Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Gute Ideen verwirklichen

In dem Projekt „Lab2Venture“ setzen Berliner Schülerinnen und Schüler Forschungsaufträge von Unternehmen in die Tat um

24.04.2014

Carl, Friedrich und Friederike überprüfen das Wachstum des Schleimpilzes Physarum polcephalum
Carl, Friedrich und Friederike überprüfen das Wachstum des Schleimpilzes Physarum polcephalum Bildquelle: Petra Skiebe-Corrette

Naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen gleichzeitig wirtschaftliches Denken näher bringen – das sind die Ziele des Projekts „Lab2Venture“: Unternehmen und Einrichtungen vergeben Aufträge an Jugendliche – gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und durchgeführt an zehn deutschen Schülerlaboren. Eines davon ist das NatLab der Freien Universität. Zum Abschluss der zweiten Projektrunde präsentierten die drei Teilnehmergruppen ihre Ergebnisse.

Lab2Venture ist ein ganz neues und innovatives Konzept“, sagt Professorin Petra Skiebe-Corrette, die am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie das NatLab leitet und Lab2Venture an der Freien Universität betreut hat. Die zwölf Schülerinnen und Schüler, die daran teilnahmen, hatten die Aufgabe, tatsächliche Aufträge mit eigenen Ideen umzusetzen. Und die Aufträge hatten es in sich.

Für die Heinrich-Zille-Grundschule in Berlin-Kreuzberg entwickelten drei Schülerinnen der Anna-Freud-Schule Lehrmaterialien, die die Grundschüler auf einen Besuch im Schülerlabor vorbereiten sollen. Mathilde, Claudia und Charlotte, die seit vergangenem Herbst an ihrem Projekt arbeiteten, mussten dabei die unterschiedlichen Lernniveaus und Interessen der Kinder beachten.

Ihr Konzept sieht verschiedene Lernstationen vor, die leicht verständlich verschiedene Laborinstrumente vorstellen oder den Geruchssinn der Schüler schulen. „Großes Kompliment“, sagte nach der Präsentation Auftraggeber und Lehrer Claus Brencher, der die Unterrichtseinheit zusammen mit den Erfinderinnen in seiner Klasse testen wird.

Arbeiten mit dem Schleimpilz

Die zweite Gruppe bekam von der Carolina Science GmbH den Auftrag, zu untersuchen, wie der „Echte Schleimpilz“ (physarum polycephalum) als anschaulicher Organismus im Unterricht eingesetzt werden kann, um Schülern naturwissenschaftliche Inhalte besser zu vermitteln. Das Team vom Werner-von-Siemens-Gymnasium entwickelte unterschiedliche Versuche und arbeitete so eine Unterrichtsreihe mit dem Pilz aus, die an vielen Stellen den aktuellen Lehrplan an Berliner Schulen ergänzt.

Das Ziel, theoretisches Wissen praktisch zu vermitteln, ist eines der Leitmotive, die zum Projekt Lab2Venture geführt haben – vor allem mit Blick auf die Zukunftschancen für angehende Forscherinnen und Forscher. „Wir wünschen uns Wissenschaftler, die auch wirtschaftlich denken können“, sagt Martina Parrisius vom TheoPrax-Zentrum des Fraunhofer Instituts. „Nur so können aus Erfindungen und Entdeckungen Inventionen werden.“

Darum werden in dem Schülerprojekt die Teilnehmer früh mit Unternehmen und wirtschaftlicher Denkweise konfrontiert – unterstützt durch profund, die Gründungsförderung der Freien Universität, die den Schülern mit einem Workshop zu Präsentationstechniken wichtiges Wissen vermittelt hat.

Experimentieren wie die Profis

Mit der Umkristallisation von Menthol beschäftigte sich die dritte Gruppe, beauftragt durch das Unternehmen DexLeChem. Das Schüler-Team experimentierte mit verschiedenen Lösungsmitteln, Temperaturen und Rührtechniken und kam am Ende auf Ergebnisse, die auch Auftraggeberin Sonja Jost überraschten: „Unglaublich, wie ihr euch da reingearbeitet habt.“

Bei der Umsetzung der Ideen und der Durchführung von Experimenten im Labor halfen auch Studierende der Freien Universität. „Die Herausforderung war, die Schüler zu begleiten, ohne ihnen Arbeit abzunehmen“, sagt Julius Frotscher, einer der studentischen Betreuer.

In der Vorbereitungsphase haben die Teilnehmenden Workshops zu unterschiedlichen Themen besucht – etwa der Workshop „Pitch-Training“, den profund anbot. Diese Veranstaltungen seien sehr lehrreich gewesen und hätten einen guten ersten Einblick in das wirtschaftliche Denken gegeben, sagt Charlotte, die mit ihrer Gruppe für die Heinrich-Zille-Grundschule gearbeitet hat: „Es war außerdem total spannend, was Neues auszuprobieren.“

Organisatoren, Auftraggeber, Schüler oder Studenten – die Beteiligten von Lab2Venture haben wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Wir haben alle etwas gelernt. Die Schüler, die Studenten – und auch ich“, resümiert Petra Skiebe-Corrette das Projekt. Sie ist beeindruckt von der Leistung der Nachwuchswissenschaftler und hofft, dass die Auswertung der Projektergebnisse für Wiederholungen sorgt.