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Können versus Klischees

Doktorand gründete mit dem Verein „Lions of Science“ eine Art „Jugend forscht“ für Kenia

24.03.2014

Ken-Andrew Muthui überzeugte beim Wettbewerb 2013 mit dem Prototypen einer Brille, mit der sich Blinde im Raum besser orientieren können.
Ken-Andrew Muthui überzeugte beim Wettbewerb 2013 mit dem Prototypen einer Brille, mit der sich Blinde im Raum besser orientieren können. Bildquelle: Lions of Science
Kani Tuyala promoviert an der Freien Universität und gründete 2012 den Verein „Lions of Science e.V.“.
Kani Tuyala promoviert an der Freien Universität und gründete 2012 den Verein „Lions of Science e.V.“. Bildquelle: Privat

Kani Tuyala, Doktorand an der Freien Universität, gründete 2012 den gemeinnützigen Verein „Lions of Science e.V.“. Der Verein ruft jährlich zu einem Projektwettbewerb auf, in dem wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte von kenianischen Studierenden ausgezeichnet werden. Die Idee dazu hatte der Politologe während seiner Forschungsaufenthalte in Kenia.

Das Bild, das sich die Welt von Afrika macht, ist meist geprägt von Klischees: Armut, Krieg, Hungersnot oder Krankheit. Der deutsch-kongolesische Doktorand Kani Tuyala möchte die Probleme seines zweiten Heimatkontinents nicht schönreden, „aber es geht mir darum, auch ein anderes Bild von Afrika zu zeigen. Es gibt dort viel Potenzial zu entdecken“, sagt Tuyala, der sich insbesondere in Ost-Afrika gut auskennt.

Im Rahmen seiner Doktorarbeit am Institut für Ethnologie an der Freien Universität Berlin, für die er eine Fallstudie zu einem global agierenden kenianischen Medienunternehmen erstellt, ist der Politologe in den vergangenen vier Jahren mehrfach nach Kenia gereist. Bei Experteninterviews und Reisen durch das Land lernte er die Innovationsfreude und anpackende Mentalität der Kenianer kennen.

Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert für Kenia

„Von da an wollte ich mich nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch mit dem Land beschäftigen“, sagt Tuyala. Mit diesem Vorsatz im Reisegepäck gründete der Doktorand vor zwei Jahren den Verein „Lions of Science“ – eine Art „Jugend forscht“ für Kenia.

„Meine Grundidee war es, wissenschaftliche Projekte zu fördern, die einen gesellschaftlichen Mehrwert für Kenia haben“, erklärt Tuyala. Eingereicht werden können Vorschläge aus den Kategorien Gesundheit, Umwelt, indigenes Wissen, Ingenieurswesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie, die die Teilnehmer – Studierende aus Kenia – auf der Internetseite von Lions of Science online stellen.

Nach einer Vorauswahl und einem Online-Voting gibt eine Jury ihre Bewertung ab und kürt die drei besten Projekte. Neben einem Preisgeld von insgesamt 5000 Euro erhalten die Gewinner die Gelegenheit, ihre Projekte im Rahmen eines Praktikums in kenianischen Unternehmensgründerzentren weiterzuentwickeln und beispielsweise auch einen Sprachkurs im Goethe-Institut zu absolvieren.

Gewinnerprojekt: eine spezielle Brille für Blinde und Sehgeschädigte

Im ersten Wettbewerb im vergangenen Sommer gewann der 36-jährige Ken-Andrew Muthui. Er hat den Prototypen einer Brille entwickelt, die es Blinden oder Sehgeschädigten ermöglicht, sich im Raum zu orientieren. „Die Brille hat eine Konstruktion an der Seite, die Schallwellen in den Raum wirft. Wenn sie auf Widerstände trifft, wird das Signal reflektiert, ähnlich wie bei einer Fledermaus“, erklärt Kani Tuyala. Er steht bis heute mit Muthui in Kontakt. „Mich interessiert natürlich, wie es mit den Gewinnern und ihren Projekten weitergeht“, sagt Tuyala.

Kani Tuyala hat mit seinem Innovationswettbewerb „Lions of Science“ schon viel erreichen können: Die Deutsche Botschaft hat die Schirmherrschaft übernommen, und das Goethe-Institut Nairobi stellt jährlich einen Veranstaltungsraum für die Preisverleihung zur Verfügung. Führende kenianische Unternehmensgründungszentren unterstützen die Preisträger und auch die Heinrich Böll Stiftung sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) gehören zum Kreis der aktiven Partnerschaften. Die nächste Wettbewerbsrunde startet in diesem Frühjahr: Von Mai bis Juli können kenianische Studierende ihre Projekte einreichen.

Für die Zukunft kann Tuyala sich noch mehr vorstellen: ein Mentoren- oder Austauschprogramm unter Studierenden und Experten in Kenia und Deutschland etwa. „Afrika boomt derzeit. Irgendwann wollen wir mit Lions of Science auch in anderen afrikanischen Ländern vertreten sein“, sagt Tuyala. Vielleicht spreche man bald nicht nur vom „asiatischen Tiger“ der Wirtschaft, sondern auch von den afrikanischen Löwen der Wissenschaft.