Die jungen Helden von Berlin

Premiere eines Theaterstücks von Studierenden des Instituts für Kultur- und Medienmanagement und Künstlern der Ernst-Busch-Schauspielschule

23.08.2013

Das Ensemble bei den Proben - die Aufführung sei bunt, musikalisch und ein wenig schrill. Mehr wollen die Studenten vor der Premiere am 24. August nicht verraten.
Das Ensemble bei den Proben - die Aufführung sei bunt, musikalisch und ein wenig schrill. Mehr wollen die Studenten vor der Premiere am 24. August nicht verraten. Bildquelle: IKM
Sechs Studentinnen und ein Student des IKM sind für die Produktion des Theaterprojekts verantwortlich: (v.l.n.r.) Katharina Hein, Tamara Douma, Leonie Miserre, Carolina Rigueira, Clara Stangier, (vorne) Anton Jäger und Elisa Bilko.
Sechs Studentinnen und ein Student des IKM sind für die Produktion des Theaterprojekts verantwortlich: (v.l.n.r.) Katharina Hein, Tamara Douma, Leonie Miserre, Carolina Rigueira, Clara Stangier, (vorne) Anton Jäger und Elisa Bilko. Bildquelle: IKM

David Bowie und Iggy Pop – das waren die Musikhelden aus den Siebzigerjahren. Doch wie steht es in unserer Zeit um Idole und Helden? Unter dem Titel „Heroes – Where Are We Now?“ beschäftigen sich mit dieser Frage Studierende des Instituts für Kultur- und Medienmanagement (IKM) der Freien Universität Berlin gemeinsam mit Schauspielstudenten. Am 24. August 2013 findet die Premiere des bisher größten Theaterprojekts des IKM statt.

Das 1925 erbaute Umspannwerk Kreuzberg versprüht einen kühlen Charme. Damit scheint der Industriebau genau der richtige Ort zu sein, um eine Performance zu zeigen, die sich der aktuellen Berliner Kunstszene widmet – einer Kultur der Kreativen und Alternativen, die fortwährend auf der Suche nach ihrer Identität sind. Für diese „Generation Vielleicht“ ist es nicht einfach, denn sie scheint keine prägenden Vorbilder zu haben wie Generationen vor ihr.

„Wir haben viel darüber diskutiert, ob es den Helden überhaupt noch gibt. Für mich persönlich hat das Wort viel an Wert verloren. Heute geht es um Ruhm, weniger darum, uneigennützig Gutes zu tun“, sagt Elisa Bilko. Die Studentin am IKM ist mitverantwortlich für das Theaterprojekt. Inspirieren ließen sie und ihre Kommilitonen sich von zwei Helden der Siebzigerjahre: David Bowie und Iggy Pop. Und kamen so vom Gestern zum Heute: Wer oder was wirkt für junge Menschen identitätsstiftend? Wie profiliert man sich heute, wie ordnet man sich in die Gesellschaft ein, wie grenzt man sich von ihr ab?

Berlin – Bowie zufolge das „graueste“ und kreativste Pflaster Deutschlands

Im Rahmen des Theaterprojekts „Heroes – Where Are We Now?“ beschäftigen sich die Studierenden mit der kreativen Berliner Subkultur. Elisa Bilko, Katharina Hein und Clara Stangier sind drei von insgesamt sieben Studenten, die sich der Theaterproduktion ein halbes Jahr lang verschrieben haben.

David Bowie, der 1976 als junger Mann in das durch die Mauer geteilte Berlin eingetaucht war, um Los Angeles zu entfliehen und sein Album „Heroes“ zu produzieren, war eine große Inspiration für die studentische Künstlertruppe – so wie Bowie seinerzeit von Berlin beeinflusst war: „Berlin als pulsierende, vibrierende Stadt hat den jungen, unangepassten Bowie gereizt“, sagt Bilko. Die Stadt habe der Brite als einen der „grauesten“ Orte der Welt empfunden – und genau deshalb habe er dorthin gewollt: „Dorthin, wo ihn niemand kannte.“

Für „Heroes – Where Are We Now?“ haben die Studierenden die Storyline, das Drehbuch, zum Theaterstück geschrieben. Regisseur Axel Wandtke hat es szenisch interpretiert und setzt es um: „Es ist spannend zu sehen, wie die Geschichte in andere Hände übergegangen ist und wie aus der Inspirationsquelle David Bowie ein abendfüllendes Event wird“, sagt Katharina Hein. „Wir sind absolut zufrieden mit dem, was Axel produziert und auf die Bühne bringt.“

Momentaufnahme ohne moralischen Zeigefinger

Ziel des Projekts sei es in erster Linie, die Zuschauer zu unterhalten. „Es soll Spaß machen. Man hat letztlich keinen Einfluss auf die Gedanken der Besucher, und jeder wird etwas anderes aus diesem Abend ziehen“, sagt Clara Stangier. Wie man in Berlin am besten bestehen könne, wie man in dieser Stadt „zum Helden“ werde, können und wollen die Studierenden nicht vorgeben. Die freie Atmosphäre, die wie ein Magnet auf junge Menschen und besonders Künstler aus aller Welt wirke, spiele aber eine große Rolle: „Das Nebeneinander in Berlin ist stark ausgeprägt. In der U-Bahn sieht man die Drag Queen neben der Mutter mit dem Kopftuch.“

Wenn „Heroes – Where Are We Now?“ am 24. August 2013 um 20 Uhr im Umspannwerk Kreuzberg uraufgeführt wird, ist es Premiere und letzte Vorstellung in einem. Die Studenten hoffen auf ein breites Publikum: „Vielleicht kommen einerseits Bowie-Fans von damals und andererseits junge Künstler aus unserer Generation. Wir wünschen uns, dass die Besucherinnen und Besucher einen Zugang zu dem Stück finden, das extrem vielseitig ist – ganz wie die Berliner Gesellschaft.“