Freie Universität Berlin


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Der radelnde Gastprofessor

Antrittsvorlesung des kolumbianischen Autors und Journalisten Héctor Abad am 21. Mai um 18 Uhr

20.05.2014

Der Schriftsteller und Journalist Héctor Abad ist in diesem Sommersemester Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin
Der Schriftsteller und Journalist Héctor Abad ist in diesem Sommersemester Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin Bildquelle: Daniela Abad

Der kolumbianische Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Héctor Abad Faciolince hat im laufenden Sommersemester die Samuel-Fischer-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität inne. Während seiner Schul- und Studienzeit lebte Héctor Abad in Mexiko, Kolumbien und Italien. Nach seiner Promotion in Turin kehrte er zunächst nach Kolumbien zurück. Nach der Ermordung seines Vaters durch Paramilitärs war er jedoch gezwungen ins Exil zu gehen, da er ebenfalls Morddrohungen erhielt. Heute lebt Abad wieder in seinem Heimatland in Medellín.

Die Literatur ist für Héctor Abad so etwas wie eine Religion - nur sei er kein sehr gläubiger Mensch, sagt er selbst. Schriftsteller zu sein bedeute für ihn, einen ständigen Kampf mit sich selbst zu führen. Im Laufe seiner Karriere habe er immer wieder den Glauben an die Literatur und sein Schreiben verloren, Schreibblockaden gehabt oder das verworfen, was er gerade geschrieben hatte. In seinem ersten Roman Basura machte Abad diesen inneren Kampf zum Plot und erzählt von einem Schriftsteller, der alles, was er schreibt, als wertlos empfindet und in den Müll wirft. Dort findet es sein Nachbar und liest es heimlich. „Basura war für mich eine Möglichkeit, meine eigenen Texte, von denen ich nicht wusste, ob sie wertvoll oder wertlos sind, den Lesern zu präsentieren und mich meinen Zweifeln zu stellen“, sagt Héctor Abad.

Der Nicht-Professor an der Universität

Schon als kleiner Junge wollte Héctor Abad Schriftsteller werden. Wissenschaftler hätte ihm auch gefallen, aber tatsächlich liege ihm die abstrakt-akademische Reflexion nicht besonders, sagt Abad. Außerdem hatte ihn die Universidad Pontificia Bolivariana in Medellín exmatrikuliert, nachdem er einen „respektlosen“ Artikel über den Papst veröffentlicht hatte. „Ich war sehr überrascht, als mir die Freie Universität diese Gastprofessur antrug“, sagt Abad, „denn ich bin in Wirklichkeit gar kein Professor.“ Sein Seminar „Gewalt und Literatur“ unterscheide sich deshalb auch von einem normalen Uni-Kurs: Es soll etwas zwischen Literaturclub und Schreibwerkstatt sein, indem sowohl Texte diskutiert als auch selbst geschrieben werden. Für die Studierenden eine erfrischende Erfahrung – neben der Begegnung mit einem der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Lateinamerikas.

„Soy el puñal y la herida“

In seiner Antrittsvorlesung am 21. Mai spricht Abad über die Beziehung zwischen Europa und Lateinamerika, ein Thema, das ihn wiederum nicht aus wissenschaftlicher Perspektive interessiert, sondern ganz persönlich. „Soy el puñal y la herida, soy el bofetón, el golpe y la mejilla” – Ich bin der Dolch und die Wunde, ich bin die Ohrfeige, der Schlag und die Wange – mit den Zeilen eines Gedichtes von Baudelaire erklärt Abad einen Aspekt der lateinamerikanischen Identität: „Drastisch ausgedrückt, sind wir die Söhne und Töchter der Vergewaltiger und der Vergewaltigten gleichermaßen, und das gibt uns einen seltsamen Charakter“, erklärt Abad und bezieht sich damit auf die Kolonisierung Lateinamerikas durch die Europäer.

Ein Schriftsteller in Berlin

Die Freie Universität Berlin kannte Abad vor seiner Gastprofessur nicht, Berlin hingegen schon. Als Stipendiat im Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes hatte er 2006/2007 bereits ein Jahr in der Stadt gelebt und „eine Lebensart entdeckt“, die er bislang nicht gekannt hatte. „Nie zuvor hatte ich so viel Ruhe und Zeit nur für mich“, sagt der Schriftsteller. Der Müßiggang ist auch das Thema einer Sammlung von Essays, die er in dieser Zeit verfasste. Sieben Jahre später hat sich Berlin in seinen Augen nicht verändert – noch immer gebe es überall Baustellen, lacht er. Die Stadt sei noch immer so lebendig und bezaubernd wie vor einigen Jahren und habe noch immer die besten öffentlichen Verkehrsmittel der Welt. Am liebsten aber erkundet Héctor Abad die Stadt mit dem Rad: „Den Vormittag über schreibe ich an einem neuen Roman, und am Nachmittag bereite ich mein Seminar vor – den Rest der Zeit schwimme ich und fahre Rad.“

Weitere Informationen

Antrittsvorlesung: Odi et amo: La relación conflictiva entre Europa y América Latina

Zeit und Ort

  • 21. Mai 2014, 18 Uhr
  • Habelschwerdter Allee 45, Raum KL 32/202, 14195 Berlin (U-Bhf. Thielplatz, U 3)
  • Die Vorlesung findet in spanischer Sprache statt

Weitere Informationen

Prof. Dr. Claudia Olk, Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-564 18, E-Mail: claudia.olk@fu-berlin.de