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Herausforderungen des politischen Journalismus zwischen Newa und Spree

Einwöchiges Masterseminar mit Journalistik-Studierenden aus St. Petersburg und von der Freien Universität

13.01.2014

Live aus dem Hauptstadtstudio der ARD – die russische Journalistikstudentin Elena Nikulicheva übt sich als Auslandskorrespondentin.
Live aus dem Hauptstadtstudio der ARD – die russische Journalistikstudentin Elena Nikulicheva übt sich als Auslandskorrespondentin. Bildquelle: Saskia Sell
Von der Newa an die Spree: Studierende des Masterstudiengangs Medien und politische Kommunikation an der Freien Universität mit Gästen aus St. Petersburg in der Bundespressekonferenz.
Von der Newa an die Spree: Studierende des Masterstudiengangs Medien und politische Kommunikation an der Freien Universität mit Gästen aus St. Petersburg in der Bundespressekonferenz. Bildquelle: Saskia Sell

Jedes Jahr stellt die Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ eine Rangliste der Pressefreiheit zusammen. Russland belegte 2013 im Ländervergleich Platz 148 von 179. Auch Deutschland kam „nur“ auf Platz 17. Was steckt hinter diesen Zahlen, und wie wird politischer Journalismus durch ökonomische, rechtliche, ethische, politische und kulturelle Dimensionen in Russland und Deutschland geprägt? Darüber diskutierten Journalistik-Studierende der Staatlichen Universität St. Petersburg mit Studierenden des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität in einem gemeinsamen Masterseminar.

Publizistikprofessorin Margreth Lünenborg und Saskia Sell, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, betreuten das einwöchige Seminar „Challenges for Political Journalism – a Transnational Perspective“ von deutscher Seite. Beide waren zuletzt 2012 im Rahmen einer gemeinsamen Fachtagung in St. Petersburg gewesen und pflegen enge Kontakte zum dort ansässigen Journalistik-Institut.

„Neben dem fachlichen Austausch geht es in einer solchen gemeinsamen Woche natürlich auch darum, die andere Kultur kennenzulernen und sich über das Journalistische hinaus auszutauschen“, sagt Margreth Lünenborg, Leiterin der Arbeitsstelle Journalistik an der Freien Universität.

Was hat Einfluss auf die Medienlandschaft eines Landes?

Elena Nikulicheva ist eine von acht Studierenden aus St. Petersburg, die an der gemeinsamen Seminarwoche in Dahlem teilgenommen haben. Neben ihrem Journalistikstudium arbeitet sie als freie Journalistin. „Meiner Meinung nach ist die deutsche Medienlandschaft stärker von ökonomischen Faktoren gelenkt als von staatlichen Interessen“, sagte die 20-Jährige. „In Russland ist das genau andersherum.“

Gemma Pörzgen, Vorstandsmitglied von „Reporter ohne Grenzen“, sieht das ähnlich. Die Journalistin war auf Einladung zum Seminar an die Freie Universität gekommen. Dass Deutschland nicht auf den vordersten Plätzen der Rangliste für Pressefreiheit liegt, ist ihrer Ansicht nach vor allem auf die durch Konzentrationsprozesse bedrohte Medienvielfalt zurückzuführen.

Besondere Einrichtung: die Bundespressekonferenz

Zum Seminarprogramm gehörten auch gemeinsame Besuche von Berliner Medieneinrichtungen wie dem ARD-Hauptstadtstudio und der Bundespressekonferenz. „Ein Ort, an dem Journalisten Politiker zu einer Pressekonferenz einladen – das gibt es bei uns in Russland nicht“, sagte Svetlana Bodrunova. Die promovierte Publizistin aus St. Petersburg leitete das Seminar gemeinsam mit Anna Litvinenko von russischer Seite. Beide Wissenschaftlerinnen forschen derzeit zum Thema Neue Medien und politischer Protest in Russland. „Der russische Staat hat das Internet lange nicht beachtet. Aber die Dinge ändern sich jetzt“, sagte Anna Litvinenko.

Die promovierte Journalistin kennt die Freie Universität bereits: Sie hat als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung am Dahlemer Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft geforscht.

Für den Großteil der russischen Bevölkerung sei das staatliche Fernsehen noch immer die erste Informationsquelle, sagte Anna Litvinenko. Das Internet spiele allerdings eine immer größere Rolle. Die Journalistin und Wissenschaftlerin sieht in der verstärkten Nutzung des Mediums, das über Ländergrenzen hinweg verbindet, eine Chance: „Wir wollen nicht nur die Unterschiede in unseren Mediensystemen sehen, sondern auch die Gemeinsamkeiten, die wir als Digital Natives miteinander teilen.“