Vom Seminarraum auf die Lesebühne

Anneke Lubkowitz und Theresa Lienau veröffentlichen zweite Ausgabe ihres Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“

25.02.2013

Die Studentinnen Anneke Lubkowitz (li.) und Theresa Lienau haben kürzlich die zweite Ausgabe ihres Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“ veröffentlicht. Das Heft trägt den Titel „Pausen“.
Die Studentinnen Anneke Lubkowitz (li.) und Theresa Lienau haben kürzlich die zweite Ausgabe ihres Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“ veröffentlicht. Das Heft trägt den Titel „Pausen“. Bildquelle: Verena Blindow
Die zweite Ausgabe des Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“ fand nicht nur bei der Release-Party im Café „Shangl Hangl“ großen Anklang.
Die zweite Ausgabe des Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“ fand nicht nur bei der Release-Party im Café „Shangl Hangl“ großen Anklang. Bildquelle: Susanne Rothmund

Anneke Lubkowitz und Theresa Lienau können ihr Glück noch immer nicht fassen: Gefördert von dem Jugendprogramm „Think Big“ des Mobilfunkanbieters O2 sowie der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freien Universität Berlin, unterstützt von Vertretern der Berliner Literaturszene, gefeiert von Freunden, Autoren und Lesern auf der Release-Party im Café „Shangl Hangl“ in Neukölln – der Erfolg der zweiten Ausgabe ihres Literaturmagazins „Sachen mit Woertern“, einem etwa 50-seitigen Heft mit Textbeiträgen verschiedenster Art und Länge, hat ihre Erwartungen deutlich übertroffen. „Wir hätten es uns nicht besser vorstellen können“, sagt Theresa Lienau.

Die Idee, ein Literaturmagazin zu gründen, war ursprünglich im Rahmen eines Projektseminars im Sommersemester 2010 entstanden. Eine Literaturagentin hatte ihre Erfahrungen aus der Literaturszene an die Kursteilnehmer weitergegeben. „Wir sollten in Gruppen ein eigenes Magazin entwerfen“, erinnert sich Anneke Lubkowitz, „und für uns war von vornherein klar, dass wir ein Literaturmagazin machen wollten.“ Lubkowitz schließt ihr Studium gerade mit einem Master in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft ab, ihre Mitstreiterin Theresa Lienau ist im siebten Semester des Bachelorstudiengangs Frankreichstudien. Die beiden haben sich erst durch das Seminar kennengelernt, doch die Leidenschaft für Literatur verbindet sie. Bei der Konzeption der ersten Ausgabe waren sie noch zu fünft, was die Arbeit in mancher Hinsicht erschwerte. „Wir mussten fünf verschiedene Ideen zusammenbringen und haben uns deshalb für eine thematische Eingrenzung entschieden, um dem Heft einen roten Faden zu geben“, sagt Lienau.

Thematische Eingrenzung und Selbstreferenzialität

Für die aktuelle Ausgabe des Heftes mit dem Titel „Pausen“, die die beiden Studentinnen der Freien Universität schließlich zu zweit auf die Beine stellten, musste das Konzept daher angeglichen werden. Vierzehn Monate liegen zwischen der Erstausgabe mit dem Titel „Debüt“ und dem zweiten Heft, was an einem längeren Auslandsaufenthalt, neuen Schwerpunkten und der notwendigen Neuorganisation des Teams liegt. Der Titel „Pausen“ spiegelt diese Umstände wider, ebenso wie „Debüt“ den Erstlingscharakter des Projekts unterstreichen sollte.

Bei der Titelwahl geht es aber auch darum, ein Bewusstsein für alltägliche Begriffe zu schaffen. „Das Wort Pause benutzen wir im Alltag sehr oft, man könnte fast sagen: inflationär, und ohne dass wir über die tiefere Bedeutung nachdenken“, sagt Theresa Lienau. Das Vorgehen der Studentinnen hat zudem einen weiteren Vorteil: Indem sie einzelne Begriffe auswählen und sie in ihrem Magazin aus mehreren Blickwinkeln betrachten, sichern sie sich eine gewisse Exklusivität. „Als wir uns dafür entschieden haben, ein Thema pro Heft zu wählen, war uns nicht wirklich bewusst, dass dies etwas ist, das uns von anderen Literaturmagazinen unterscheidet“, sagt Anneke Lubkowitz. Die Themenwahl geschehe jedoch nicht willkürlich, erklärt die 23-jährige Masterstudentin. Das Thema müsse sich möglichst weit auslegen lassen, einen Bezug zum Literaturbetrieb haben und eine gewisse Selbstreferenzialität ermöglichen. Auch das nächste Heft mit dem Titel „Takt“ erfülle diese Voraussetzungen. Das nächste Heft soll jedoch nicht so lange auf sich warten lassen. Nach Möglichkeit sollen in Zukunft zwei Ausgaben pro Jahr erscheinen.

Unterstützung aus der Berliner Literaturszene

Unterstützung erhalten die Studentinnen vor allem von dem in der Berliner Literaturszene bekannten Illustrator Petrus Akkordeon, der das Projekt „Sachen mit Woertern“ von Anfang an begleitet hat und dafür honorarfrei Illustrationen anfertigt. Auch zu anderen Berliner Künstlern, etwa der Lyrikerin Jinn Pogy, haben Lubkowitz und Lienau mittlerweile Kontakt, sodass sich auch die Suche nach Interview-Partnern und Autoren einfacher gestaltet. Wichtig ist den Studentinnen jedoch, dass auch noch unbekannte Autoren ihre Texte in dem Magazin veröffentlichen können. „Es ist einfach, uns zu kontaktieren und mit uns zusammenzuarbeiten“, sagt Lienau. „Wir stecken selbst noch in der Selbstfindungsphase und unser Magazin sozusagen noch in der Pubertät.“

Eine berufliche Zukunft im Literaturbetrieb können sich beide sehr gut vorstellen. „Die Arbeit an dem Heft hat mir gezeigt, dass ich das alles sehr spannend finde: das Networking, die Arbeit mit den Texten und den Kontakt zu den Autoren“, sagt Anneke Lubkowitz. „Und ich habe gemerkt, dass ich dabei großes Durchhaltungsvermögen habe, was ich in diesem Ausmaß vorher nicht gedacht hätte.“ Theresa Lienau möchte sich nach Abschluss ihres Bachelorstudiums für den weiterbildenden Masterstudiengang Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität bewerben und hofft, dass „Sachen mit Woertern“ ihre Chancen auf eine Zusage erhöht.

Nach wie vor machen die beiden Studentinnen alles selbst – von der Akquise über das Lektorat bis zur Gestaltung und zum Vertrieb. Das ganze Know-how haben sie sich selbst erarbeitet. Inzwischen haben sie die Aufgaben jedoch stärker aufgeteilt: Anneke Lubkowitz ist für die Textauswahl und die Autorenakquise zuständig, während sich Theresa Lienau um das Layout kümmert. Für den Vertrieb und die Vermarktung sind beide zuständig. Derzeit verteilen sie „Pausen“ an Berliner Lesebühnen – „aber“, sagt Lienau, „gedanklich müssten wir eigentlich schon beim nächsten Heft sein.“ Wie im richtigen Verlagsalltag eben auch.

Wenn Sie mithelfen oder mitdenken wollen, schicken Sie Ihre Beiträge zum Thema "Takt" an sachen_mit_woertern@gmx.de oder unterstützen Sie Theresa Lienau und Anneke Lubkowitz bei der redaktionellen Arbeit.