien in den digitalen Medien. Dass Serien nur ein Spiegelbild einer Gesellschaft sind, möchte der Professor nicht gelten lassen: „Serien können kulturelle Akteure sein, die innerhalb der Gesellschaft etwas bewirken“, sagt er.

Wenn Serien Parallel-Welten schaffen, gewinnen die Zuschauer einen Eindruck davon, wie die Welt auch aussehen könnte. „Solche Fiktionen können die Gesellschaft verändern“, sagt der Forscher. Zumindest im Bezug auf politische Serien wie West Wing träfe das zu. Die Serie war ein Gegenentwurf zur amerikanischen Realpolitik unter George W. Bush und erfreute sich beim amerikanischen Publikum großer Beliebtheit.

Die Unmöglichkeit, zu enden

Problematisch wird es, wenn das Ende einer Serie nahe rückt. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine lang laufende Serie einen massenhaft befriedigenden Abschluss findet, ist gering, sagt Kelleter. „Das Serienformat ist so ausgelegt, dass die Geschichte immer weiter erzählt wird. Es gibt also selten strukturell überzeugende Enden.“

Das Dilemma, Serien gelungen abzuschließen, sei meist dann gut gelöst, wenn ein runder Abschluss selbstreflexiv inszeniert wird, etwa, indem alle Charaktere noch einmal auftreten. Der sogenannte „curtain call“, das Verbeugen aller Darsteller nach der Vorstellung, ist vor allem aus dem Theater bekannt. „Bei Serien wie Six Feet Under, die sich auf diese Weise verabschiedet haben, wurde das Ende gemeinhin gut aufgenommen“, sagt Kelleter, der für seine Forschung auch Online-Diskussionen über TV-Serien auswertet.

Begeistert zeigt sich Kelleter vor allem von der Serie Sopranos. In dem Klassiker der amerikanischen TV-Serien stand über acht Jahre lang das Leben einer Mafiafamilie in New Jersey im Mittelpunkt des Geschehens. Wer Frank Kelleters Vortrag am 26. November besucht, sei an dieser Stelle gewarnt: Besonders über das Serien-Ende der Sopranos wird ausführlich gesprochen werden. Für den Serien-Experten war das Ende der Sopranos „in mehrfacher Hinsicht schockierend“.

Weitere Informationen

Verlässliche Aufregung in amerikanischen TV-Serien

Vortrag und Diskussion von und mit Frank Kelleter

 Zeit und Ort

  • 26. November 2014, Beginn 19 Uhr, Einlass 18:30
  • Museum THE KENNEDYS, Auguststraße 11-13, 10117 Berlin-Mitte
  • Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter meeting@einsteinfoundation.de